Ahnen: Schülerinnen und Schüler noch besser unterstützen und fördern

"Um Kindern bessere Bildungschancen zu verschaffen, vor allem aber um junge Menschen gerade in den Hauptschulen wirksamer unterstützen zu können, sollen die Schulen und die Jugendhilfe künftig noch häufiger eng miteinander und mit den Familien der Schülerinnen und Schüler zusammenarbeiten. Hier im Land, aber auch bundesweit, hat sich als Instrument dafür die Schulsozialarbeit bewährt. Daher macht die Landesregierung den Trägern der Jugendhilfe – also den Landkreisen und kreisfreien Städten – und insbesondere allen Hauptschulen landesweit das Angebot, mit finanzieller Hilfe des Landes in den kommenden Jahren Stellen für Schulsozialarbeit einzurichten." Das unterstrich Bildungs- und Jugendministerin Doris Ahnen bei einem Pressegespräch in der Grund- und Hauptschule am Gleisberg in Mainz-Gonsenheim, die in diesem Jahr neu in das Landesprogramm "Schulsozialarbeit an Hauptschulen" aufgenommen wurde.

23.06.2006 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

"Die positiven Erfahrungen an den derzeit 71 Schulen mit Schulsozialarbeit haben uns ermutigt, den Schritt zu einem flächendeckenden Ausbau zu gehen", betonte die Ministerin. Sie erinnerte daran, dass es zu Beginn der verstärkten Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe Mitte der 90er Jahre noch durchaus Skepsis gegeben habe, ob diese Zusammenarbeit reibungslos funktionieren werde. "Heute können wir sagen, die Schulsozialarbeit ist ein Erfolgsmodell, sie ist eine zusätzliche pädagogische Ressource, die den schulischen Alltag und das schulische Leben bereichert". Schulsozialarbeit helfe Schulen dabei, sich für Beratungs- und Hilfsangebote zu öffnen, die der Schule an und für sich so nicht zur Verfügung stünden. Eine gute Schule müsse heute die Lebensumwelt von Kindern und Jugendlichen in ihren Unterricht und ihre erzieherische Arbeit einbeziehen. "Schule muss sowohl ein Ort der Wissensvermittlung als auch Lebens- und Erfahrungsraum für ihre Schülerinnen und Schüler sein", hielt die Bildungsministerin fest, die dabei daran erinnerte, dass dieses Ziel beispielsweise auch mit dem Ganztagsschulprogramm des Landes verfolgt werde.

Das Land fördere die Schulsozialarbeit mit einem Festbetrag von 30.600 Euro pro ganzer Stelle beziehungsweise mit 15.300 Euro für eine halbe Stelle, erläuterte Doris Ahnen. Diese Landesförderung decke jeweils etwa zwei Drittel der anfallenden Kosten ab. Die restliche Finanzierung müssten die örtlichen Jugendhilfeträger sicherstellen, die bei der Einrichtung der Stellen aber auch mit freien Trägern zusammenarbeiten könnten. Der Kreis der allgemein bildenden Schulen mit Schulsozialarbeit sei allein in diesem Schuljahr um 21 neue Standorte auf 71 erweitert worden. Neun weitere Standorte seien bereits fest für das kommende Schuljahr eingeplant. Mit der beabsichtigen Erweiterung um 116 zusätzliche Schulen stehe dann an allen eigenständigen Hauptschulen und verbundenen Grund- und Hauptschulen im Land eine regelmäßige zusätzliche pädagogische Anlaufstelle zur Verfügung, sagte die Bildungs- und Jugendministerin und kündigte an: "Wir werden vom Jahr 2007 an weitere 1,7 Millionen Euro für Schulsozialarbeit in den Haushalt einstellen, um diese umfangreiche Ausdehnung finanziell abzusichern." Mit diesen Geldern könnte an jeder der derzeit noch "unversorgten" Hauptschulen Schulsozialarbeit im Umfang von einer halben Stelle eingerichtet werden.

Vertreterinnen und Vertreter aus der pädagogischen Praxis bestätigten, dass das Angebot an Schulsozialarbeit sich positiv auf die Schulkultur ausgewirkt habe. "Die Schülerinnen und Schüler haben einen zusätzlichen vertrauenswürdigen Ansprechpartner in der Schule, der hilft, Konflikte mit anderen Schülerinnen und Schülern, aber auch mit Lehrkräften oder den Eltern zu lösen", erläuterte die Rektorin der Mainzer Goethe-Hauptschule, Maria-Theresia Landau. Die Schule hat bereits seit 1997 Erfahrung mit Schulsozialarbeit und möchte diese zusätzliche pädagogische Unterstützung nicht mehr missen: "Seitdem können wir unseren Schülerinnen und Schülern individuellere und vielschichtigere Angebote machen, zum Beispiel bei Entwicklungsproblemen und bei der Berufsfindung, gerade auch in der Vernetzung mit außerschulischen Stellen", bilanzierte Landau. Der Schulleiter der Gleisberg-Hauptschule, Andreas Dilly, unterstützte: "Für die Schülerinnen und Schüler ist es sehr wichtig, einen Ansprechpartner vor Ort zu haben, der nicht direkt in das System Schule eingebunden ist und der auch keine Noten gibt. Schulsozialarbeit ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Schule und Jugendamt und ein sinnvoller Zwischenschritt zwischen diesen beiden Institutionen".

Rheinland-Pfalz hatte zum Schuljahr 1994/95 an der Barbarossa-Hauptschule in Kaiserslautern mit dem planmäßigen Aufbau der Schulsozialarbeit an Hauptschulen begonnen. Obwohl Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, zu denen auch die Schulsozialarbeit gehöre, originäre Aufgabe der kommunalen Träger der Jugendhilfe seien, habe sich das Land damals entschlossen, mit einem erheblichen Beitrag in die Finanzierung der Schulsozialarbeit einzusteigen, betonte die Ministerin und ergänzte: "Heute können wir sagen, diese damals bundesweit vorbildliche Entscheidung hat sich als richtig erwiesen". Schulsozialarbeit sei zu einem ganz wichtigen Beitrag geworden, um Kindern und Jugendlichen zielgerichtete Hilfen zukommen zu lassen, um beispielsweise erfolgreich einen Schulabschluss zu erlangen. "Schulsozialarbeit hilft in der Prävention, sie dient der Integration und befördert, wenn sie richtig eingesetzt wird, bildungspolitische Innovation. Und besonders wichtig ist heute: Sie unterstützt junge Menschen auf ihrem Weg von der Schule in die Arbeitswelt", sagte die Bildungs- und Jugendministerin abschließend.

Anlage: Programm "Schulsozialarbeit an Hauptschulen in Rheinland-Pfalz.


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