Aktionsbündnis Schule: Gemeinschaftsschule mit krassem Glaubwürdigkeitsproblem
Die Genehmigung von 6 (bei insgesamt 17) Gemeinschaftsschulen "aus einer bestehenden Hauptschule" - so die MSW-Presseinformation vom 21.1.2011 - provoziert die Frage, ob bereits im ersten Genehmigungsverfahren für den Schulversuch der Gemeinschaftsschule die Eckdaten über Bord geworfen werden. "Es ist davon abzuraten, eine Gemeinschaftsschule ausschließlich auf der Basis existenzgefährdeter Hauptschulstandorte zu bilden", formuliert das Schulministerium im Leitfaden zu den Errichtungsvorgaben für die Gemeinschaftsschulen. Nun erlaubt die Schulministerin mehr als jeder 3. (!) Gemeinschaftsschule, nur auf der Basis von Hauptschulen an den Start zu gehen.
24.01.2011 Pressemeldung Aktionsbündnis SchuleDie 17 Eltern- und Lehrerorganisationen, schulische, hochschulpolitische und außerschulischen Institutionen und Organisationen des Aktionsbündnisses Schule sehen darin einen klaren Fehlstart für den Schulversuch. "Die Schulministerin unterläuft ihre eigenen Standards, wonach Gemeinschaftsschulen ein umfassendes Schulformangebot vor Ort ermöglichen sollen, wenn sie nun das Signal ausgibt, Hauptschulen könnten sich alleine in Gemeinschaftsschulen umstrukturieren, künftig sämtliche Abschlüsse vermitteln und natürlich ´gymnasiale Standards` vorhalten. Die Umwidmung von Hauptschulen in Gemeinschaftsschulen ist schlicht Etikettenschwindel!", kritisiert Peter Silbernagel, Sprecher des Aktionsbündnisses Schule.
"Die Gemeinschaftsschule entsteht in der Regel durch die Zusammenführung bestehender Schulen", unterstreicht die Presseinformation des Schulministeriums vom 21.1.2011, um gleichzeitig ihre eigenen Aussagen Lügen zu strafen. Werden künftig immer mehr Hauptschulen den Namen "Gemeinschaftsschule" tragen? Wird man damit den Schülerinnen und Schülern gerecht? Weckt man Erwartungen, die nicht zuletzt wegen der Qualitätsstandards scheitern müssen?
Das Aktionsbündnis Schule sieht sich darin bestätigt, dass der Schulversuch nicht nur zahlreiche rechtlichen Probleme heraufbeschwört, mehr noch einen oft unstrukturierten, unkalkulierbaren, pädagogisch höchst fragwürdigen Aktionismus zur Zeit in den Kommunen zur Folge hat. Schon zeichnet sich ab, dass mindestens an jedem 3. genehmigten Gemeinschaftsschulstandort heftige Auseinandersetzungen um das regionale Schulangebot aufbrechen. Die Gemeinschaftsschule weckt in der Praxis wenig "Gemeinschaftsgefühle".
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