Der große Bluff
Die Anmeldungen an die weiterführenden Schulen sind vorbei und die Zahlen durchweg stabil. Die Realschule (mit rund 32.000 Anmeldungen) ist neben dem Gymnasium (mit rund 35.000 Anmeldungen) einmal mehr die zweitbeliebteste Schulart in Baden-Württemberg.
26.05.2025 Baden-Württemberg Pressemeldung Realschullehrerverband Baden-WürttembergDie Anmeldungen an die weiterführenden Schulen sind vorbei und die Zahlen durchweg stabil. Die Realschule (mit rund 32.000 Anmeldungen) ist neben dem Gymnasium (mit rund 35.000 Anmeldungen) einmal mehr - mit deutlichem Abstand zu den folgenden Schularten Gemeinschaftsschule (rund 17.000 Anmeldungen) und Werkrealschule (rund 5000 Anmeldungen) - die zweitbeliebteste Schulart in BadenWürttemberg (Quelle).
Dass die Anmeldezahlen durchweg stabil sind, ist deshalb so bemerkenswert, weil zuvor von den Regierungsparteien diesbezüglich monatelang Alarmstimmung verbreitet worden war. Man müsse bei Einführung von G9 auch an den Strukturen der anderen Sekundarschulen Veränderungen vornehmen, weil es sonst zu erheblichen Verschiebungen in den Schülerströmen kommen würde, so die Posaune. Deshalb hat man die ursprüngliche Abmachung aus dem Koalitionsvertrag, keine Strukturveränderungen vorzunehmen, kurzerhand außer Kraft gesetzt. Ohne Einbindung von den am Schulleben Beteiligten wurde anschließend von weniger Leuten als eine Hand Finger hat ein neues Schulgesetz durchgepeitscht, das, die Sekundarstufe betreffend, nicht weniger als die Strukturen eines sinnvollen und vielfältigen Schulsystems endgültig zerschlagen soll und Baden-Württemberg im Windschatten von G9 in ein starres zweigliedriges Schulsystem umwandeln wird, wenn hier nicht schnellstens korrigierend eingegriffen wird.
Ein Konglomerat von Maßnahmen im neuen Schulgesetz sorgt dafür, dass es die noch 229 Werkrealschulen in der Schullandschaft unseres Landes bald nicht mehr geben wird. Die Abschaffung des Werkrealschulabschlusses ohne eine verbindliche Grundschulempfehlung auch für die Realschule (und somit auch Werkrealschule) sowie die Verunmöglichung kooperativer Verbünde mit Realschulen werden die Werkrealschulen als Schulart eliminieren. Schon wenige Wochen nach der Abstimmung im Landtag begannen in den finanziell sowieso gebeutelten Städten und Gemeinden die Krisengespräche. Jede Werkrealschule muss jetzt vor Ort ums Überleben kämpfen: Niefern, Pfullendorf, Friedrichshafen, Leinfelden-Echterdingen, Bühl, Böblingen, Merklingen, Weil der Stadt, Albstadt, Ehingen… die Liste könnte man beliebig weiterführen.
Die üblichen Beschwichtigungen der Regierungsparteien und des Kultusministeriums, die auch dieser Pressemitteilung unmittelbar folgen werden, sind hier völlig fehl am Platz. Es zählt die Realität! Spätestens an dieser Stelle sei an den Volksantrag ‚Nicht ohne unsere Realschulen!‘ des Realschullehrerverbands und des Landesbildungsrats Baden-Württemberg erinnert. Der Volksantrag erfährt überall große Unterstützung beispielsweise von anderen Verbänden, Mittelstandsvereinigungen, Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben betrieben usw. Er fordert realitätsnah, unkompliziert und noch dazu kostenneutral eine Verbindlichkeit für die Realschulen, die gleichzeitig auch den Zugang zu den Hauptschulen und Werkrealschulen regelt und somit für alle Schularten gilt und deren Existenz und Eigenständigkeit sichert.
Die Regierung argumentiert, es gäbe zu wenig Plätze für hauptschulempfohlene Kinder. Das ist schlicht falsch! Noch gibt es sie eben, die erwähnten 229 Werkrealschulen und dazu 323 Gemeinschaftsschulen, die das Hauptschulniveau von Gründung an in ihrem Gesamtkonzept integriert haben (viele davon von der Schülerzahl nicht ausgelastet). Die Vereinheitlichung aller Sekundarschulen steht aber schon seit 2011 auf der grünen Agenda. Jetzt vor den Wahlen im März 2026 nimmt man das Ziel nochmal in Angriff – diesmal mit Unterstützung der CDU. Auf den neuen Formularen der Grundschulempfehlung aus dem grünen Kultusministerium, welche die Grundschulen an die Eltern weitergeben, wird die Schulart Realschule jetzt für ALLE Grundschulkinder empfohlen. Wussten Sie das nicht? Können Sie auch nicht wissen! Alles passiert im Windschatten von G9. (Formular im Anhang)
„Es ist ab jetzt in Baden-Württemberg nicht mehr nur egal, auf welche weiterführende Schule neben dem Gymnasium ein Kind geht, sondern einfach völlig schnuppe! So sieht das Qualitätskonzept für unsere Bildung aus!“ konstatiert die Landesvorsitzende Dr. Karin Broszat.
„Während medial lediglich die Einführung von G9 und das neue Sprachprogramm bespielt werden, schafft man die bewährte Schulart für die Leistungsschwächeren und praktisch begabteren Kinder ab. Während die Kinder an Gymnasien durchaus berechtigt mehr Zeit zum Lernen in homogeneren Gruppen bekommen, wird die berufliche Bildung weiter unifiziert und destabilisiert. Gibt es aber keine Werkrealschulen mehr, wird auch die Realschule keine Realschule mehr sein. Zumindest nicht die Realschule, die sich die anmeldenden Eltern für ihre Kinder vorstellen, nämlich die Realschule mit der Qualität der Abschlüsse, die künftige Arbeitgeber sich vorstellen und dringend bräuchten!“, so die Landesvorsitzende, „genau darüber aber lässt man die Bürger Baden-Württembergs in Unkenntnis!“
Gleichzeitig ist bei den Anmeldezahlen eindeutig festzustellen, dass den Gemeinschaftsschulen seit ihrer Einführung 2012 der erhoffte Zuspruch aus der Bevölkerung nach wie vor fehlt. Denn, obwohl die Gemeinschaftsschule an vielen Orten alternativlos gemacht wurde (z.B. Tübingen) und alle drei Abschlüsse anbietet, bleibt der Übergang von den zum Teil hauseigenen Grundschulen in sehr überschaubarem Rahmen. Eine Evaluation dieser Schulart wurde schon von vielen Seiten gefordert und steht schon lange aus! Ein Schelm, der … usw.
Außer Kompass 4, der wegen völlig fehlender Vorbereitung von Kindern, Eltern und Lehrkräften einfach schieflaufen musste, hat die tölpelhaft übereilte Vorgehensweise der grünschwarzen Landesregierung noch andere Auswirkungen auf alle Schularten. Fächerzuschnitte wurden verändert, Informatik wird für alle zum Pflichtfach, obwohl es kaum Lehrkräfte dafür gibt, Wahlpflichtfächer beginnen nun alle in Klasse 6. Und das ab sofort! Normalerweise brauchen solche Veränderungen einen jahrelangen Vorlauf und Zeit, um gute und passende Bildungspläne zu entwickeln. So gibt es stattdessen Übergangslösungen und „Lesehilfen“, wie mit den bisherigen Bildungsplänen in den nächsten zwei Jahren für in den Übergangsklassen unterrichtet werden soll.
FAZIT: Die medial breitorchestriert vorgetragene Sorge des Kultusministeriums um die Anmeldezahlen an den weiterführenden Schulen war ein großer Bluff und diente lediglich als Vorwand, die Abmachung aus dem Koalitionsvertrag, keine Strukturveränderungen vorzunehmen, außer Kraft zu setzen, um den grünen, ideologischen Tagtraum einer Einheitsschule für alle durchzusetzen. Dass auf dem Weg dahin, die bislang methodisch-didaktisch unterschiedlichen Schularten ihrer Bezeichnung nach, zur Augenwischerei für die Bevölkerung, in nächster Zeit noch bestehen bleiben können, hat Methode. Hier wird mit Unterstützung des Koalitionspartners CDU ein ehedem so erfolgreiches, vielgliedriges Schulsystem nicht etwa reformiert, wie gerne durch das KM formuliert wird, sondern nachhaltig zum Zweisäulenmodell als Übergang zur finalen Einheitsschule deformiert!
„Es ist völlig unverständlich, wie die CDU als Partei des Mittestands dies zulassen kann! Das ist kein Kompromiss, sondern ohne Wenn und Aber ein für insbesondere Schüler, Eltern und den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg fatales Zugeständnis an grün-sozialistische Ideenpolitik. Wer im Wahlkampf von Wirtschaft, bürgerlicher Mitte und Rückkehr zum Leistungsprinzip in der Gesellschaft spricht, sollte eigentlich wissen, wo die jungen Menschen, die das mittragen und mitgestalten werden, herkommen!“, so abschließend die Landesvorsitzende Dr. Karin Broszat.
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