Ganztag

Anzahl der Ganztagsschulen in Deutschland hat sich zwischen 2005 und 2015 von 28% auf 60% verdoppelt

Mehr als ein Drittel aller Kinder in Deutschland nutzen Ganztagsangebote, aber es gibt große regionale Unterschiede.

18.11.2016 Bundesweit Pressemeldung Stiftung Mercator und Mercator-Institute
  • © www.pixabay.de

So nehmen beispielsweise 88 Prozent der Schüler in Hamburg am Ganztag teil, in Bayern hingegen nur 15 Prozent. Erstmals kommen heute in Berlin länderübergreifend Experten zusammen, um sich über Ansätze und tragfähige Konzepte für Qualität auszutauschen.

Mehr als 120 Lehrkräfte, Schulleitungen sowie Vertreter aus Schulaufsicht und Bildungsverwaltung aus fünf Bundesländern (Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein) kommen heute zur Auftaktveranstaltung von „Liga – Lernen im Ganztag“ zusammen. Das gemeinsame Programm der Stiftung Mercator und der Deutschen Jugend und Kinder Stiftung (DJKS) unterstützt bis Ende 2019 Projektpartner, eigene Projektideen zu verwirklichen und notwendige Qualitätsstandards festzulegen.

Winfried Kneip, Geschäftsführer der Stiftung Mercator: „Deutschland ist weit davon entfernt, bundesweit die Ganztagsschule als grundlegendes Prinzip zu verwirklichen. Es fehlt an politischem Willen, an verbindlicher Konzeption und oft gibt es große Vorbehalte der Eltern gegen einen verbindlichen Nachmittag. Ein verbindlicher, attraktiver, qualitativ guter Ganztag aber befördert neben der Chancengleichheit für Schüler auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Deutschland braucht so schnell wie möglich flächendeckend die Ganztagsschule mit hoher Qualität. Dazu zählt eine einheitliche und verbindliche Beschreibung, eine gesunde finanzielle Ausstattung und gesellschaftlicher Konsens. Ganztag ist ein richtungsweisender Schritt zur perfekten Schule in Deutschland. Ein verbindlicher, attraktiver, qualitativ guter Ganztag befördert neben Chancengleichheit auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“.

Positionen der Stiftung

Verbindlicher Ganztag
Verbindlichkeit ist zentral für den Ganztag, im offenen Ganztag jedoch kaum möglich. Die offene Ganztagsschule ist deshalb nicht zukunftsfähig. Ganztag kann nur sein Potential entwickeln, wenn er einem Konzept folgt, verbindlich im Angebot ist und auch die Schulkinder verbindlich am Ganztag teilnehmen. Nur so kann individualisiertes Lernen gefördert und die Bildungschancen aller Kinder verbessert werden. Ein verbindlicher, attraktiver, qualitativ guter Ganztag befördert neben Chancengleichheit auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Kernaufgaben von Schule

Ganztag ist nicht Halbtag und sollte sich davon durch ein breiteres Lern- und Bildungsverständnis unterscheiden. Die Definition dessen, was in Schule gelernt werden soll, darf sich nicht mehr nur an klassischen Schulfächern orientieren. Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung – das Vermitteln sozialer Kompetenzen oder kreativer Zugänge zu Fragestellungen – verstehen wir als Kernaufgabe von Schule. Dies ist wichtig für Chancengleichheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Ort des Lernens
Der Schule sollte die Verantwortung für das Lernen gegeben werden. Ganztag ist ein richtungsweisender Schritt zur perfekten Schule in Deutschland. Lernen und Persönlichkeitsentwicklung sind ihre Pfeiler, Chancengleichheit für alle Schüler ihr Ziel.  Ganztag richtig umgesetzt bedeutet, dass Schüler nach Hause gehen und keinen Lern- und Leistungsdruck mehr haben. Zuhause ist nicht mehr die verlängerte Werkbank der Schule. Hausaufgaben gibt es nicht mehr. Damit bleibt jenseits von Schule mehr bewusste Zeit für die Familie, für Sport und zivilgesellschaftliches Engagement. In der Schule wiederum habe alle Kinder die gleiche Chance der Teilhabe an unterschiedlichsten Bildungsangeboten. 

Qualitätsentwicklung im Ganztag
Die Qualitätsentwicklung im Ganztag kann deutlich schneller vorangehen, wenn die Akteure aus Politik, Verwaltung und Praxis sich auf zentrale Qualitätsmerkmale einer Ganztagsschule festlegen und Schritte gehen, um diese in den Schulen umzusetzen. Es gibt in Deutschland zu viele, zu umfangreiche und zu heterogene Vorschläge für Orientierungsrahmen – es ist noch unklar, was eine gute Ganztagsschule ausmacht und wie man Qualität erreicht. Die Stiftung Mercator unterstützt gemeinsam mit anderen Stiftungen die Entwicklung und Akzeptanz von Kern-Ansatzpunkten für die Qualitätsentwicklung im Ganztag.

Über das Projekt:
„LiGa – Lernen im Ganztag“ ist eine Initiative der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und der Stiftung Mercator. Das Programm unterstützt rund 300 Schulen aus fünf Bundesländern dabei, ihr qualitatives Potenzial für das Lernen im Ganztag weiter zu entfalten. Um die Qualität an den Ganztagsschulen weiterzuentwickeln, arbeiten Schulleitungen und Schulaufsicht eng zusammen. Gut beraten und begleitet entwickelt jede Schule passende Konzepte für das Lernen im Ganztag. Die Pädagoginnen und Pädagogen setzen im Unterricht und in den Ganztagsangeboten konkrete Ansätze für individualisiertes Lernen um. Das Programm bietet für diesen Prozess Unterstützung und Qualifizierung und dient als Plattform für Austausch und Vernetzung. Es hat eine Laufzeit von viereinhalb Jahren und endet im Dezember 2019.


Über die Stiftung Mercator:

Die Stiftung Mercator ist eine private, unabhängige Stiftung. Sie strebt mit ihrer Arbeit eine Gesellschaft an, die sich durch Weltoffenheit, Solidarität und Chancengleichheit auszeichnet. Dabei konzentriert sie sich darauf, Europa zu stärken, den Bildungserfolg benachteiligter Kinder und Jugendlicher insbesondere mit Migrationshintergrund zu erhöhen, Qualität und Wirkung kultureller Bildung zu verbessern, Klimaschutz voranzutreiben und Wissenschaft zu fördern. Die Stiftung Mercator steht für die Verbindung von wissenschaftlicher Expertise und praktischer Projekterfahrung. Als eine führende Stiftung in Deutschland ist sie national wie international tätig. Dem Ruhrgebiet, der Heimat der Stifterfamilie und dem Sitz der Stiftung, fühlt sie sich besonders verpflichtet.
www.stiftung-mercator.de


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden