Gemeinsame Erklärung

Ausbau der deutsch-französischen Zusammenarbeit

Die deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich der Bildung und Kultur wird weiter ausgebaut. Das bekräftigten die saarländische Ministerin für Bildung und Kultur Christine Streichert-Clivot und die französische Botschafterin Anne-Marie Descôtes bei einem gemeinsamen Termin am 10. Januar im symbolträchtigen Pingusson-Bau.

13.01.2020 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland
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Sie unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung zum Ausbau des Angebots zum Erwerb französischer Sprachdiplome an weiterführenden Schulen im Saarland. Vereinbart wurde, dass saarländische Schüler*innen das französische Sprachendiplom DELF scolaire (Diplôme d’études de langue française) künftig auch im Rahmen eines Pilotprojekts im regulären Französischunterrichts an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien erwerben können. Dies war bisher nur im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften möglich. Zur Unterstützung der Lehrkräfte im Saarland gibt es dazu ein eigenes Fortbildungsangebot. 28 saarländische Lehrkräfte wurden bereits im Oktober 2019 als examinateurs-correcteurs zertifiziert.

An diesem Projekt arbeiten das Ministerium für Bildung und Kultur, France Éducation International, die zuständige französische Behörde, die französische Botschaft/Institut français Deutschland, das Landesinstitut für Pädagogik und Medien und das Institut d’études françaises Saarbrücken eng zusammen.

„Wir schaffen die Möglichkeit für die Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen, das DELF scolaire-Diplom künftig im Regelunterricht zu erwerben. Das ist ein wichtiger Schritt für den Ausbau der Mehrsprachigkeit im Saarland. Sich gegenseitig zu verstehen, ist der Schlüssel für ein gutes Zusammenleben mit unseren Nachbarinnen und Nachbarn“, so Ministerin Streichert-Clivot.

Botschafterin Descôtes betonte die Bedeutung der engen deutsch-französischen Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Kultur: „Zwischen den Menschen im Saarland und in Frankreich gibt es sehr viele enge persönliche, kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen. Die Bedeutung der intensiven Bildungskooperation und der kulturellen Vernetzung für das gute und erfolgreiche Miteinander in unserer Region kann nicht überschätzt werden. Es ist gut, dass sich dies insbesondere auch in der saarländischen Bildungs- und Kulturpolitik widerspiegelt.“

Ministerin und Botschafterin haben sich auch zum Thema Sanierung des Pingusson-Baus ausgetauscht: Sie sind sich über die historische Bedeutung des Gebäudes als ehemaliger Sitz der französischen Botschaft und der Bedeutung für die saarländisch-französischen Beziehungen einig. „Dieser Ort steht für unsere gemeinsame Geschichte in Europa. Er ist auch in Zukunft wichtig für unsere Beziehungen“, so die Ministerin.

Deutsch-französische Bildung im Saarland in Zahlen

Kitas 
Im Rahmen der 2013 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Frankreich vereinbarten Qualitätscharta für zweisprachige Kindertagesstätten wurden Standards für die Erteilung des Qualitätslabels definiert. Ziel der Charta ist es, bis zum Jahr 2020 bundesweit mindestens 200 zweisprachige deutsch-französische Kitas einzurichten bzw. als zertifiziert in das Netzwerk aufzunehmen. 68 saarländische Kitas wurden allein im Saarland bereits in das Netzwerk der deutsch-französischen „Elysée-Kitas 2020“ aufgenommen. Bundesweit sind 162 Kitas mit dem Qualitätslabel zertifiziert, das heißt, das Saarland hat einen Anteil von über 43 Prozent aller Elysée-Kitas.

Darüber hinaus weist das Saarland mit 240 bilingualen Kitas bundesweit die höchste Dichte an zweisprachigen Einrichtungen auf. Etwa 50 Prozent aller saarländischen Kitas arbeiten zweisprachig. Damit befinden sich rund über 20 Prozent aller zweisprachigen Einrichtungen in Deutschland im Saarland.

Seit September 2018 bietet das Saarland interessierten Kitas die Möglichkeit einer neuen Anschubfinanzierung zur Implementierung eines bilingualen Angebotes: dreijährige intensive finanziellen Förderung (20 zusätzliche Personalstunden pro Gruppe pro Woche) und Teamfortbildungen.

Grundschulen
Im Saarland gibt es insgesamt  161 Grundschulen. An allen wird Französisch spätestens ab Klasse 3 unterrichtet. Darüber hinaus lernen an 45 Grundschulen die Schülerinnen und Schüler Französisch bereits ab der ersten Klassenstufe, hiervon sind vier Schulen bilingual, und eine verfügt über einen bilingualen Zweig.

Im Schuljahr 2018/2019 haben über 1700 saarländische Grundschüler*innen mit Französisch ab Klassenstufe 1 an der DELF Prim A1.1-Zertifizierung (Sprachenzertifizierung des französischen Staates) teilgenommen.

Gemeinschaftsschulen
An der Gemeinschaftsschule lernen alle Schüler*innen in den Eingangsklassen 5 und 6 Englisch und Französisch, entweder im Umfang von vier Wochenstunden in der ersten Fremdsprache oder im Umfang von zwei Wochenstunden im kommunikationsorientierten Sprachkurs.

Gymnasien
Am Gymnasium lernen die Schüler*innen Französisch als erste oder zweite, in wenigen Fällen auch als dritte Fremdsprache. Der Stundenansatz in der Klassenstufe 5 liegt für Französisch bei 5, danach bei 4 Wochenstunden.

An vier Schulen sind bilingualer deutsch-französische Züge eingerichtet, zuletzt am Warndt-Gymnasium Völklingen. Alle vier Schulen bieten in der gymnasialen Oberstufe den Schulversuch das „Abibac“ an.

Ab 2021 erhalten alle Schüler*innen, die im Grundkurs oder Leistungskurs Französisch in den letzten beiden Halbjahren der Hauptphase mindestens ausreichende Leistungen (mindestens 05 Punkte) erzielt haben, einen Vermerk auf das Abiturzeugnis über das erreichte Sprachniveau B2 gemäß GER. Durch die vollständige Implementierung der Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache Französisch in Lehrplänen und Abiturprüfungen ist ein solcher Vermerk möglich geworden.  An zahlreichen Schulen werden DELF-Arbeitsgemeinschaften und DELF-Zertifikate auf unterschiedlichen Niveaustufen auf freiwilliger Basis angeboten.

Berufliche Schulen
Das Modell „Deutsch-Französischer Berufsschulzweig“ im Saarland wird zurzeit in sechs Bereichen umgesetzt: Automobil am BBZ St. Ingbert, Tourismus am KBBZ Halberg, Hotellerie/Gastronomie am TGBBZ II Saarbrücken und „Bauwesen“, „Energie“ und „Informationssysteme“ am TGBBZ I Saarbrücken. Das Modell zielt auf die Förderung der internationalen Mobilität und des beruflichen Austausches zwischen Frankreich und Deutschland bereits während der dualen Ausbildung.

Zentrale Methoden der Umsetzung in der Berufsschule sind zum Beispiel der verstärkte Unterricht in der Arbeitskultur und der Fachsprache des Partnerlandes und das Absolvieren von Praktikumsphasen im jeweiligen Partnerland. Darüber hinaus sollen zukünftig auch Lehrkräfte und Experten der beruflichen Bildung eine Zeit lang im jeweiligen Nachbarland arbeiten.


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