Bayerns Bildungsminister nur im Schönreden Spitze

"Wenn Ministerpräsident Stoiber und die Staatsminister Schneider und Goppel die Ergebnisse der OECD-Bildungsstudie in Frage stellen, zeugt das von Vogel-Strauß-Politik: Den Kopf in den Sand stecken und katastrophale Mängel schönreden", kommentiert Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern, die Reaktion bayerischer Bildungspolitiker auf die Befunde zum deutschen und bayerischen Bildungssystem.

20.09.2006 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Die Staatsregierung verkennt wissentlich die Dramatik, die in den OECD-Zahlen steckt. Denn der Bedarf an Akademikern wird in den kommenden Jahren erheblich ansteigen. Der Hinweis des Kultusministers, dass man auch in Zukunft Handwerker brauche und die universitäre Ausbildung nicht das allein selig machende sei, belegt die Ratlosigkeit Schneiders. Insbesondere asiatische Länder wie Südkorea, Indien, Malaysia, China oder Japan investieren deutlich mehr Geld in Bildung und akademische Qualifikationen. Deutschland insgesamt und Bayern im Besonderen verlieren zusehends den Anschluss an die Weltspitze.

Beispiel Südkorea: Belegte das Land im OECD-Vergleich mit 10% Hochschulabgängern der 25- bis 34-Jährigen nur Platz 25, steht es heute auf Platz 3 und ermöglichst fast der Hälfte der Koreaner einen Hochschulabschluss. Deutschland rutschte zeitgleich von Stelle 9 auf einen Besorgnis erregenden 22. Platz. Neben einer deutlichen quantitativen Ausweitung der Studierendenzahlen gelang in diesen Ländern eine erhebliche Verbesserung der Bildungsqualität: Sechs ostasiatische Staaten gehörten bei der PISA-Studie 2003 zu den ´Top Ten´.

"Dass die Staatsregierung mit Zahlenakrobatik versucht, diese Niederlage in einen Sieg umzudeuten, zeugt von typisch bayerischer Ignoranz und bewusster Irreführung, um von eigenen Versäumnissen abzulenken", so Brückner. Um die Quote künstlich nach oben zu korrigieren, addierte man einfach die Zahl der Hochschul- und die Zahl beruflicher Abschlüsse. Brückner: "Ganz nebenbei verschleiert man auch noch die katastrophalen Zustände auf dem Lehrstellenmarkt, indem man die verschiedenen Altersgruppen in einer einzigen Gruppe der 25- bis 64-Jährigen zusammenfasst. Damit wird verdeckt, dass nur noch 25% der Hauptschüler gleich nach der Schule in ein Ausbildungsverhältnis eintreten können und der Großteil der anderen in jahrelangen Warteschleifen ´geparkt´ werden."

Die GEW fordert die Bayerische Staatsregierung auf, das chronisch unterfinanzierte Bildungssystem endlich bedarfsgerecht mit finanziellen und personellen Ressourcen auszustatten. Neben der Sicherstellung der Rahmenbedingungen für die schulische und akademische Ausbildung muss das extrem selektive Schulsystem durch ein integratives und sozial gerechteres ersetzt werden. Nur dann werden sich die Kinder und Jugendlichen erfolgreich den künftigen Herausforderungen in Beruf und Gesellschaft stellen können.

Ansprechpartner

GEW Bayern

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