Bericht der Schulinspektion
Der Landeselternausschuss begrüßt die Veröffentlichung der nun schon viele Monate vorliegenden Ergebnisse aus den Schulinspektionen des Schuljahres 2006/07. Dies hätte schon viel früher geschehen sollen. Die so oft zugesagte größere Transparenz und Gerechtigkeit muss sich auch in einer zeitnahen Veröffentlichung von Berichten und Studien widerspiegeln.
30.06.2008 Berlin Pressemeldung Landeselternausschuss Berlin (LEA Berlin)Die Berichte der Schulinspektion haben für fast alle Maßnahmen der weiterhin notwendigen Verbesserung der Qualität an den Schulen eine hohe Bedeutung. Eltern orientieren sich zunehmend bei der Wahl der Schule an den Evaluationsberichten. Dabei zeigt sich, dass ein offener und kritischer Umgang der jeweiligen Schule mit eigenen Defiziten bei Eltern ein hohes Maß an Anerkennung findet. Aktives Bemühen einer Schule um den Abbau von Defiziten wird deutlich positiver gesehen als Nichtveröffentlichung und Geheimniskrämerei.
Die notwendige Verbesserung von Schulqualität bedarf jedoch der aktiven und konsequenten Unterstützung durch einen handelnden Bildungssenator. Der Landeselternausschuss freut sich, dass es im letzten Jahr offenbar Verbesserungen in Teilbereichen gegeben hat. Dies ist sicher das Ergebnis der einzelnen Schulen zur Verfügung gestellten Unterstützungsangebote.
Als bedenklich stuft der Landeselternausschuss jedoch die im Bericht 2006/07 aufgezeigten weiterhin vorhandenen Defizite ein. So haben ca. 80 % der Berliner Schulen Entwicklungsbedarf bei der Förderung der Methodenkompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Ein konzeptioneller und systematischer Einsatz moderner Unterrichtstechnologien findet nur selten statt. Mehr als 60 % der Schulen haben Entwicklungsbedarf in den Bereichen "Schulinterne Evaluation" und "Zielgerichtete Personalentwicklung". Eine innere Differenzierung – zentraler Punkt im Umgang mit den bis zu 32 Schülern/innen großen heterogen Lerngruppen – findet zu 70 % gar nicht oder allenfalls ansatzweise den Weg in den Unterricht. Differenzierungsangebote und –maßnahmen – sowohl für leistungsstärkere als auch für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler – sind weiterhin im Unterricht höchst selten zu beobachten. Selbstständiges Lernen, kooperatives Verhalten und die Möglichkeiten für Schülerinnen und Schüler, eigene Lösungen zu entwickeln, darzulegen und zu reflektieren waren auch im Schuljahr 2006/07 kaum Bestandteil des Unterrichts an den Berliner Schulen.
Die Debatte um eine gerechtere, bessere quantitative Ausstattung (Lehrerausstattung, Klassenfrequenzen, besonders in Problemgebieten) sind weiterhin unvermeidbar. Sie dürfen aber die notwendige Debatte um die qualitativen Verbesserung der Schulen nicht überdecken. Der Landeselternausschuss fordert daher den Bildungssenator auf, die Qualität der Schulen in den Fokus aktiver Politik zu stellen und die Voraussetzungen für eine nachwirkende Qualitätsoffensive in den Schulen zu schaffen.
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