Bildung muss kostenfrei sein - Eigener Regelsatz für Kinder
"Kinder von armen Familien werden immer mehr von der Bildung abgekoppelt", warnt Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB). Hilgers fordert daher "eine kostenlose Bildung für alle, und zwar vom Kindergarten bis zur Universität. Und das ohne wenn und aber, denn dass Bildung kostenfrei zu haben ist, dass ist eine Mogelpackung."
28.08.2008 Pressemeldung Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V. (DKSB)Am 01.09. beginnt in Berlin das neue Schuljahr, allein in Berlin werden ca. 25.000 Kinder neu eingeschult. Der DKSB Bundesverband nimmt dies zum Anlass, gemeinsam mit dem DKSB Landesverband Berlin auf offensichtliche Missstände in diesem Bereich hinzuweisen.
Erhebliche Kosten bei der Einschulung
Sabine Walther, Geschäftsführerin des DKSB Landesverband Berlin: "Eigentlich ist Bildung in Deutschland aufgrund der gesetzlichen Schulpflicht kostenlos – tatsächlich jedoch kommen mit der Einschulung ihrer Kinder erhebliche Kosten auf die Eltern zu. Nach unseren Berechnungen sind das durchschnittlich einmalige Kosten von ca. 300 € bei der Einschulung sowie weitere laufende Kosten für die Eltern während des Schuljahres. Die Einkommenssituation im Elternhaus steht somit im direkten Zusammenhang mit den Bildungschancen der Kinder."
Walther weist dabei darauf hin, dass die Kosten für Bildung insgesamt immer stärker privatisiert werden und zusätzlich erheblich regional variieren. Das bedeutet, dass die Bildungschancen von Kindern in Deutschland in mehrfacher Hinsicht ungleich verteilt sind. Heinz Hilgers ergänzt: "So gibt es nach unseren Recherchen eine vollständige Lernmittelfreiheit nur noch in sechs Bundesländern. Die Verpflegungs- und Betreuungskosten an Ganztagsschulen sind unterschiedlich hoch und die Fahrtkosten zur Schule variieren regional stark. So zahlt z.B. ein Schüler in Köln für das Schülerticket 15,60 Euro, in Hamburg sind dies z.B. je nach Fall zwischen 32,30 Euro und 39,50 Euro im Standardtarif.
Eltern und Kinder nicht stigmatisieren
Parallel zu den steigenden privaten Bildungskosten werden mittlerweile für sogenannte "Härtefälle" vielfach auch Gelder aus öffentlichen Kassen oder privaten Initiativen bereitgestellt. Für die betroffenen Familien heißt dies, dass sie ihre finanzielle Situation weiteren Stellen gegenüber offen legen müssen. Das ist für den Präsidenten des DKSB eines der Hauptprobleme: "Ist wirklich gesichert, dass die entsprechenden Verfahren nicht stigmatisierend sind, das Armut nicht schändet? Was ist z.B. mit den Familien, die zwar zuviel haben, um "Härtefälle" zu sein, für die die erforderlichen Ausgaben für die Einschulung ihrer Kinder jedoch trotzdem viel Geld sind," fragt Hilgers weiter.
Bildungschancen sichern soziale Partizipation
So darf Bildung von Kindern nach Ansicht des DKSB keine Quelle finanzieller Belastung für die Eltern sein und auch nicht von den finanziellen Ressourcen des Elternhauses abhängen. Sabine Walther: "Dies gilt nicht nur für Empfänger/innen von Transferleistungen wie ALG II. Gerade Familien, die knapp über den Berechtigungslimits der jeweiligen Unterstützungsangebote liegen, können besonders stark von den benachteiligenden Strukturen betroffen sein. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um kinderreiche Familien handelt." Bildungs-, Gesundheits-, Jugendhilfe- und Sozialpolitik hängen nach Meinung des DKSB somit eng zusammen: Bildungschancen sichern soziale Partizipation. Soziale Unterstützungsleistungen und Chancengerechtigkeit sichern Bildungschancen. Heinz Hilgers: "Alle Kinder haben ein Recht auf gleiche Bildungschancen. Daher fordert der Deutsche Kinderschutzbund endlich eine Chancengerechtigkeit in der Bildung für alle Kinder. Dies heißt z.B. eine kostenlose Bildung von der Krippe bis zur Ausbildung, eine kostenlose Betreuung in Ganztagsschulen, die Verpflegung in Ganztagsschulen muss für alle Eltern bezahlbar sein und es muss eine vollständige Lernmittelfreiheit geben!"
Forderung des DKSB: Eigener Regelsatz für Kinder
Und der Präsident des DKSB geht noch weiter: "Die Regelsätze sozialer Transferleistungen sind am tatsächlichen Bedarf von Kindern auszurichten, hier muss es endlich einen eigenen Regelsatz für Kinder geben. Der Kinderzuschlag muss für alle Familien gezahlt werden, die arm sind oder in prekären Einkommenssituationen leben." Dies unterstützt Sabine Walther nachhaltig: "Geringe finanzielle Ressourcen von Familien und Kinderreichtum dürfen sich nicht negativ auf die Bildungschancen von Kindern auswirken. Deshalb ist unsere Forderungen: mehr Chancengerechtigkeit."
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