Bildungsgerechtigkeit neu denken
Der Bayerische Philologenverband (bpv) plädiert dafür, den Begriff der Bildungsgerechtigkeit neu zu denken. "Gerecht ist eine begabungsorientierte frühe Förderung von Kindern, wie sie das gegliederte Schulwesen leistet", sagte der frisch wiedergewählte Verbandsvorsitzende Max Schmidt auf der Hauptversammlung der Philologen in Augsburg. "Gesamtschulmodelle haben in Deutschland eindrucksvoll versagt. Sie haben es nicht vermocht, Ungleichheiten abzubauen oder das individuelle Leistungspotenzial der Kinder auszuschöpfen. Da kann nicht die Zukunft darin bestehen, Gesamtschulen in Gemeinschaftsschulen umzutaufen."
23.11.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)Der bpv sieht sich hier im Einklang mit wissenschaftlichen Forschungen und Bayerns Bevölkerung. "Nicht einmal 30 Prozent der Bayern wünschen sich ein integriertes Schulsystem", erinnerte der Verbandschef Max Schmidt an eine kürzlich durchgeführte repräsentative Umfrage des MifM. "Das Gymnasium ist eine Schule des sozialen Aufstiegs, der sich über Leistung definiert. Das sollte so bleiben."
Zugleich weist der bpv die Vorstellung aus der Jungen Union zurück, die Grundschulzeit zu verlängern. "Auch das findet in Bayern aus gutem Grund keine Mehrheit", stellte Schmidt klar. Er erinnerte daran, dass Bundesländer wie Niedersachsen die Orientierungsstufe wegen ihrer durchschlagenden Erfolglosigkeit wieder abgeschafft haben. "Mitunter gewinnt man den Eindruck, dass in Bayern partout jede bildungspolitische Sünde der letzten 30 Jahre nachgeholt werden soll. Jede Verlängerung der Grundschulzeit bedeutet unterlassene, begabungsgerechte Förderung." Interessanterweise stößt die Verlängerung der gemeinsamen Grundschulzeit auch gerade bei den Grundschuleltern auf wenig Gegenliebe. Rund 60 Prozent denken, dass gerade leistungsfähige Kinder hier chronisch unterfordert werden würden. Eine satte Mehrheit ist auch der Ansicht, dass die unterschiedlichen Talente so nicht angemessen gefördert werden können.
Alle Fachleute stimmen darin überein, dass Förderung früh erfolgen muss, wenn sie erfolgreich sein soll: Der bpv fordert deshalb Sprachstandstests für Vierjährige mit anschließender Sprachförderung sowie einen verlässlichen Leistungsstand nach der vierten Klasse. "Jedes Kind, das auf eine weiterführende Schule gehen möchte, sollte zu diesem Zeitpunkt fehlerfrei lesen, schreiben und rechnen können. Die Grundschule muss nicht länger, sondern besser werden", forderte Schmidt abschließend.
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