Schleswig-Holstein

Bildungsminister legt Schulgesetz-Novelle vor: Wahlfreiheit für acht- oder neunjährige Gymnasialausbildung

Bildungsminister Dr. Ekkehard Klug hat am 27. April den Entwurf des neuen Schulgesetzes vorgestellt, das Kabinett hat seinen Vorstellungen zugestimmt. Einer der Kernpunkte des Gesetzes ist die Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern, ab dem Schuljahr 2011/2012 zwischen einem achtjährigen gymnasialen Bildungsgang (G8) und neun Jahren (G9) wählen zu können.

27.04.2010 Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein
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Mit dem neuen Schulgesetz werden zudem die Prüfungen zum Haupt- und Realschulabschluss abgeschafft, und es gibt eine flexiblere Ausgestaltung von Regional- und Gemeinschaftsschulen mit Ziel einer späteren Angleichung. "Die Gemeinschaftsschulen sollen deutlich erweiterte Möglichkeiten für Formen äußerer Differenzierung erhalten", sagte Bildungsminister Klug, "sie werden nicht mehr starr auf das Prinzip des binnendifferenzierten Unterrichts - des Unterrichts im gemeinsamen Klassenverband also - ausgerichtet sein." Das neue Schulgesetz ermögliche den Schulen auch die Einrichtung abschlussbezogener Klassenverbände oder auch andere Formen eines stärker differenzierten Unterrichtsangebots, betonte Klug. Überdies wird der Schullastenausgleich neu geregelt, der in der Vergangenheit vielfach als zu verwaltungsaufwendig und am Ende nicht auskömmlich kritisiert worden war. Gemeinschaftsschulen können mit dem neuen Gesetz auch "örtlich zuständige Schulen" werden, um den Aspekten Wohnortnähe und kurzen Schulwegen stärker als bisher Rechnung zu tragen.

Wahlrecht G8/G9:

Die Einräumung eines Wahlrechtes zwischen acht- und neunjährigem gymnasialen Bildungsgang haben die Koalitionsfraktionen CDU und FDP im Koalitionsvertrag vereinbart. Auch das Nebeneinander beider Angebote ist an den Gymnasien denkbar. Dabei soll nach dem neuen Gesetz jeder Schülerin/jeder Schüler in zumutbarer Entfernung beide Varianten finden können. In den Regionen Schleswig-Holsteins, in denen es faktisch nur ein Gymnasium gibt, sollen diese G8 und G9 parallel anbieten. "Das neue Y-Modell ermöglicht es, den gymnasialen Bildungsgang in der Sekundarstufe I zu flexibilisieren, aber seine Einheit durch eine gemeinsame Oberstufe zu wahren" sagte der Minister.

Schulabschlüsse ohne Pflicht-Prüfung:

Auf die für Schulen und Schüler aufwändigen "prophylaktischen" Prüfungen zum Haupt- und Realschulabschluss wird mit dem neuen Schulgesetz verzichtet. Den Hauptschulabschluss erhalten Schüler ohne gesonderte Prüfung mit der Versetzung in die 10. Klasse eines Gymnasiums, der Gemeinschaftsschule oder des Bildungsgangs zum Erwerb des Realschulabschlusses an einer Regionalschule. Analog dazu wird der Realschulabschluss mit der Versetzung in die 11. Klasse am Gymnasium erworben. An Regional- und Gemeinschaftsschulen bleibt die Prüfpflicht in den Fällen erhalten, in denen vor dem Hintergrund der Leistungen im 1. Halbjahr der 9. Klasse erhebliche Zweifel daran bestehen, das der Schüler die Jahrgangsstufe 10 erreicht.

Kurze Schulwege:

Gemeinschaftsschulen können in Zukunft auch örtlich zuständige Schulen sein. Schülerinnen und Schüler, die bei Kapazitätsproblemen an anderen Schulen nicht ankommen, sollen auch den Gemeinschaftsschulen zugewiesen werden können. Damit wird dem Aspekt der Wohnortnähe bzw. des kurzen Schulweges stärker als bislang Rechnung getragen.

Schullastenausgleich:

Die neuen Bestimmungen zum Schullastenausgleich ermöglichen eine Abrechnung auf der Grundlage der tatsächlichen Ausgaben des jeweiligen Schulträgers. Die Ermittlung und Erhebung der Kosten sollen künftig von den Schulträgern vorgenommen werden.


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