Bildungsministerin Erdsiek-Rave: Die neue gymnasiale Oberstufe garantiert unseren Schülerinnen und Schülern die Konkurrenzfähigkeit

"Die Reform der Oberstufe ist ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Bildungsqualität und des Bildungsniveaus in Schleswig-Holstein", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave. Sie stellte heute (18. Januar) in Kiel die Details der Reform vor, die im Zusammenhang mit dem neuen Schulgesetz erarbeitet wird. "Mit dem Konzept der dreijährigen Profiloberstufe streben wir eine breite Grundbildung an, verbunden mit einer Stärkung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereichs und der Fremdsprache. Die Schülerinnen und Schüler sollen in die Lage versetzt werden, die komplexen Aufgaben der modernen Gesellschaft zu bewältigen", so die Ministerin weiter.

19.01.2007 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Oberstufe in Schleswig-Holstein

Wesentliche Merkmale der neuen Oberstufe, die in Schleswig-Holstein zum Schuljahr 2008/09 eingeführt wird, sind die Kernfächer einerseits (Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache) und andererseits das Konzept der thematischen Profile. "Während in den Kernfächern die Grundkompetenzen vermittelt werden, eröffnen die Profile nicht nur neue Möglichkeiten für mehr anwendungsorientiertes und vernetztes Lernen, sie kommen auch dem Wunsch der Schülerinnen und Schüler entgegen, den eigenen Bildungsweg individuell mitbestimmen zu können", erläuterte Erdsiek-Rave.

Um die breite Allgemeinbildung zu sichern, erhalten alle Schülerinnen und Schüler Unterricht in jeweils mindestens zwei Fächern des gesellschaftswissenschaftlichen Bereichs sowie in den Naturwissenschaften und den Fremdsprachen. Verpflichtend ist ebenfalls der Unterricht in einem ästhetischen Fach sowie in Religion oder Philosophie und in Sport. In allen drei Schuljahren erhalten die Schülerinnen und Schüler 34 Stunden pro Woche Unterricht.

In der Profiloberstufe wird in Zukunft vermehrt Unterricht im Klassenverband erteilt. Dadurch stehen den Schulen sowohl in der Sekundarstufe I als auch in der Sekundarstufe II mehr Unterrichtsstunden zur Verfügung. Ministerin Erdsiek-Rave: "Der Klassenverband schafft vor allem in der Oberstufe Möglichkeiten für eine pädagogische Umorientierung." Nur in einer festen Lerngruppe mit einer überschaubaren Anzahl von Lehrkräften könne fächerübergreifender und projektorientierter Unterricht , orientiert am jeweiligen Profil, effektiv organisiert werden.

Der Unterricht in den Fremdsprachen kann in Kursen erteilt werden, da die Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen aus der Sekundarstufe I in die Oberstufe eintreten. Zudem kann so die Vielfalt des Fremdsprachenangebotes, das zum Teil vorgehalten wird, erhalten werden.

Die Kernfächer

Alle Schülerinnen und Schüler werden vierstündig und auf erhöhtem Anforderungsniveau in Deutsch, Mathematik und einer bereits erlernten Fremdsprache unterrichtet. Aus diesen drei Kernfächern müssen die Schülerinnen und Schüler zwei wählen, in denen sie im Abitur schriftlich geprüft werden. In den Kernfächern findet der Unterricht im Klassenverband statt.

Das Profil

"Mit der Profiloberstufe erhöhen wir nicht nur die Allgemeinbildung, sondern auch die spezifischen Qualifikationen der Abiturientinnen und Abiturienten", erklärte Ministerin Erdsiek-Rave. So müssen zum Beispiel im naturwissenschaftlichen Profil drei naturwissenschaftliche Fächer bis zum Abitur absolviert werden, im sprachlichen Profil müssen die Schülerinnen und Schüler drei Fremdsprachen bis zum Abitur belegen. Darüber hinaus würden, so die Ministerin weiter, innovative Unterrichtsmethoden gestärkt und die Schulen erhielten neue Chancen, sich mit spezifischen Angeboten zu profilieren.

Die Schulen haben nämlich die Möglichkeit, ihren Profilen besondere thematische Ausrichtungen zu geben durch die Auswahl von mindestens zwei profilergänzenden Fächern. Dazu zählen nicht nur die Fächer aus dem entsprechenden Aufgabenfeld. Eine Schule könnte ihr naturwissenschaftliches Profil zum Beispiel unter das Thema "Ökologie und Ökonomie" stellen und das profilgebende Fach Biologie durch die Fächer Chemie und WiPo ergänzen. In allen Profilfächern muss sich dann ein Teil des Unterrichts an einer thematischen Spezifizierung des Profils orientieren. Die Lehrkräfte in den drei Profilfächern stimmen ihre Unterrichtsinhalte aufeinander ab und arbeiten fächerübergreifend. Es ist wünschenswert, dass die thematische Ausrichtung durch die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern gestärkt wird.

Grundsätzlich werden den Jugendlichen fünf Profile zur Auswahl stehen: ein naturwissenschaftliches, ein sprachliches, ein gesellschaftswissenschaftliches oder ein musisch-ästhetisches, im Ausnahmefall auch ein sportliches. Bestimmend für die fünf Profile ist jeweils ein profilgebendes Fach, das dann - wie die Kernfächer - vierstündig unterrichtet wird. Profilgebendes Fach kann jedes als Abiturprüfungsfach zugelassene Fach sein. Das profilgebende Fach ist in jedem Fall schriftliches Abiturprüfungsfach. Jedes Gymnasium muss mindestens ein sprachliches und ein naturwissenschaftliches Profil anbieten. Benachbarte Schulen desselben Einzugsbereichs können das Profilangebot gemeinsam erstellen.

Abitur

Die neue Profiloberstufe schließt mit der Abiturprüfung ab. Die Schülerinnen und Schüler absolvieren in fünf Fächern eine Prüfung:

  • drei schriftliche Prüfungen (in zwei von drei Kernfächern und im profilgebenden Fach),
  • eine mündliche Prüfung,
  • eine weitere Prüfung (zur Wahl steht eine weitere schriftliche Prüfung, eine Präsentationsprüfung mit schriftlichen Anteilen oder eine besondere Lernleistung).

Die schriftlichen Prüfungen in den Kernfächern werden mit zentral gestellten Aufgaben gestaltet.

Kooperation mit Hamburg

Erstmalig haben Schleswig-Holstein und Hamburg ihre Konzepte für die Gestaltung der Oberstufen miteinander abgestimmt. "Das ist ein erster und wichtiger Schritt auf dem Weg zur Bildungskooperation", sagte Ministerin Erdsiek-Rave. In der zuständigen Behörde in Hamburg und im Ministerium für Bildung und Frauen in Schleswig-Holstein sei jeweils mit breiter Beteiligung von Schulvertretern, Eltern wie Schülerinnen und Schülern ein Modell konzipiert worden, das die Ergebnisse der Expertenanhörungen in Hamburg, die Modelle in anderen Ländern, die veränderten KMK-Rahmenvorgaben, die Ergebnisse aus den aktuellen Schulleistungsuntersuchungen und die Diskussionspunkte in der Öffentlichkeit weitestgehend berücksichtige.

Die Ministerin kündigte weiter an, dass die Hamburger Schulbehörde und das Kieler Ministerium ihre Lehrpläne für die gymnasiale Oberstufe überarbeiten und dem zukünftigen System der vier- und zweistündigen Fächer auf unterschiedlichen Anspruchsebenen anpassen wollten. Seit September arbeiten Hamburg und Schleswig-Holstein auch gemeinsam mit dem Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) in Kiel an einem Rahmenplan "Interdisziplinäre Naturwissenschaften".

Ute Erdsiek-Rave: "Ich verbinde mit dieser Reform vor allem ein Ziel: Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler besser als bisher auf den Übergang in das Studium und in den Beruf vorbereiten. Die neue Oberstufe und die Verkürzung der Schulzeit von neun auf acht Jahre bis zum Abitur ist deshalb anspruchsvoll, aber zugleich der richtige Schritt, damit die schleswig-holsteinischen Schülerinnen und Schüler auf nationaler und auf internationaler Ebene auch in Zukunft bestehen können."


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