Bildungsministerin Erdsiek-Rave lädt VDR zur Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Regionalschulen ein

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave hat vor der Landesvertreterversammlung des Verbandes Deutscher Realschullehrer (VDR) für das neue Schulgesetz geworben. "Im Kern geht es bei der grundlegenden Veränderung der Schulstruktur darum, möglichst alle Kinder und junge Menschen zu einem Abschluss zu bringen, der ihrem Leistungsvermögen entspricht", sagte die Ministerin heute (15. November) in Kiel. Schleswig-Holstein folge mit der Weiterentwicklung der Haupt- und Realschulen zu Regionalschulen dem Vorbild von heute bereits acht Bundesländern. "Das Ziel der höheren Durchlässigkeit, die frühkindliche Sprachförderung, zentrale Prüfungen, die Evaluation der Schulen, die Setzung von Bildungsstandards ist mittlerweile breiter Konsens und wird von Dresden bis Kiel umgesetzt."

16.11.2006 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Die Ministerin kündigte an, dass in den kommenden vier Jahren insgesamt eine Million Euro an zusätzlichen Fortbildungsmitteln zur gezielten Unterstützung der künftigen Regionalschulen bereitgestellt werden.

Im Folgenden wird der Wortlaut des Grußwortes von Bildungsministerin Erdsiek-Rave dokumentiert:

"Vieles ist heute in der Bildungspolitik parteiübergreifender Konsens - das bildet sich ab in Beschlüssen und Leitlinien der KMK nach PISA, die in den deutschen Bundesländern umgesetzt werden und die sich in unserem neuen Schulgesetz wieder finden. Der Grundsatz, das Grundprinzip der individuellen Förderung findet sich im neuen Schulgesetz in Nordrhein-Westfalen genauso wie in Schleswig-Holstein. Das Ziel der höheren Durchlässigkeit, die frühkindliche Sprachförderung, zentrale Prüfungen, die Evaluation der Schulen, die Setzung von Standards - all dies wird umgesetzt von Dresden bis Kiel.

Und auch die Gliederung des Schulsystems steht und stand schon in den letzten Jahren auf der Agenda, besonders in den Flächenländern, besonders dort, wo die demographische Entwicklung vorausschauendes Handeln erforderte.

Als die beiden großen Parteien, die nun gemeinsam regieren, ihr gemeinsames Programm verabredeten, galt es ebenfalls, sich zu verständigen, nicht nach dem Motto des kleinsten gemeinsamen Nenners, sondern getragen von dem Willen, das Notwendige zu tun und dabei auch die Grenzen der eigenen Parteiprogramme zu überwinden.

Und es stellte sich heraus, dass in sehr vielen Bereichen der Bildungspolitik die Gemeinsamkeiten größer waren als gedacht und dass am Ende auch in der Frage der Schulstrukturen eine gemeinsame Linie gefunden werden konnte.

Das neue Schulsystem, das in Schleswig-Holstein bis 2010 umgesetzt werden soll, ist dabei keine bundesweite Erfindung. Es orientiert sich in der Gestaltung des Nebeneinanders von Gymnasium und Regionalschule an etlichen anderen Bundesländern; die Option für die Schulform Gemeinschaftsschule, da, wo die Schulträger dies wollen, kommt in Schleswig-Holstein hinzu. Es wird also die Schulformen Realschule und Hauptschule als eigenständige Schularten nicht mehr geben, wohl aber die Bildungsgänge und Abschlüsse. Die Übergangsempfehlung wird bleiben und ebenso die Zuweisung nach der Orientierungsstufe zu den jeweiligen Bildungsgängen.

Es wird also Vieles bleiben, aber Vieles sich auch verändern: gemeinsame Kollegien, mehr Durchlässigkeit mit Aufstiegschancen für die Schwächeren und für die besonders Guten, die den Anschluss finden sollen an die gymnasiale Oberstufe, an einen weiterführenden Bildungsabschluss. Und darum muss es doch im Kern immer gehen: möglichst alle Kinder und junge Menschen zu einem Abschluss zu bringen, der ihrem Leistungsvermögen entspricht - und dabei die Leistungsanforderungen eben nicht herunterzuschrauben.

Ich bin überzeugt, dass dies gelingen kann. Ich traue Ihnen und ich traue Ihren Kolleginnen und Kollegen an den Hauptschulen diese Entwicklung, diese Herausforderung zu. Ich weiß aber auch, dass Sie zu Recht Unterstützung und ausreichende Ressourcen einfordern. Die Landesregierung hat gestern beschlossen, insgesamt eine Million Euro zusätzlich für Fortbildung in den kommenden vier Jahren bis zur endgültigen Umwandlung der Schulen bereitzustellen. Ich bin sicher, das Parlament wird dem folgen. Diese Mittel werden gezielt für die Vorbereitung der Regionalschule eingesetzt werden, und ich bitte den VdR, sich an der Konzeptentwicklung für eine solche Fortbildung aktiv zu beteiligen.

Ich kann heute in der Kürze der Zeit die vielen Fragen, die Sie zur Umsetzung all dessen haben, nicht einzeln ansprechen. Ich weiß, dass es in vielen Lehrerzimmern derzeit kaum ein anderes Thema gibt: Wie werden die Schulen vor Ort zusammengeführt? Wie werden die Schülerströme gelenkt? Wie werden die Schulgebäude genutzt - und immer wieder: Wie werden wir unterstützt dabei?

Ich versichere Ihnen: Wir, und dabei schließe ich die beiden Regierungsfraktionen mit ein, werden unser Bestes tun, damit es in den kommenden vier Jahren, die wir für die Umsetzung haben, zu guten Lösungen kommt. Und vielleicht schaut sich der eine oder andere einmal an, wie gut an den vielen kombinierten Systemen, die wir in Schleswig-Holstein bereits haben, gearbeitet wird - denn dazu braucht man nicht nur nach Thüringen oder ins Saarland zu fahren.

Lassen Sie mich zum Abschluss sagen - trotz aller Gegensätze und Auseinandersetzungen in der Vergangenheit - meine ausgestreckte Hand ist da; ich biete Ihnen Zusammenarbeit an, zum Wohle Ihrer Schulen, unserer Kinder und jungen Menschen."


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