Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave: Neu gestalteter gymnasialer Bildungsgang erhöht die Chancen der Abiturientinnen und Abiturienten

Das Kabinett hat die neue Landesverordnung für die Oberstufe und die Abiturprüfung an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen verabschiedet. "Mit dieser Verordnung setzen wir den mit dem neuen Schulgesetz begonnenen Prozess der Modernisierung unseres Bildungswesens konsequent fort", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (27. September) in Kiel. Die verkürzte Schulzeit, das zentrale Abitur und die Profiloberstufe seien die Eckpfeiler des umgestalteten gymnasialen Bildungsganges.

27.09.2007 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

"Wir haben auf die veränderten Anforderungen von Hochschulen und Wirtschaft reagiert und erhöhen damit die Chancen unserer Abiturientinnen und Abiturienten im Studium und auf dem Arbeitsmarkt", so die Ministerin. Zugleich biete die neue Struktur den Lehrkräften mehr Möglichkeiten, innovative Unterrichtsmethoden einzusetzen und fächerübergreifend oder projektorientiert zu arbeiten.

Die neue Oberstufe ist dreijährig. Sie gliedert sich in eine Einführungsphase, die ein Jahr dauert, und eine Qualifikationsphase, die zwei Jahre dauert. Im zwölfjährigen Bildungsgang am Gymnasium umfasst die Oberstufe die Jahrgangsstufen 10 bis 12, an der Gemeinschaftsschule mit dem 13jährigen Bildungsgang sind es die Jahrgangsstufen 11 bis 13.

Die Fächer in der Oberstufe gliedern sich in drei Aufgabenfelder:

  1. Sprachlich-künstlerisches Aufgabenfeld: Deutsch, Fremdsprachen, Kunst, Musik und Darstellendes Spiel
  2. Gesellschaftswissenschaftliches Aufgabenfeld: Geschichte, Geographie, Wirtschaft/Politik, Religion und Philosophie
  3. Mathematisch-naturwissenschaftliches Aufgabenfeld: Mathematik, Biologie, Chemie, Physik und Informatik

Sport ist keinem Aufgabenfeld zugeordnet.

Als Kernfächer gelten die Fächer Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache. Die Kernfächer sowie das jeweilige Profil gebende Fach werden in der Einführungsphase dreistündig und in der Qualifikationsphase vierstündig unterrichtet. Alle weiteren Fächer werden zweistündig unterrichtet.

Profile

Die Profile einer Schule werden von der Schulleitung im Rahmen der von der Schulkonferenz beschlossenen Grundsätze festgelegt. Jede Schule richtet grundsätzlich mindestens ein sprachliches und ein naturwissenschaftliches Profil ein. Ausnahmen müssen vom Bildungsministerium genehmigt werden. Als weitere Profile können das gesellschaftswissenschaftliche, das ästhetische und das sportliche Profil angeboten werden.

Jedes Profil hat eine gemeinsame thematische Ausrichtung und eine festgelegte Fächerkombination. Zu jedem Profil gehören mindestens drei Profilfächer:

  1. das Profil gebende Fach kann mit Ausnahme der Kernfächer jedes als Prüfungsfach zugelassene Fach sein und

  2. mindestens zwei das Profil ergänzende Fächer, die aus zwei unterschiedlichen Aufgabenfeldern stammen.

Wenn die Schülerinnen und Schüler in die Einführungsphase kommen, wählen sie eine der an ihrer Schule angebotenen Profilstrukturen. Ein Wechsel von einem Profil zum anderen ist nur in der Einführungsphase möglich.

Jede Schule erhält zwei Verstärkungsstunden, mit deren Hilfe sie ihr individuelles Profil stärken kann. Damit können zum Beispiel spezielle Seminare eingerichtet werden, es kann ein weiteres Profil ergänzendes Fach ausgestattet werden oder aber sie dienen der Aufstockung von zweistündigen Unterrichtsfächern. Generell beträgt die Regelstundenzahl pro Schulhalbjahr 34 Wochenstunden. Der Unterricht wird im Klassenverband erteilt.

Abitur

Die Abiturprüfung zum Abschluss der Profiloberstufe besteht aus fünf Prüfungen in unterschiedlichen Fächern. Es werden drei schriftliche Prüfungen, eine mündliche Prüfung und in einem fünften Prüfungsfach wahlweise eine schriftliche, eine Präsentationsprüfung oder eine "besondere Lernleistung" abgelegt. Abiturprüfungsfächer können alle Fächer sein, für die Abiturprüfungsanforderungen in Schleswig-Holstein bestehen.

Jede Schülerin und jeder Schüler teilt der Schule ein halbes Jahr vor der Prüfung mit, in welchen fünf Fächern die Abiturprüfung abgelegt werden soll und welche Prüfungsform die fünfte Prüfung erfüllen soll. Folgende Voraussetzungen müssen dabei erfüllt werden:

  1. Erstes und zweites schriftliches Abiturprüfungsfach sind zwei der drei Kernfächer (Deutsch, Fremdsprache, Mathematik).
  2. Drittes schriftliches Abiturprüfungsfach ist das Profil gebende Fach.
  3. Aus jedem Aufgabenfeld muss mindestens ein Fach Prüfungsfach sein.
  4. Die ausgewählten Fächer wurden durchgängig in der gesamten Oberstufe belegt.
  5. Sport kann als Profil gebendes Fach drittes Prüfungsfach sein oder in allen anderen Profilen viertes Prüfungsfach.

Im Schuljahr 2010/11 wird dann das erste Abitur im Rahmen der neuen Profiloberstufe abgenommen mit zentralen Aufgabenstellungen in den Kernfächern.

Die ersten Abiturprüfungen mit zentral gestellten Aufgaben finden allerdings schon im Frühjahr 2008 noch Rahmen der bisherigen Oberstufenform statt. Die Aufgaben für die schriftlichen Prüfungen in den Fächern Mathematik, Deutsch, Fremdsprachen und Naturwissenschaften werden dazu von der Schulaufsicht im Bildungsministerium formuliert. In den anderen Fächern stellt die jeweilige Fachlehrkraft die Aufgaben und legt sie der Schulaufsicht zur Genehmigung vor.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden