Bildungspolitischer Irrsinn
Die als "Realschule plus" verbrämte Einheitsschule in Rheinland-Pfalz ist für den Realschullehrerverband Nordrhein-Westfalen bildungspolitischer Irrsinn. "Hier werden zwei Schulformen in ein Korsett gezwängt, das beiden nicht passt", betont RLV-Vorsitzender Ulrich Brambach. Das rheinland-pfälzische Modell löst nach Auffassung des RLV nicht einmal im Ansatz die Probleme der Hauptschulen, im Gegenteil: Es überträgt sie auf die Realschulen.
02.11.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Realschullehrerverband NRWHauptschüler benötigen mehr Praxisanteile und eine intensive individuelle Förderung. "Die werden sie im Moloch ´Realschule plus´ nicht bekommen", sagt Brambach. "So werden Hauptschüler und Realschüler gleichermaßen zu Versuchskaninchen eines fragwürdigen, ideologisch motivierten Experiments mit ungewissem Ausgang." Dass die gemeinsame Orientierungsstufe in den Klassen 5 und 6 sowohl die Durchlässigkeit als auch die Qualität erhöht, ist für Brambach "ein Irrglaube, der durch nichts wissenschaftlich belegt ist". Stattdessen werde das rheinland-pfälzische Modell der Zweigliedrigkeit einen "enormen Qualitätsverlust" mit sich bringen.
Mit Blick auf Nordrhein-Westfalen ist vor solchen schulpolitischen Amokläufen nur zu warnen. Mit Wohlwollen hat der RLV registriert, dass sich Schulministerin Barbara Sommer klar zur Schulform Hauptschule und zum dreigliedrigen Schulsystem bekannt hat, so wie es auch im Schulgesetz verankert ist. "Gerade in NRW bilden die Realschulen das stabilisierende Rückgrat des Schulsystems", unterstreicht Brambach. "Wer daran rüttelt, wird die geballte Entschlossenheit von Lehrern, Schülern und Eltern zu spüren bekommen."
Ein Konzept zur Weiterentwicklung des nordrhein-westfälischen Schulsystems hat der RLV bereits vor den Sommerferien in der von Prof. Dr. Peter J. Brenner wissenschaftlich begleiteten Denkschrift "Grundzüge der Schulreform in Nordrhein-Westfalen" vorgelegt. Der RLV schlägt ein vielgliedriges Schulsystem vor, das einen Mittleren Abschluss oder einen Hochschulzugang für alle Schülerinnen und Schüler ermöglicht, allerdings mit einer nach Schulformen ausgerichteten Profilbildung: Das Gymnasium erhält ein akademisches Profil, die Realschule ein berufsorientiertes und die so genannte Aufbauschule, in der Hauptschule und Gesamtschule zusammengefasst sind, ein pädagogisch-erzieherisches Profil.
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