Bildungspolitischer Kontrollverlust: NRW-Schulabgänge ohne Abschluss
Die aktuellen Zahlen zu Schulabgängen ohne Abschluss in Nordrhein-Westfalen markieren nach Einschätzung des Bündnisses Bildungswende JETZT! den endgültigen Offenbarungseid der deutschen Bildungspolitik.
15.05.2026 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Bildungswende JETZT!Für das Bündnis dokumentieren die Daten einen massiven staatlichen Kontrollverlust im Bildungsbereich – mit dramatischen Folgen für hunderttausende Kinder und Jugendliche. Laut veröffentlichten Daten verlassen inzwischen 7.430 junge Menschen die allgemeinbildenden Schulen in NRW ohne Abschluss – der höchste Stand seit zehn Jahren.
Für Bildungswende JETZT! sind diese Zahlen kein statistischer Ausreißer, sondern das Ergebnis jahrelanger politischer Ignoranz, chronischer Unterfinanzierung und systematischer Vernachlässigung von Kindern, Familien und Schulen. Besonders alarmierend sei, dass die Zahl der Jugendlichen ohne Abschluss steigt, obwohl die Gesamtzahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger sinkt.
„Wenn tausende junge Menschen ohne Abschluss aus dem Schulsystem gedrängt werden, dann ist das kein Betriebsunfall mehr – dann kollabiert ein zentrales gesellschaftliches Versprechen“, erklärt Sandra Noa aus dem Sprecher:innen-Team von Bildungswende JETZT!. „Die Politik schaut seit Jahren sehenden Auges dabei zu, wie Kitas und Schulen überlastet werden, Erzieher:innen und Lehrkräfte ausbrennen und Kinder systematisch zurückgelassen werden. Die Folgen tragen jetzt die Kinder und Jugendlichen."
Besonders kritisch bewertet das Bündnis die steigenden Zahlen unter sozial benachteiligten und neu zugewanderten Jugendlichen. Bildungswende JETZT! fordert statt Symbolpolitik endlich massive Investitionen in Bildungsgerechtigkeit, multiprofessionelle Teams, kleinere Klassen, echte Inklusion sowie flächendeckende Sprach- und Unterstützungsangebote.
„Wer akzeptiert, dass zehntausende junge Menschen perspektivlos aus dem Bildungssystem fallen, zerstört bewusst gesellschaftliche Zukunftschancen“, erklärt Harald A. Amelang aus dem Sprecher:innen-Team. „Diese Entwicklung ist kein Naturereignis. Sie ist das direkte Resultat politischen Versagens auf Bundes- und Landesebene. Während Sonntagsreden über Chancengleichheit gehalten werden, erleben Schulen realen Ausnahmezustand.“
Das Bündnis verweist darauf, dass die aktuellen Entwicklungen auch eine Folge jahrelanger Unterfinanzierung des Bildungswesens seien. Trotz wachsender Anforderungen fehlten weiterhin Lehrkräfte, Schulsozialarbeit, psychologische Unterstützung und ausreichend Ressourcen für Integration und individuelle Förderung.
Vor diesem Hintergrund ruft Bildungswende JETZT! gemeinsam mit Eltern-, Schüler:innen-, Gewerkschafts- und Bildungsinitiativen zum bundesweiten Bildungsprotest am 19. September auf. In NRW sind Demonstrationen, Kundgebungen und Aktionen in Köln, Bielefeld und Bochum geplant.
„Der Bildungsprotest am 19. September wird zur unüberhörbaren Anklage gegen jahrelanges politisches Wegsehen“, betont Harald A. Amelang. „Die Geduld von Eltern, Schüler:innen, pädagogischem Personal und Bildungsinitiativen ist erschöpft. Wenn Regierungsverantwortliche weiterhin untätig bleiben, wird sich der gesellschaftliche Druck massiv verschärfen. Wir brauchen endlich eine echte Bildungswende – mit verbindlichen Investitionen, sozial gerechter Finanzierung und dem politischen Willen, Bildung zur Priorität zu machen.“
Ansprechpartner
- NRW: Anteil der Schulabgänge ohne Abschluss auf Zehnjahreshöchststand
- NRW startet „Ganztag Plus“ zur Unterstützung beim Rechtsanspruch
- NRW: Durchschnittlich besuchen 23,9 Schüler:innen eine Grundschulklasse
Keine Kommentare vorhanden