Bildungsreport NRW- Ungleichheitsreport NRW

"Der Bildungsreport NRW des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik bestätigt einmal mehr, dass die massive Ungleichheit der Bildungschancen das zentrale Problem unseres Schulsystems ist", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Die Landesregierung sollte sich diese Daten genauestens zu Gemüte führen. Sie zeigen nämlich auch, dass das traditionell gegliederte Schulsystem angesichts der demographischen Entwicklung mittelfristig nicht zu halten sein wird."

02.06.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Der Bildungsreport sieht bis zum Jahr 2039 für die allgemein bildenden Schulen in NRW einen Schülerzahlrückgang von 23,5% voraus. Ein erster Tiefpunkt wird aber schon im Jahr 2020 erreicht sein. Allein das wird vor allem die Haupt-, aber auch die Realschulen massiv treffen. Hinzu kommt, dass sich der Trend weg vom Hauptschulabschluss und hin zu höheren Schulabschlüssen weiter fortsetzen wird. Können beispielsweise von den heute 50- bis 64-Jährigen 13% das Abitur nachweisen, so sind es bei den 20- bis 34-Jährigen schon 30%.

"Der VBE hat immer wieder darauf hingewiesen, dass diese Entwicklungen nicht spurlos an unseren Schulen vorbeigehen werden", so Beckmann weiter." Die Landesregierung stellt sich aber bislang taub und hält stur daran fest, das Schulsystem in seiner herkömmlichen Form erhalten zu wollen. Das ist eine fatale Augen zu und durch-Mentalität, die sich rächen wird."

Der Bildungsreport weist darüber hinaus eine massive Ungleichheit der Bildungschancen nach. Beispielsweise legten im Jahr 2005 nur 10,3% der Schülerinnen und Schüler mit Migrationhintergrund in NRW das Abitur ab, unter den Schülern ohne Migrationshintergrund waren es dagegen 30%. Der höchste Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund ist an den Hauptschulen zu finden.

Hinsichtlich der Bildungschancen ist darüber hinaus in NRW auch ein deutliches Stadt-Land-Gefälle zu finden. Während im Schuljahr 2005/06 in städtischen Ballungszentren 36,3% der Kinder eine Haupt- oder Realschule besuchen, sind es im ländlichen Raum 52,3%. Dabei spielt auch die größere Entfernung zu einem Gymnasium oder einer Gesamtschule eine wichtige Rolle. Letzteres wird im Bildungsreport exakt so formuliert.

Die nordrhein-westfälische Landesverfassung legt fest, dass der Übergang zu einer bestimmten Schulform von "Eignung und Neigungen" eines Kindes bestimmt sein muss. Das kann aber nur umgesetzt werden, wenn auch die entsprechenden Schulstrukturen in allen Regionen des Landes vorhanden sind. Offensichtlich ist das in NRW nicht der Fall.

"Die Landesregierung ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass vor Ort alle Bildungsgänge angeboten werden, damit Kinder auch alle Wahlmöglichkeiten haben", so Beckmann abschließend. "Der VBE hat vor diesem Hintergrund das Modell der Allgemeinen Sekundarschule vorgelegt, mit dem eben dies garantiert werden kann. Statt sich aber mit dieser Frage ernsthaft auseinanderzusetzen und flexible Lösungen anzusteuern, verschärft die Landesregierung beispielsweise den Paragraphen im Schulgesetz, der den Zusammenschluss weiterführender Schulen zu Verbünden möglich macht. Explizit das Gymnasium soll von Verbundmöglichkeiten ausgenommen werden. Angesichts der jetzt vorgelegten Daten bleibt da nur anzumerken: sage später keiner, er habe es nicht gewusst."


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