Bildungsrepublik nicht zum Wahlkampfgag schrumpfen

"Das Ziel einer Bildungsrepublik Deutschland darf nicht zum Wahlkampfgag schrumpfen", erklärte Ludwig Eckinger, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), am heutigen Abend vor der Österreichisch-Deutschen Kulturgesellschaft in Wien. Seit dem Bildungsgipfel vor vier Wochen sei es verdächtig still geworden, so Eckinger in seinem Vortrag zum Thema "Bildungsrepublik Deutschland - vor und hinter den Kulissen".

18.11.2008 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

Der Bildungsgipfel habe ein deutlich anderes Tempo für den Bildungsbereich vorgegeben als die Bundesregierung zur Eindämmung der Finanzkrise und zur Ankurbelung der Konjunktur. Der VBE-Bundes­vorsitzende machte deutlich, in der praktischen Politik in Deutschland sei Bildung immer noch nicht in der Prioritätenliste ganz oben angekommen. Eckinger bedauerte: "Ganz offenbar ist Bildung auch keine Größe, wenn es um die Konjunktur geht. Es ist eklatant zu sehen, dass aus dem Stand heraus Milliardenabsicherungen für Pleitebanken gewährt werden, während die erklärte Erhöhung der Bildungsfinanzierung vom Bildungsgipfel in eine Arbeitsgruppe verwiesen wird, die erst nach der Bundestagswahl 2009 tätig werden soll."

"Der Schritt hin zu einer Bildungsrepublik", unterstrich Eckinger, "ist genau die Antwort, die unsere Demokratie verlangt." Diese Bildungsrepublik müsse sich auszeichnen durch bessere Bildung für alle von Anfang an und vor allem durch mehr Durchlässigkeit von der Schule bis zur Hochschule. Der VBE-Bundesvorsitzende sagte weiter: "Die Bildung eines jeden muss im Interesse aller liegen. Das ist der Kern des Demokratieverständnisses; das ist der Kern einer Bildungsrepublik. Deshalb ist die Durchlässigkeit des Bildungssystems von unten nach oben eine so entscheidende Frage." Die Demokratie gebiete es, so Eckinger, den Gedanken der Bildungszuteilung von oben nach unten gründlich einzumotten.

Der VBE-Bundesvorsitzende sagte weiter: "Ich warne, dass die Bürger sich von einer Demokratie abwenden könnten, die nicht allen gleichermaßen die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht." Eckinger verwies darauf, dass derzeit acht Prozent der 15- bis 17-Jährigen die Schule ohne jeglichen Abschluss verlassen würden und jeder fünfte der 25- bis 29-Jährigen weder in Ausbildung noch in Arbeit sei. "Wir haben also ein Heer junger Menschen in unserer demokratischen Gesellschaft, denen auf Dauer der Zugang zum Arbeitsmarkt, zur Gestaltung eines selbstbestimmten Lebens, zur demokratischen Mitwirkung versagt bleiben könnte", sagte Eckinger. "Das ist sozialer Sprengstoff pur und kein Demokrat darf sich mit diesem Missstand abfinden." ­


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