Saarland

Das Saarland geht beim Sprachenlernen neue Wege

"Sprachliche Bildung ist die Basis für soziale, kulturelle und berufliche Handlungsfähigkeit. Um das Sprachenlernen im Saarland gezielt und effektiv modernisieren zu können, haben wir zum ersten Mal eine detaillierte Bestandsaufnahme des gesamten sprachlichen Lernens im saarländischen Bildungsbereich angefertigt", sagte der Bildungsminister des Saarlandes, Klaus Kessler, heute Mittag in Saarbrücken anlässlich der Präsentation des "Sprachenkonzeptes Saarland 2011".

14.12.2010 Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

"Auf der Grundlage des Sprachenkonzeptes werden wir in den nächsten Jahren innovative sprachenpolitische und sprachendidaktische Maßnahmen einleiten, um die Schülerinnen und Schüler auf die sprachlichen Herausforderungen unserer globalisierten Welt intensiv vorzubereiten. Unser Ziel ist es, den Sprachenunterricht an den saarländischen Bildungseinrichtungen nachhaltiger, effizienter und anwendungsorientierter zu gestalten", so Kessler. Ein zentrales Augenmerk richte sich dabei neben der Deutschförderung auf die Stärkung des Französischen als Sprache des Nachbarn und auf die Stärkung des Englischen als internationale Wirtschafts- und Verkehrssprache. "Alle saarländischen Schülerinnen und Schüler sollen am Ende ihrer Schulzeit in der Lage sein, beide Sprachen in konkreten privaten und beruflichen Kommunikationssituationen kompetent anwenden zu können", hielt Kessler fest.

Dass das Sprachenkonzept Saarland 2011 erstellt werden konnte, verdanke man dem großen Engagement zahlreicher Sprachenexperten. "Das Sprachenkonzept wurde von dem saarländischen Ministerium für Bildung unter intensiver Beteiligung externer Fachleute und Institutionen entwickelt. An der Erarbeitung des Konzeptes waren unter anderem die Landesfachkonferenzen, die Landesfachberater der modernen und alten Sprachen, die Landesschulkonferenzen, Landeselternvertretungen, Landesschülervertretungen, Hochschulen, Wirtschafts-verbände, Gewerkschaften und Verbände im Bildungssystem beteiligt", hob Kessler hervor.

Darüber hinaus schaffe das Sprachenkonzept für Schulen, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Verbände und bildungspolitische Entscheidungsträger Transparenz. "Das vorliegende Gesamtkonzept eröffnet die Möglichkeit, geplante sprachenpädagogische Maßnahmen in Zukunft ausführlicher und systematischer als bisher zu diskutieren", unterstrich Kessler.

Schwerpunkte des Sprachenkonzeptes Saarland 2011

Der Fremdsprachenunterricht im Saarland bekommt eine neue Grundlage: den "Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen" (GER), der vom Europarat entwickelt wurde. Der GER ermöglicht, relativ genau themen-, situations- und bereichsspezifische Kompetenzniveaus zu definieren, und schafft so die Voraussetzung für transparente Abschlussprofile. Sprachliches Lernen in der Schule soll deshalb so weit wie möglich auf den Referenzrahmen bezogen werden. Stärker als bisher kann auf diese Weise das Sprachenlernen auf einer Schulstufe systematisch mit dem Sprachenlernen der darauf folgenden Stufe verbunden werden. Somit wird die Kontinuität im Lernprozess gewährleistet; Anschlussfähigkeit wird hergestellt. Sprachliches Lernen im Saarland wird demnach auch europäischer und mit dem Sprachenlernen in anderen Regionen und Ländern besser vergleichbar.

Ein zentrales Anliegen des Sprachenkonzeptes ist die Optimierung des Französisch- und des Englischunterrichtes. Ziel ist es, dass alle Schülerinnen und Schüler im Saarland am Ende ihrer Schulzeit wirklich in der Lage sind, in beiden Sprachen zu kommunizieren – auch die Schülerinnen und Schüler im Hauptschulbildungsgang, die bisher meist nur eine der beiden Sprachen lernen. Hierfür wird der Französischunterricht in der Grundschule durch geeignete Maßnahmen verbessert und ausgebaut. Und das Englischangebot an den Pflichtschulen wird ausgeweitet. Damit wird erreicht werden, dass die wichtigsten schulischen Fremdsprachen in Europa, Englisch und Französisch, von allen saarländischen Schülerinnen und Schülern ab Klassenstufe 5 oder 6 gelernt werden.

Sowohl im Französischen als auch im Englischen wird das Sprachenlernen im Saarland mit Sprachenzertifikaten gefördert. Mit einem Sprachenzertifikat eines außerschulischen Anbieters erwerben Schülerinnen und Schüler einen insbesondere in der Wirtschaft sehr gefragten und anerkannten zusätzlichen Qualifikationsnachweis und verbessern somit ihre Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt wie auch im universitären Bereich. Neuer Vertragspartner des saarländischen Bildungsministeriums ist seit Oktober 2010 die University of Cambridge. Mit Cambridge ESOL-Zertifikaten können Schülerinnen und Schüler im Saarland international bekannte und anerkannte Sprachenzertifikate vergünstigt erwerben. Diese Zertifikate werden bei der Bewerbung um Aufnahme von den meisten britischen sowie einer Vielzahl von Hochschulen weltweit als Ersatz für Spracheingangstests akzeptiert.

Ein weiteres wichtiges Ziel des Sprachenkonzeptes ist der Ausbau der vielfältigen Fördermaßnahmen im Bereich Deutsch als Zweitsprache. Denn Sprachbildung, soziale Integration und beruflicher Erfolg sind aufs Engste miteinander verknüpft. Mit gezielter Sprachbildung kann man Sprachproblemen entgegenwirken, Benachteiligung kann so abgebaut werden. Wichtige innovative Elemente sind die integrative Sprachförderung im schulischen Regelangebot sowie Deutsch als Zweitsprache (DaZ) in der Erstausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte und der Erzieherinnen und Erzieher.

Auch die Herkunftssprachen von Kindern aus Migrantenfamilien sollen stärker in den schulischen Bildungsgang einbezogen werden. Hier wird angestrebt, den Erwerb von Sprachenzertifikaten im muttersprachlichen Unterricht zu ermöglichen. Dieser muttersprachliche Unterricht soll auf diese Weise enger an den schulischen Fremdsprachenunterricht gekoppelt werden.

Das Sprachenkonzept Saarland 2011 strebt eine Ausweitung des bilingualen Unterrichts an. Eine Möglichkeit der Verstärkung der Fremdsprachen in der Sekundarstufe II ist, Unterricht in Sachfächern wie beispielsweise Erdkunde oder Biologie an allen Schulen, an denen qualifizierte Lehrkräfte vorhanden sind, häufiger in einer Schulfremdsprache zu erteilen. In dieser Phase sind bei den Schülerinnen und Schülern die sprachlichen Voraussetzungen für bilingualen Sachfachunterricht in mehreren Sprachen gegeben. Indem ein oder mehrere Sachfächer phasenweise oder ganz in einer Fremdsprache unterrichtet werden, kann das Sprachenlernen intensiviert werden, ohne dass die für den eigentlichen Fremdsprachenunterricht zur Verfügung stehende Unterrichtszeit ausgedehnt wird.

Sprachliches Lernen ist auch in der Schule immer auch kulturelles und interkulturelles Lernen. Ziel des Unterrichts der modernen Fremdsprachen ist es deshalb immer, auf reale Begegnungssituationen vorzubereiten und diese so weit wie möglich in den Unterricht zu integrieren. Dies ist im Saarland insbesondere für Französisch leicht möglich. In alle Ausbildungsabschnitte des Französischunterrichts sollten die Nähe und die leichte Erreichbarkeit Frankreichs und besonders die der Partnerregion Lothringen noch stärker nutzbringend integriert werden.

Die Grundlagen des Fremdsprachenunterrichtes haben sich in den letzten Jahren durch den Einsatz neuer Medien fundamental gewandelt. Durch den Einzug der digitalen Medien ist gerade im Bereich des Hörverstehenstrainings vieles einfacher und komfortabler geworden. Fest in den Klassenräumen installierte Aktivlautsprecher erleichtern den Zugriff auf Tondokumente. USB-Sticks, DVDs und CDs sind leicht zu transportieren; ihre Handhabung ist einfach und gehört mittlerweile zum normalen Handwerkszeug der Unterrichtenden. Im Landesinstitut für Pädagogik und Medien erstellte Tonträger (CDs, DVDs) sind seit Jahren Standard bei den landeszentralen Abschlussprüfungen und Vergleichsarbeiten in den modernen Fremdsprachen. Die saarländische Landesregierung hat 2009 im Rahmen der Umsetzung des Zukunftsinvestitionsgesetzes aus Mitteln des Bundes und des Landes eine Million Euro für eine angemessene technische Ausstattung an öffentlichen und privaten Schulen bereitgestellt.

Innovative Entwicklungen im Bereich des Sprachenlernens bedingen neue und erweiterte Kompetenzen bei Lehrkräften und Erzieherinnen und Erziehern sowie neue Aus-, Fort- und Weiterbildungsinhalte. Entsprechende Fortbildungskurse werden bereits im Fortbildungsprogramm des Landesinstitutes für Pädagogik und Medien angeboten oder befinden sich aktuell in der Vorbereitung.

Weiterführende Informationen zum Sprachenkonzept Saarland 2011 sind im Internet zu finden unter:

http://www.gemeinsam-bilden.de/


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