Der perfekte Mix
Traditionelle Präsenzphasen mit digitalen Lernformaten kombinieren und dabei die Stärken beider Ansätze nutzen – das verspricht Blended Learning. Bildungspraxis zeigt, worauf Lehrende achten sollten. Ein Gastbeitrag von Hans-Peter Steinbacher
07.01.2025 Bundesweit Artikel BildungspraxisBlended Learning will mit der Kombination aus Präsenzveranstaltungen und virtuellen Lernformen ein effektives Lernumfeld schaffen. Diese Kombination ermöglicht es, die Vorteile beider Ansätze zu nutzen:
› Flexibilität: Online-Elemente ermöglichen es den Lernenden, in ihrem eigenen Tempo und zu ihren eigenen Zeiten zu lernen.
› Interaktivität: Präsenzphasen fördern den direkten Austausch und das persönliche Feedback zwischen Lehrenden und Lernenden.
› Individualisierung: Lehrende können Lerninhalte an die Bedürfnisse und Lernfortschritte der Lernenden anpassen.
Hans-Peter Steinbacher leitet das E-Learning Center der Fachhochschule Kufstein in Tirol. Zusätzlich hält er Lehrveranstaltungen aus den Bereichen ERP Systeme, Business Intelligence sowie Vorlesungen und Vorträge zu digitaler Lehre an unterschiedlichen deutschen und österreichischen Hochschulen
Was gehört zu Blended Learning?
Ein gut durchdachtes Blended Learning Programm besteht aus verschiedenen, sich ergänzenden Komponenten: Zum einen die Präsenzphasen, welche als klassische Unterrichtsstunden oder Workshops zu verstehen sind. Sie fördern den persönlichen Kontakt und den direkten Austausch der Lernenden untereinander. Die Onlinephasen teilensich in synchrone (gleichzeitig) und asynchrone (selbstständige) Einheiten auf. Sie kommen als Webinare und virtuelle Klassenräume zum Einsatz als auch in E-Learning-Kursen, Lehrvideos, Büchern, Podcasts oder interaktiven Aufgabenstellungen, um orts- und in den asynchronen Einheiten auch zeitunabhängiges Lernen zu ermöglichen. Als technische Basis für die Organisation der gesamten Lerninhalte dient eine interaktive Plattform. Typischerweise werden hier Lernmanagementsysteme wie Moodle eingesetzt, welche mit Features wie Foren, Chats und Diskussionsgruppen den Austausch zwischen den Lernenden fördern und Kollaborationsmöglichkeiten bieten.
Tipps zur Umsetzung
› Inhaltszuordnung anhand von Lernergebnissen: Richten Sie die Auswahl der Lerninhalte sowohl für Online- als auch Präsenzphasen konsequent an den gewünschten Lernergebnissen aus und sorgen Sie für eine abwechslungsreiche Abfolge der Phasen.
› Einsatz asynchroner Online-Phasen: Verwenden Sie asynchrone Online-Phasen gezielt für die Vor- und Nachbereitung von Inhalten, während die Präsenzphase der praktischen Anwendung und dem Wissenstransfer dient.
› Auswahl einer interaktiven Lernplattform: Achten Sie bei der Wahl der Lernplattform darauf, dass diese die Ablage und Verteilung von Materialien, die Aufgabenstellung sowie die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden in beiden Phasen unterstützt.
› Technische Infrastruktur sicherstellen: Prüfen Sie, ob die Lernenden über die erforderliche technische Ausstattung verfügen, und erstellen Sie dazu eine detaillierte Anforderungsliste für die benötigte Infrastruktur.
› Feedback in asynchronen Phasen einplanen: Planen Sie regelmäßige FeedbackZeiten in den asynchronen Online-Phasen ein, da individuelles Feedback – neben Selbstlernkontrollen – ein wesentlicher Faktor für den Erfolg des Blended Learning ist.
Blended Learning-Formate richtig konzipieren
Die erfolgreiche Konzeption eines Blended Learning-Formats erfordert eine sorgfältige Planung. Die Lernergebnisse, Methoden, Ablaufplanung, technische Infrastruktur und Evaluation sind Schlüsselfaktoren. Zunächst muss die Lehrkraft Lernergebnisse definieren, die die Lernenden in den Präsenz- als auch in den Onlinephasen erreichen sollen – etwa die Datenschutzrichtlinien des Unternehmens zu kennen. Um diese Lernergebnisse zu erreichen, ist es wichtig, geeignete Methoden und Medientypen für die jeweiligen Lerninhalte zu wählen. Webinare und Videos eignen sich zur Vermittlung theoretischen Wissens, während Foren und interaktive Aufgaben den Austausch und die praktische Anwendung des Gelernten fördern. Je nach Anforderungen und Möglichkeiten ist der Zeitplan maßgeblich für eine gelungene Blended Learning-Umsetzung. Dieser sollte in abwechselnder Reihenfolge sowohl synchrone Elemente wie Präsenzphasen oder Live-Webinare als auch asynchrone Elemente wie Lehrvideos oder Selbstlernmaterialien zum selbstgesteuerten Lernen enthalten.
Die technische Infrastruktur muss zuverlässig und benutzerfreundlich sein und ist ein wesentlicher Bestandteil eines Blended Learning-Konzeptes. Das Lernmanagementsystem dient dabei als zentrale Quelle und ermöglicht es den Lernenden, die Unterlagen für Präsenzphasen ebenso wie interaktive Lernaufgaben und geeignete Videoinhalte zu nutzen. Für den nachhaltigen Erfolg sind außerdem regelmäßige Feedbackschleifen ein wichtiges Element. Mit Umfragen, Feedbackgesprächen oder Evaluationsbögen können die Lehrpersonen den Erfolg des Lernformates überprüfen und bei Bedarf Anpassungen vornehmen.
Unterstützung für die Lernenden
Lernende benötigen im Blended Learning Unterstützung, um erfolgreich zu sein. Dazu gehört die technische Unterstützung, etwa bei der Nutzung der Lernplattformen und digitaler Werkzeuge. Dies kann durch IT-Helpdesks, Tutorials oder Schulungen geschehen. Didaktische Unterstützung durch klare Anleitungen zur effizienten Nutzung der Lernmaterialien und -methoden sowie regelmäßiges Feedback der Lehrkräfte fördern den Lernprozess und stärken die Selbstlernkompetenzen der Lernenden. Soziale Unterstützung spielt ebenfalls eine zentrale Rolle: Die Lehrpersonen sollten den Austausch und die Zusammenarbeit unter den Lernenden durch Diskussionsforen, Gruppenarbeiten und interaktive Plattformen fördern, um ein unterstützendes Lernumfeld zu schaffen.
Für erfolgreiches Blended Learning sind bestimmte Rahmenbedingungen notwendig. Dazu gehören Lernplattformen sowie eine gute technische Ausstattung und ausreichend zeitliche Ressourcen – sowohl im Unternehmen als auch zu Hause. Diese Faktoren sind entscheidend für eine effektive Lernerfahrung.
Blended Learning kann die Effektivität und Effizienz der Aus- und Weiterbildungerhöhen. Studien, die dies bestätigen, finden sich etwa in Jennifer Friedrich-Haßhauers Werk „Einflussgrößen der Blended-Learning-Lernverfahren bezüglich der Effizienz und Effektivität im Lernprozess“. Durch die richtige Planung und Umsetzung kann diese Methode sowohl für Lernende als auch für Unternehmen große Vorteile bieten. Die Herausforderung besteht darin, die verschiedenen Komponenten sinnvoll zu kombinieren und die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um eine optimale Lernumgebung zu gewährleisten.
Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: BILDUNGSPRAXIS – didacta Magazin für berufliche Bildung, Ausgabe 4/2024, S. 12-14, www.bildungspraxis.de
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