Deutsch für Zuwandererkinder in der Grundschule: Hertie-Stiftung holt Modellprojekt "Deutsch & PC" nach Berlin

Berlin ist eines von drei Bundesländern, das bei einer bundesweiten Ausschreibung der Hertie-Stiftung zur Ausweitung von "Deutsch & PC" den Zuschlag erhielt. Das Modellprojekt zur Sprach-, Lese- und Medienkompetenz von Zuwandererkindern wird außerdem in Bremen und Nordrhein-Westfalen eingeführt. "Deutsch & PC" fördert den frühzeitigen und intensiven Erwerb der deutschen Sprache bei Kindern aus Zuwandererfamilien in der Grundschule, um ihre Chancen auf einen größtmöglichen Schulerfolg zu erhöhen. "Deutsch & PC" startet zum Schuljahresbeginn in der flexiblen Schulanfangsphase. Schulanfänger mit Förderbedarf in Deutsch werden parallel zum Klassenverband in eigenen Fördergruppen von sechs bis acht Schülerinnen und Schülern zwei Stunden täglich in Deutsch und Mathematik unterrichtet. Spielerisch ergänzt wird das Lernen durch gemeinsames Arbeiten am Computer.

30.03.2007 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

"Deutsch & PC" begann als Modellprojekt der Hertie-Stiftung und des Hessischen Kultusministeriums im Schuljahr 2001/2002. Der erfolgreiche Verlauf und die positiven Erfahrungen mit "Deutsch & PC" haben die Hertie-Stiftung motiviert, 1,7 Millionen Euro für eine Ausweitung bereitzustellen. In einer Ausschreibung hatte die Hertie-Stiftung alle Bundesländer eingeladen, sich um das Modellprojekt zu bewerben. Mitte Februar fiel die Entscheidung der Jury auf die Bundesländer Berlin, Bremen und Nordrhein-Westfalen. Die Hertie-Stiftung unterstützt jeweils drei Grundschulen für vier Jahre. In Berlin kooperiert sie dabei mit der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Und so funktioniert diese Kooperation: Die Hertie-Stiftung finanziert für die Grundschulklassen der flexiblen Schulanfangsphase der ausgewählten Schulen jeweils eine zusätzliche Lehrkraft pro Schule. Die Ausstattung der Schulen mit PCs und die Projektkoordination im jeweiligen Bundesland wird ebenso von der Stiftung getragen. Das Bundesland Berlin verpflichtet sich zusätzlich jeweils zwei volle Lehrerstellen für die Anschlussförderung von der 2. bis zur 4. Klasse einzustellen. Zudem soll "Deutsch & PC" in die bildungs- und integrationspolitischen Maßnahmen Berlins integriert werden. Ziel ist: Bei positiver Evaluation und spätestens nach Ablauf der vierjährigen Förderung soll Berlin das Projekt auf weitere Grundschulen mit hohem Zuwandereranteil ausdehnen.

"Die Erfolge von ´Deutsch & PC´ in Hessen haben die Hertie-Stiftung motiviert das Modellprojekt zu exportieren. Wir freuen uns, dass bald auch Kinder aus anderen Bundesländern vom dem Projekt profitieren werden", sagte Dr. Christof Eichert, Geschäftsführer der Hertie-Stiftung, die ihr Projekt an den drei Modellschulen von Beginn an wissenschaftlich evaluieren ließ. Der Abschlussbericht von Professor Wilhelm Grießhaber vom Sprachenzentrum der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster liegt nun vor. Er belegt die Wirksamkeit der Fördermaßnahmen von "Deutsch & PC": "Das zentrale Anliegen des Förderprojekts, die Erhöhung qualifizierter Schulabschlüsse für Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund wurde beim Übergang auf die weiterführenden Schulen erreicht." Der Anteil von Übergängen auf Gymnasien und Realschulen liegen laut dem Bericht erheblich über den Werten, die nach den PISA-oder DESI Studien für Schulen mit einem so hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund erreicht wurden. Von den 2001 eingeschulten Kindern, die bei der Einschulung das gesamte erste Schuljahr in der Förderung waren, haben 30% ein Gymnasium erreicht und 37% eine Realschule. Zum Vergleich: Bei DESI liegt die Prozentzahl für Kinder mit Migrationshintergrund, die auf ein Gymnasium wechseln bei unter 20. Laut Professor Grieshaber sind die Erfolge zweifellos dem Konzept des zeitlich begrenzten parallelen Unterrichts zuzuschreiben. Erfolgsfaktoren des Förderkonzepts seien neben dem Engagement der Lehrkräfte und der verstärkten Kooperation von Klassen- und Förderlehrerin das Unterrichten der Förderkinder in der Kleingruppe.

Im Mai werden die Hertie-Stiftung und die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung den Projektvertrag im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz unterzeichnen.


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