Deutscher Lehrerverband warnt vor ideologischen Schulexperimenten
Der Deutsche Lehrerverband warnt mit Nachdruck vor bildungspolitischen Konzepten, die auf eine Schwächung leistungsorientierter Bildungswege und eine weitere Vereinheitlichung des Schulwesens hinauslaufen.
25.09.2026 Bundesweit Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)Anlass sind die Vorschläge zu tiefgreifenden Veränderungen der Berliner Schullandschaft durch die Berliner Linke, die nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus die größte Fraktion stellt.
Die Linke will dabei durch den Ausbau der Berliner Gemeinschaftsschulen laut ihrer eigenen Aussage mittelfristig das gegliederte Schulsystem abschaffen, außerdem werden Hausaufgaben und Schulnoten bis einschließlich Klasse 9 in Frage gestellt.
„Die Idee, Leistungsunterschiede einfach wegzuorganisieren, ist ein pädagogischer Irrtum“, betont Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. „Kinder werden nicht dadurch erfolgreicher, dass man Maßstäbe absenkt, sondern indem man sie fördert, herausfordert und ihnen passende Bildungswege eröffnet. Grundlegend ist dabei eine verbindliche frühe Sprachförderung.“
Wer Bildungsprobleme dadurch lösen wolle, dass er bewährte Schulformen infrage stelle, bekämpfe Symptome statt Ursachen, führt der Verbandschef aus: „Das Problem an Deutschlands Schulen sind nicht zu hohe Anforderungen. Die Schulen leiden unter Lehrkräftemangel, Unterrichtsausfall, überbordender Bürokratie und einer chronischen Unterfinanzierung.“
Der Deutsche Lehrerverband kritisiert eine Schulpolitik, die Chancengerechtigkeit mit Ergebnisgleichheit verwechselt. Stefan Düll hebt hervor: „Schülerinnen und Schüler in dieselben Strukturen zu drängen führt nicht zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Das gegliederte Schulwesen bietet jedem jungen Menschen einen Weg an, der seinen Fähigkeiten, Interessen und Zielen entspricht. Die von der Linke besonders infrage gestellten Gymnasien sind ein bewährter Bildungsweg für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler. Wer ihre Rolle schwächt, gefährdet nicht nur die Qualität akademischer Bildung, sondern schwächt den Bildungsstandort insgesamt.“
Besonders irritierend ist aus Sicht des Verbandes die Vorstellung, schulische Leistungsanforderungen seien ein Problem. Leistungsbereitschaft, Anstrengung, Erfolgserlebnisse und Verantwortungsbewusstsein sind keine Relikte vergangener Zeiten. Sie sind die Grundlage für persönlichen Aufstieg, Innovation und gesellschaftlichen Wohlstand. „Ein Bildungssystem, das Leistung relativiert, nimmt jungen Menschen Chancen. Wer Exzellenz verdächtig macht, produziert nicht mehr Gerechtigkeit, sondern weniger Zukunft. Die ideologisch geführte Strukturdebatte lenkt zudem von den tatsächlichen Herausforderungen an den Schulen ab“, unterstreicht DL-Präsident Düll.
Der Deutsche Lehrerverband fordert den Erhalt und die Stärkung des gegliederten Schulwesens in allen Bundesländern sowie klare Leistungsstandards in allen Schularten. Schülerinnen und Schüler müssen entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten wirksam gefördert werden. Zugleich braucht das Bildungssystem mehr Investitionen in Lehrkräfte und Unterrichtsqualität anstelle fortwährender Strukturdebatten. Grundlage bildungspolitischer Entscheidungen sollten wissenschaftliche Evidenz und die Erfahrungen aus dem Schulalltag sein.
„Berlin braucht keine neuen Schulexperimente, sondern gute Schulen mit ausreichend Lehrkräften und Ressourcen. Wer Bildungspolitik gegen Leistung, Differenzierung und pädagogische Realität betreibt, handelt nicht im Interesse der Kinder und Jugendlichen“, erklärt DL-Präsident Stefan Düll abschließend.
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