Deutschland kann noch mehr als Platz 13!
Auch wenn es dem deutschen PISA-Koordinator Schleicher nicht passt, PISA 2006 zeigt, dass man in Deutschland dazugelernt hat. Der deutliche bessere Platz, den unsere Schüler nun im Bereich Naturwissenschaften belegen, beweist, dass unser gegliedertes Schulsystem durchaus entwicklungsfähig ist.
04.12.2007 Pressemeldung Verband Reale BildungAber dieser Erfolg wurde eben nicht durch einen Umbau in ein Einheitsschulsystem erreicht, sondern durch qualitätssichernde Maßnahmen wie z. B. die Bildungsstandards. Das mag Herrn Schleicher betrüben, uns ist es Anlass zu ehrlicher Freude.
Wenn den deutschen Schülern bei PISA 2006 in den Bereichen Lesen und Mathematik noch kein signifikanter Fortschritt gegenüber der vorigen Datenerhebung attestiert werden konnte, so sollte das niemanden verwundern. Im Gegenteil: Eine deutliche Verbesserung in diesen Bereichen wäre jedem, der die Praxis an den deutschen Schulen kennt, höchst suspekt. Verbesserungen im Bildungswesen eines Landes sind nicht zum Nulltarif zu haben und sie sind nicht von heute auf morgen zu erreichen. Voraussetzung für eine echte und vor allem auch wirksame Reform ist zunächst einmal eine seriöse Ursachenforschung. Wer, wie der deutsche OECD-Koordinator Schleicher, immer wieder nur soziale Ungerechtigkeiten und angeblich im gegliederten Schulwesen begründete ungleiche Bildungschancen als Ursachen für das bisher nicht gerade berauschende Abschneiden deutscher Schüler im internationalen Vergleich anführt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht an einer wirklichen Verbesserung interessiert zu sein, sondern lediglich Gesamtschul-Lobbyismus zu betreiben.
Sicher, das deutsche Bildungssystem ist, vorsichtig ausgedrückt, noch "suboptimal". Es beginnt bei der Darstellung des Wertes von Bildung in den Massenmedien. Hier hat sich inzwischen einiges zum Guten verändert, aber es wird wohl noch zwei Generationen dauern, bis die neue Einstellung zur Bildung auch Gemeingut geworden ist. Auch die Bildungsstandards als bundeseinheitliche Zielvorgaben stellen einen Fortschritt dar, jedoch können sie nur wirksam werden, wenn die Schulen entsprechend besser ausgestattet werden, um sie umsetzen zu können. Das heißt konkret u. a., die Ausbildung und Fortbildung der Lehrer deutlich zu verbessern, und vor allem: die Schulen mit wirklich ausreichend pädagogischem Personal zu versorgen. Ein Vergleich der Lehrer-Schüler-Relationen in Finnland und Deutschland ist da sehr aufschlussreich!
Das Erfinden immer neuer Varianten von Einheitsschularten und das ewige Debattieren über Schulstrukturen bringen dagegen erwiesenermaßen keinen Erfolg. Das System Schule braucht vor allem Verlässlichkeit und Kontinuität. Auch mit PISA 2006 lässt sich kein Zusammenhang zwischen Schulstruktur und Qualität nachweisen, wohl aber ein direkter Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Einstellung zur Bildung, der daraus erwachsenden Lernkultur und schließlich der Qualität des Unterrichts und seiner Ergebnisse.
"Evaluation" ist eines der Schlagworte, die in den letzten Jahren immer wieder im Zusammenhang mit Qualitätssicherung in der Bildung gebraucht werden. Zu Recht, denn nur im Vergleich mit anderen kann man seine eigenen Stärken und Schwächen erkennen. Nationale und internationale Schulleistungsvergleiche machen aber nur dann Sinn, wenn wirklich Vergleichbares verglichen wird. Bei PISA 2006 kommen zumindest Zweifel auf, wenn man liest, dass offenbar in einigen Ländern ein erheblicher Prozentsatz an leistungsschwachen Schülern von vornherein von den Tests ausgeschlossen wurde, bzw. in anderen Ländern Schüler mit materiellen Prämien zu Höchstleistungen motiviert wurden.
Das Sprichwort "Wessen Brot ich esse, dessen Lied singe ich" ist allgemein bekannt. Angesichts des unseriösen Verhaltens gewisser prominenter PISA-Forscher und PISA-Deuter drängt sich erstens die Frage auf, auf welchen Gehaltslisten diese Herren eigentlich stehen. Zweitens muss man sich fragen, welchen wissenschaftlichen Wert eine Untersuchung hat, deren Auftraggeber und Autoren nicht einmal soviel Zuverlässigkeit aufbringen, sich an die selbst auferlegten Regeln zu halten. Wenn mit (un)schöner Regelmäßigkeit immer wieder Teilergebnisse vor dem festgesetzten Veröffentlichungstermin ausgeplaudert werden, um damit zumindest sehr fragwürdige bildungspolitische Schlussfolgerungen und Forderungen zu begründen, dann muss die Frage erlaubt sein, ob die Bundesregierung ihren Anteil an den PISA-Kosten nicht besser direkt in die Schulen unseres Landes investieren sollte.
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