Niedersachsen

Die "demografische Rendite": Mehr Ganztagsschulen und kleinere Klassen?

(red) Wenn es um die finanzielle Ausstattung ihrer Ressorts geht, sollten die Bildungsminister der Länder eigentlich optimistisch in die Zukunft blicken. Zumindest dann, wenn bei sinkenden Schülerzahlen die finanziellen Ressourcen gleich bleiben. Wir haben die vier Fraktionen im Niedersächsischen Landtag gefragt, wie es um die sogenannte demografische Rendite in Niedersachsen steht und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Hier die Antworten.

20.02.2015 Artikel
  • © bikl.de

Björn Försterling, Bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Niedersächsischen Landtag: "Die Startchancen der Kinder verbessern"

"Der Rückgang der Schülerzahlen bietet in finanzieller Hinsicht große Chancen für Niedersachsen und große Chancen für die Kinder in unserem Land. Für die FDP-Fraktion im Landtag Niedersachsen steht fest, dass alle Ressourcen im System bleiben müssen. Und die daraus zu finanzierenden Aufgaben sind groß: Verbesserung Betreuungsrelation in der frühkindlichen Bildung, Schulsozialarbeit, kleinere Klassen, um nur einige Punkte zu nennen. Hiermit lassen sich gezielt die Startchancen der Kinder verbessern und der Weg zum Bildungsaufstieg ebnen.

Am Ende des Tages bleibt aber abzuwarten, ob angesichts der stärkeren Zuwanderung der Rückgang der Schülerzahlen tatsächlich so eintreten wird wie bisher erwartet. Und auch hieraus ergeben sich Notwendigkeiten für weiteren Mitteleinsatz, beispielsweise im Bereich Sprachförderung und Sprachlernklassen. Die Zuwanderung bietet eine große Chance für den Erhalt des Wohlstands in unserem Land und daher müssen wir insbesondere in die Bildung der Zuwanderer investieren und ihnen die Chance auf ein neues Leben ermöglichen. Wir stehen aber absehbar auch vor der Herausforderung nicht nur den Schülerrückgang zu meistern, sondern auch den Lehrerrückgang in Niedersachsen. Es werden in den nächsten Jahren deutlich mehr Lehrer pensioniert als junge Lehrkräfte nachkommen. Wir wollen bei jungen Menschen dafür werben den Lehrerberuf zu ergreifen, insbesondere in den MINT-Bereichen."

Kai Seefried, Schulpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Niedersachsen: "Deutliche Priorität im Bereich der Bildung"

"Nur, wenn die frei werdenden Ressourcen im Bildungssystem aufgrund des demografisch bedingten Schülerrückgangs auch wirklich für verbesserte Rahmenbedingungen in der Bildung eingesetzt werden, kann man von einer wirklichen demografischen Rendite sprechen. Der Nachteil von zurückgehenden Schülerzahlen muss sich also wirklich für die Schülerinnen und Schüler und unser Bildungssystem rentieren. In der Zeit der CDU-geführten Landesregierung von 2003 bis 2013 wurde dieser Weg konsequent beschritten und die frei werdenden Ressourcen nachhaltig für eine verbesserte Schüler-Lehrer-Relation, kleinere Klassen und eine verlässliche Unterrichtsversorgung eingesetzt. In diesen 10 Jahren hat Niedersachsen aufgrund des demografischen Wandels rund 100.000 Schülerinnen und Schüler verloren, dennoch wurden auf der anderen Seite rund 5.000 Vollzeit-Lehrerstellen zusätzlich geschaffen. Diese Zahlen unterstreichen, dass die CDU in ihrer Regierungsverantwortung in Niedersachsen nicht nur die demografische Rendite genutzt hat, sondern auch darüber hinaus im Bereich der Bildung eine deutliche Priorität gesetzt hat. Es muss auch zukünftig unser Ziel sein, die frei werdenden Ressourcen im Bildungssystem für verbesserte Rahmenbedingungen und mehr Qualität zu nutzen."

Stefan Politze, Fraktionssprecher für Kultus der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag: "Die demografische Rendite wird zum Qualitätsausbau genutzt"

"Die Schülerzahlen in Niedersachsen werden sich von rund 851.000 im Jahr 2014 auf 763.000 im Jahr 2020 verringern. Das sind 88.000 Schüler weniger. Insgesamt gibt es rund 68.000 Lehrerinnen und Lehrer in Niedersachsen. Im Verhältnis vom Anteil Schüler zu Lehrer würde sich bis 2020 eine erhebliche sogenannte demografische Rendite ergeben, wenn man rein betriebswirtschaftlich vorgehen würde. Das machen die Landesregierung und die sie tragenden Fraktionen nicht. Wir setzen stattdessen auf kleinere Klassen und den Ausbau der Ganztagsschule. Die Klassenteiler an Grundschulen wurden seit 2012 von 28 auf 26 verringert. Die an Gymnasien von 32 auf 30. Im Bereich der Ganztagsschule wurde eine Verdreifachung der Ressource vorgenommen, die zu 40 Prozent in Lehrerstunden genutzt werden soll. Daneben werden wir bis 2018 zusätzlich 1600 neue Lehrkräfte im Bereich der Inklusion einsetzen. Damit wird die demografische Rendite zum Qualitätsausbau in der Bildung genutzt."

Heiner Scholing, Sprecher für Schulpolitik der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN im Niedersächsischen Landtag: "Wichtiges Ziel: Schulische Sozialarbeit deutlich ausbauen"

"Die Schülerzahlen an den allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen werden in der laufenden Wahlperiode um ca. 10 Prozent zurückgehen. Dennoch plant die rot-grüne Landesregierung, die Mittel für den Schulbereich sogar aufzustocken. Verwendet werden die rechnerisch durch den Schülerzahlenrückgang frei werdenden und die zusätzlichen Mittel für den Ausbau der Schulen zu Ganztagsschulen, für die Umsetzung der Inklusion und für den Ausbau der Unterstützungs-, Beratungs- und Fortbildungsangebote. Ein wichtiges Ziel für uns ist, nicht nur die Schulpsychologie, sondern auch die schulische Sozialarbeit deutlich auszubauen. Die zurückgehenden Schülerzahlen schlagen sich auch in zurückgehenden Klassenfrequenzen nieder. Die durchschnittliche Klassenfrequenz ist seit 2004 bereits um 4 Prozent von 21,53 auf 20,65 zurückgegangen. Besonders deutlich ist der Rückgang an den Hauptschulen und an den Grundschulen. Wenn wir nicht auf dem Land bei zurückgehenden Schülerzahlen viele Schulen schließen wollen, müssen wir dort auch relativ kleine Klassen finanzieren."

Dazu auf der didacta 2015 in Hannover

Donnerstag, 26. Februar 2015

Demografischer Wandel und schmale Budgets: Bestimmen sie die Bildungspolitik?

Wir wirkt sich die demografische Entwicklung auf das niedersächsische Schulwesen aus? Was passiert mit kleinen Schulen? Wie kann Inklusion gelingen? Wie wenig Finanzierung verträgt ein Bildungssystem? Wie positionieren sich die Parteien in den aktuellen Bildungsfragen?

Podiumsdiskussion mit Björn Försterling, Bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, Stefan Politze, Fraktionssprecher für Kultus der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, Heiner Scholing, Sprecher für Schulpolitik der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN im Niedersächsischen Landtag, Kai Seefried, Schulpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Niedersachsen; Moderation: Prof. Dr. Markus Ritter, Ruhr-Universität Bochum, 11:00 bis 12:15 Uhr Forum Bildung, Halle 16, Stand E20


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