Diskussion um Verkürzung der Schulzeit an Gymnasien versachlichen

Vor einer um sich greifenden Hysterie in der Diskussion um die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit von 13 auf 12 Jahre hat der Philologenverband Niedersachsen gewarnt. Wenn etwa behauptet werde, dass die Schule "unsere Kinder kaputtmache", dann sei das unverantwortliches Panikgerede, erklärte der Vorsitzende der Lehrervereinigung, Guillermo Spreckels. Allerdings gebe es in der Tat Unzulänglichkeiten bei der Umsetzung der Schulzeitverkürzung und somit Handlungsbedarf.

05.03.2008 Niedersachsen Pressemeldung Philologenverband Niedersachsen (PhVN)

Spreckels unterstrich, dass der Philologenverband Verständnis für die Sorge vieler Eltern habe, dass ihren Kindern keine Zeit mehr für Sport, musische Bildung und Freizeit bleibe. Deswegen müsse man prüfen, ob durch eine Umverteilung der durch die Schulzeitverkürzung erhöhten Wochenstundenzahl in einigen Jahrgangsstufen eine Entlastung erreicht werden könne. Besonders dringlich sei jedoch die Verbesserung der schulischen Lernbedingungen durch die Verkleinerung der Klassengrößen im Gymnasium, das von allen Schulformen mit Klassen von mehr als 30 Schülern die höchsten Klassenstärken habe. Unter solchen Bedingungen sei die erwünschte individuelle Zuwendung zu jedem einzelnen Schüler kaum mehr möglich.

Eine Konzentration der Lehrpläne und damit des Unterrichts auf wesentliche Inhalte sei eine weitere wichtige Maßnahme, betonte Spreckels. Es müsse geprüft werden, welche Stoffe für ein qualitativ hochwertiges Abitur unverzichtbar seien. Dadurch könne auch Raum für vertiefendes und übendes Lernen gewonnen werden, was den Schülern bei der Bewältigung der Anforderungen sehr helfen würde.

Des Weiteren sei es mittelfristig erforderlich, die Lerninhalte von Kindertagesstätten, Grundschulen und weiterführenden Schulen besser aufeinander abzustimmen; schließlich fange das Bildungssystem nicht erst mit Klasse 5 an.

Im Übrigen seien im Hinblick auf die Verkürzung der in Deutschland besonders langen Ausbildungszeiten nun endlich die Hochschulen gefordert. "Es kann nicht sein, dass wir die Schulzeit bis zum Abitur mit großen Anstrengungen auf das international übliche Maß von 12 Jahren verkürzen, und dieser Zeitgewinn dann durch Warteschleifen und überlange Studienzeiten wieder verloren geht", betonte Spreckels abschließend.


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