Drei Schritte vor und zwei zurück

"In dem Leitantrag der FDP zur Schul- und Bildungspolitik sind teilweise gute Ansätze zu erkennen", kommentiert der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. "Allerdings bleibt die Partei auf halbem Wege stehen und hält die eigenen Forderungen nicht konsequent durch."

14.10.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Dass es Aufgabe der Bildungseinrichtungen sein soll, "jedem Menschen unabhängig von seiner sozialen Herkunft eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung zu eröffnen", entspricht auch der Auffassung des VBE. Wer diesen Anspruch ernst nimmt, darf aber nicht in die alte Denkweise zurückfallen, dass Kinder im Alter von neun Jahren bereits für bestimmte Berufslaufbahnen prädestiniert sind und entsprechenden Schulformen zugewiesen werden müssen. Genau dabei bleibt die FDP aber stehen.

"Sie will ein Schulsystem, das eine strikte Trennung zwischen akademischer und stärker beruflich orientierter Bildung vornimmt", so Beckmann. "Das hat nichts mehr mit dem Ziel einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Diesen Ansatz lehnt der VBE ab."

Die FDP will unter anderem "die heute schon immer mehr verschwimmende und überkommene Grenze von inneren und äußeren Schulangelegenheiten" überwinden.

"Schade, dass dieser grundsätzlich gute Gedanke dann an anderer Stelle nicht durchgehalten wird", so Beckmann. "Wenn es um die äußeren Schulangelegenheiten im Sinne von Schulstrukturen geht, verfällt die FDP stattdessen wieder in das alte Lied vom begabungsgerechten gegliederten Schulsystem` und den angeblichen Einheitsschulsystemen, die in irgendwelchen Schubladen liegen sollen."

Der VBE teilt die Auffassung der FDP, dass Schulen und Schulträger insbesondere angesichts der sinkenden Schülerzahlen mehr Freiheit brauchen, um "eine für die örtlichen Gegebenheiten und Wünsche passgenaue Schulstruktur" entwickeln zu können. Die FDP fordert aber diese Freiheit und schränkt sie im selben Atemzug wieder ein. Die Freiheit soll lediglich darin bestehen, Haupt-, Real- und Gesamtschulen unter einem Dach zu führen, die Bildungsgänge aber getrennt zu halten. Das ist aus VBE-Sicht zu wenig.


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