Realschullehrer NRW

Ein Meilenstein? Das wird sich zeigen

Der Schulkonsens in NRW ist jetzt Gesetz. Ob der Schulfrieden tatsächlich der Meilenstein wird, für den ihn viele halten, muss die Zukunft zeigen. Er steht und fällt mit der neuen Schulform Sekundarschule.

20.10.2011 Pressemeldung lehrer nrw

Es ist wichtig, dass Lehrkräfte, Eltern und Schüler dort, wo Sekundarschulen entstehen, auf dem Weg mitgenommen werden. "Darum ist es bedenklich, dass viele Kommunen ohne Not und ohne Sachgrundlage jetzt sofort auf den Sekundarschul-Zug aufspringen. Sie nehmen dabei in Kauf, dass gut funktionierende Realschulen geopfert werden", sagt Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw. "In der Lehrerschaft herrscht erhebliche Verunsicherung. Es ist dringend erforderlich, dass Hektik und Eile herausgenommen werden", so Balbach. Kritisch sieht es lehrer nrw, dass das Dezernat Gesamtschulen federführend bei der Schulaufsicht für die Sekundarschulen ist. "Dort gehört sie nicht hin", betont Balbach. Die Sekundarschulen werden größtenteils aus bedrohten Hauptschulen entstehen, sehr oft in Kombination mit Realschulen.

Das Rückgrat der Sekundarschul-Kollegien werden Hauptschul- und Realschullehrer bilden. Das sollte sich aus Sicht von lehrer nrw auch in der schulaufsichtlichen Zuständigkeit widerspiegeln. "Wir anerkennen, dass Schulministerin Sylvia Löhrmann für die Zeit nach der Personalratswahl 2012 eine einvernehmliche Lösung angekündigt hat", so Balbach. Für die von einer Sekundarschul-Gründung betroffenen Realschulen ist es wichtig, sich nicht in eine Opferrolle zu begeben, sondern ihre Stärken mit einzubringen. Dazu zählt zum Beispiel diE Neigungsdifferenzierung. "Wir möchten, dass viel Realschule in der neuen Sekundarschule steckt", erklärt Balbach. "Das ist in der kooperativen Form am besten möglich." Kritisch ist dabei: Die Letztentscheidung, ob eine Sekundarschule ab Klasse 7 integriert, teilintegriert oder kooperativ weitergeführt wird, trifft der Schulträger. Er kann sich dabei sogar über ein anders lautendes Votum der Schulkonferenz hinwegsetzen. "Es ist unfassbar, dass Entscheidungen von solcher Tragweite ohne die Expertise der Lehrkräfte getroffen werden", kritisiert Balbach.

Immerhin signalisiert Schulministerin Löhrmann in diesem Punkt Entgegenkommen: Sie möchte den Schulkonferenzen der neuen Sekundarschulen ein Initiativrecht einräumen, nach einem gewissen Zeitraum eine Änderung der beschlossenen Sekundarschul-Struktur zu beantragen. Ob dies realistisch ist, bleibt abzuwarten.

"Trotz der Gleichbehandlung der Bildungsgänge in der Sekundarschule hinsichtlich Klassengröße (Richtwert 25) und Lehrer-Pflichtstundenzahl (25,5) droht eine Benachteiligung der kooperativen Organisationsform: Denn nach wie vor bevorzugt das Gemeindefinanzierungsgesetz integrative Schulformen", warnt Balbach. "Eine Änderung des GFG ist zwar geplant, wird sich aber zumindest auf die Gründung der ersten Sekundarschulen nicht mehr auswirken."

Auch wenn die Bestandsgarantie für das gegliederte Schulwesen in der geänderten Verfassung äußerst weich formuliert ist: Grundsätzlich haben unsere gut funktionierenden Realschulen in NRW weiterhin eine Perspektive. Dies erfordert allerdings eine Weiterentwicklung dieser bewährten und anerkannten Schulform. Die im Schulkonsens zugesagte Senkung der Klassenfrequenzrichtwerte muss zügig erfolgen. "Wir fordern die Landesregierung auf, ein Zeichen zu setzen, dass ihr an einer Weiterentwicklung der Realschulen gelegen ist", sagt Balbach. "Dies wäre auch ein Signal, dass es Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Schulministerin Sylvia Löhrmann mit dem Schulfrieden ernst meinen."

Ansprechpartner

lehrer nrw

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden