Unterrichtung

„Eine ausgewogene und auskömmliche Unterrichtsversorgung ist das Ziel“

Mit dem Aktionsplan zur Lehrkräftegewinnung und umfangreichen Einstellungsverfahren federt die Niedersächsische Landesregierung den bundesweiten Lehrkräftemangel ab.

14.08.2017 Niedersachsen Pressemeldung Niedersächsisches Kultusministerium
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„Der Aktionsplan zur Lehrkräftegewinnung wirkt und wird fortgesetzt“, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt am vergangenen Freitag vor dem Kultusausschuss des Niedersächsischen Landtages in Hannover.

Eine ausgewogene und auskömmliche Unterrichtsversorgung sei das Ziel, dabei würden keine Schulen und keine Schulformen bevorzugt oder benachteiligt. Auch Grundschulen in ländlichen Regionen müssten mit Lehrkräften versorgt werden. Tatsache sei, dass es insbesondere im ländlichen Raum an kleinen Grundschulen Schwierigkeiten mit der Stellenbesetzung gebe. Daher sei bereits im Aktionsplan zur Lehrkräftegewinnung aus 2016 deutlich auf die Möglichkeit, dass auf das Mittel von Abordnungen zurückgegriffen werden könne, hingewiesen worden. Der Bezugswert für die Personalplanung für die Grundschulen liege mit Stand vom 04.08.2017 landesweit bei einem durchschnittlichen Wert von rund 99 Prozent. Das Ziel sei, die Versorgung der Grundschulen mit mindestens 100 Prozent Unterrichtsversorgung zu gewährleisten. Hierzu seien noch rund 170 Vollzeitlehrereinheiten notwendig. Diese können durch diverse personalwirtschaftliche Maßnahmen wie zum Beispiel Teilzeiterhöhungen, Einsatz von Vertretungslehrkräften, Abordnungen und insbesondere weitere Einstellungen erreicht werden.

Mit Stand vom 10.08.2017 konnten rund 1.570 Lehrkräfte an den niedersächsischen öffentlichen allgemein bildenden Schulen eingestellt werden, davon 177 Quereinsteigerinnen oder Quereinsteiger. Ausgeschrieben waren rund 1.800 Stellen. Von 481 Einstellungsmöglichkeiten an Grundschulen landesweit konnten bisher erst 366 Stellen besetzt werden.

Das Stellenbesetzungsverfahren läuft noch voraussichtlich bis Ende August 2017. Das Niedersächsische Kultusministerium geht davon aus, auch kurzfristig noch weitere Lehrkräfte einzustellen. Für das angelaufene Schuljahr 2017/2018 sind zudem weitere 185 Vollzeiteinheiten für Vertragsabschlüsse zur Sprachförderung von Flüchtlingskindern zu Verfügung gestellt worden. Damit stehen der Niedersächsischen Landesschulbehörde im Haushaltsjahr 2017 insgesamt 323 VZLE für „Verträge – Spracherwerb Flüchtlinge“ (VSF) in Höhe von rund 17 Millionen Euro zur Verfügung.

Wenn Einstellungen nicht realisiert werden können, weil sich keine Bewerberinnen oder Bewerber finden, dann sind auch Abordnungen von besser versorgten Schulen, an Schulen, die eine schlechtere Ausgangslage haben, ein Instrument des Ausgleichs, so Kultusministerin Heiligenstadt: „Abordnungen sind keine neue Erfindung, aber natürlich immer Plan B, weil die höchste Priorität darauf liegt, neue Lehrkräfte einzustellen. Wenn es dabei zu kurzfristen Änderungen in der Planung von einzelnen Schulen kommt, ist Unmut von Schulleitungen durchaus nachvollziehbar.“ Aber gerade in angespannten Situationen seien alle gefordert, Verantwortung zu übernehmen. „Die Solidarität zwischen den Schulformen durch Abordnungen wurde schon mehrfach in der Vergangenheit - zum Beispiel in den Jahren 2009 bis 2011, also auch unter der Vorgängerregierung - praktiziert“, erinnerte Heiligenstadt.

Derzeit sind bereits rund 4.000 Lehrkräfte insgesamt abgeordnet, davon zirka 55 von Gymnasien an Grundschulen. Im Schuljahr 2015/2016 gab es landesweit rund 7.000 Abordnungen im Bereich der allgemein bildenden Schulen, im Schuljahr 2016/2017 waren es landesweit zirka 6.700 Abordnungen. In früheren Schuljahren wurden rund 5 Lehrkräfte von Gymnasien an Grundschulen abgeordnet.

Der Präsident der Niedersächsischen Landesschulbehörde Ulrich Dempwolf erklärte, dass vor den Ferien im Juni bereits mit Gymnasien und Gesamtschulen darüber gesprochen wurde, dass Abordnungen an Grundschulen zu Schuljahresbeginn erfolgen müssten. „Aus langjähriger Erfahrung sind Personalveränderungen und Klassenveränderungen in den Sommerferien sowohl für Schulleitungen als auch für die Behörde nichts Außergewöhnliches, sie sind Alltagsgeschäft. Das Ganze geschieht parallel zum Einstellungsprozess, der übrigens noch nicht abgeschlossen ist.“ Da erstmals insbesondere Gymnasien und Gesamtschulen im schulformübergreifenden Abordnungsverfahren in größerem Umfang betroffen waren, sei eine verlässliche Datenbasis bei parallel laufenden Einstellungen abzufragen gewesen. „Es ist eine wertschätzende Pflicht gegenüber den Schulen, auf der Grundlage abgesicherter Daten zu arbeiten.“ Die Analyse zeige, dass voraussichtlich 173 Gymnasien und 53 Gesamtschulen Abordnungen planen und durchführen müssen. In Niedersachsen gibt es rund 220 öffentliche Gymnasien und rund 131 öffentliche Gesamtschulen.

Deutlich wurde, dass in anderen Bundesländern Abordnungen von Lehrkräften ebenfalls auf der Tagesordnung stehen. „Wir haben es nicht mit einer niedersächsischen Sondersituation zu tun: Lehrekräftemangel und Maßnahmen damit umzugehen, treffen nahezu alle Länder. Auch in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ist das Thema. Völlig unabhängig von der Konstellation der jeweiligen Landesregierung wird mit vergleichbaren Maßnahmen reagiert“, sagte Kultusministerin Heiligenstadt.

Die momentan angespannte Lage werde sich perspektivisch deutlich verbessern, weil unter anderem auch wieder mehr Lehrkräfte ihren Vorbereitungsdienst absolvieren und dem Lehrerarbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Vor allem im Grundschullehramt zeichnet sich durch vermehrte Anwärterinnen und Anwärter nach der Umstellung auf GHR 300 langsam Entspannung ab.


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