Saarland

Eltern stehen 5. Grundschuljahr distanziert gegenüber

Die Landeselterninitiative für Bildung sieht nicht den sozialen und pädagogischen Gewinn, den das nur ein Jahr längere gemeinsame Lernen im fünften Grundschuljahr bringen soll. Sie sieht auch nicht, dass es für diese Änderung der Schulstruktur einen breiten gesellschaftlichen Konsens gäbe. Stattdessen fordert die Initiative die Landesregierung auf, alle Kräfte und Haushaltsmittel in erster Linie auf eine erhebliche Verbesserung der Qualität des Lernens an den Schulen zu konzentrieren.

22.06.2010 Pressemeldung Landeselterninitiative für Bildung e.V.

Statt für ein 5. Grundschuljahr die Schulen auf Monate und Jahre damit zu belasten, Lehrpläne umzuschreiben, Handlungsroutinen umzustellen, Lehrer zu versetzen und Schulgebäude umzubauen. Ein fünftes Grundschuljahr bewirke pädagogisch wenig und helfe nicht, die notorische Bildungsungerechtigkeit abzufedern; der Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum erwartbaren Erfolg. Stattdessen sei dringend eine innere Schulreform an allen Schulen nötig

  • mit kleineren Klassen
  • mehr Freiheit und Zeit für die Lehrerinnen und Lehrer
  • einem anderen Unterrichtsrhythmus
  • einer Differenzierung und Individualisierung des Lernens sowie
  • mit verbindlichen Förderkonzepten an allen Schulen
  • einschließlich entsprechender Fortbildung für Lehrer.

Zustimmung findet bei der gemeinnützigen Elterninitiative eine Änderung der Verfassung, wenn sie verbunden ist mit einer neuen Schulform im Sekundarbereich neben dem Gymnasium, in der ein (echtes) längeres gemeinsames Lernen verwirklicht wird. Die Differenzierung von Schulformen im Sekundarbereich dürfe nicht dazu führen, dass eine als die schlechtere Wahl oder als Selektion empfunden wird oder dass die Differenzierung zu einer Art Auslese führt. Als Vorbild für eine neue Schulform sehen wir das Konzept des Schengen-Lyzeums.

Mit einem öffentlichen Bildungsforum zum Saarländischen Schulpreis nach den Sommerferien am 7. September 2010, 19 Uhr, im Saarbrücker Ludwigsgymnasium, will die Landeselterninitiative zusammen mit der Stiftung Demokratie Saarland das Thema aufgreifen. Unter dem Titel "Für gelingende Schulen! Mit einem 5. Grundschuljahr?" diskutieren in einem "pädagogischen Streitgespräch" Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne) und der Pädagogikprofessor Dr. Ulrich Herrmann, moderiert von Norbert Klein, Chefredakteur Fernsehen des Saarländischen Rundfunks. Es geht dabei um folgende Fragen: Welche Auswirkungen hat diese strukturelle Veränderung im Schulsystem? Schafft sie nur neue Probleme statt bessere Übergänge? Ist sie überhaupt geeignet, Übergangsentscheidungen sicherer zu machen, oder verschiebt sie diese lediglich um ein Jahr? Kann die notorische Bildungsbenachteiligung auf diese Weise gemildert werden? Welche Mittel und Kräfte würden dafür benötigt? Wären sie nicht besser direkt in die Qualität des Lernens investiert?


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