Ergebnisse des ersten landesweiten Lesetests hessischer Zweitklässlerinnen und Zweitklässler liegen vor – Erwartungen wurden übertroffen

Wenn Mädchen und Jungen zu Beginn ihrer Schulzeit gefragt werden, warum sie sich auf die Schule freuen, antworten sie oft, dass sie endlich lesen lernen wollen. Längst wissen die künftigen Schulkinder um die Bedeutung des Lesens. "Lesen weckt die Neugier, andere Welten zu entdecken, stärkt die Vorstellungskraft, ist ein Schlüssel zur Sprache, zum Denken und Lernen. Die Grundschule tut viel dafür, Kindern nicht nur das Rüstzeug zum Verstehen der Buchstaben und Worte, sondern auch die Freude am Lesen zu vermitteln. Nicht umsonst steht an hessischen Grundschulen Leseförderung mit an erster Stelle. Die Ergebnisse des Lesetests zeigen, dass wir in Hessen auf einem guten Weg sind", stellte Staatsminister Jürgen Banzer anlässlich der erfreulichen Ergebnisse des Lesetests fest.

12.06.2008 Hessen Pressemeldung Hessisches Kultusministerium

Erstmalig haben in allen hessischen Grundschulen die Jungen und Mädchen im zweiten Schuljahr im Zeitraum vom 5. bis 7. Mai 2008 an einem Lesetest teilgenommen. Mit diesem Test sollte die Lesefähigkeit der Schülerinnen und Schüler im Bereich des stillen, sinnerfassenden Lesens ermittelt werden.

Die Ergebnisse haben die Erwartungen übertroffen: Fast alle Schülerinnen und Schüler verfügen über die Fähigkeit, einen altersgemäßen Text selbstständig zu lesen, den Sinn und Zusammenhänge zu verstehen, und auf dieser Grundlage einfache Fragen zum Text zu beantworten. Im Durchschnitt wurden 90 Prozent der entsprechenden Aufgaben im Lesetest von den Schülerinnen und Schüler richtig gelöst. Darüber hinaus gelingt es sogar schon vielen Kindern, sich selbst Gedanken zum gelesenen Text zu machen, komplexe Schlussfolgerungen zu ziehen oder einfache Probleme zu lösen. Hier stellen die Schülerinnen und Schüler unter Beweis, dass sie bereits in der Lage sind, differenzierte sprachliche Leistungen auf hohem Niveau zu erzielen. 76,3 Prozent der schwierigeren Fragen zum Text wurden im Durchschnitt von den Kindern selbstständig gelöst. Die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund weichen zwar vom Gesamtergebnis etwas ab, trotzdem wurden auch hier die Zielsetzungen in den einzelnen Aufgabenbereichen erreicht. "Die Resultate verdeutlichen, mit welchem Engagement sich die Lehrkräfte in den Grundschulen mit der Leseförderung auseinandergesetzt haben – die Arbeit war erfolgreich", erläuterte Jürgen Banzer die Erkenntnisse des Lesetests.

Die Fähigkeit, selbst Texte zu lesen und zu verstehen beeinflusst alle Bereiche des Lebens und ist auch in der Schule wichtig und notwendig für das erfolgreiche Lernen in allen Unterrichtsfächern. Um die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler zu steigern, werden in hessischen Grundschulen seit drei Jahren besondere Anstrengungen unternommen. Der Leseunterricht wird vorrangig im Anfangsunterricht noch individueller und nachhaltiger gestaltet. Dass die Maßnahmen der Grundschulen gegriffen haben, zeigen die höchst erfreulichen Ergebnisse.

Der Lesetest bietet zu einem frühen Zeitpunkt einen optimalen Orientierungsrahmen, um das Können der Kinder besser einzuschätzen und den Erfolg des Leseunterrichts insgesamt zu reflektieren. Entscheidungen für die weitere Leseförderung sind leichter zu treffen. Staatsminister Jürgen Banzer betonte an dieser Stelle: "Die Erhebung ist kein Instrument der Auslese. Sie hilft, ergänzend zu anderen Lernbeobachtungen oder Tests, Leseleistungen genauer zu bestimmen." Die Ergebnisse werden anonym, d.h. ohne Nennung der Namen der Schülerinnen und Schüler, an das Hessische Kultusministerium weitergeleitet, hessenweit erfasst, ausgewertet und zurückgemeldet. Ein Ranking erfolgt nicht.

Der Erfolg beim diesjährigen Lesetest gibt Motivation und Ansporn für eine zielgerichtete Fortsetzung der Arbeit in den nächsten Jahren. Über die Vermittlung der Lesefertigkeit und die individuelle Förderung der Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler hinaus unterstützen die hessischen Lehrkräfte durch viele unterrichtliche und außerunterrichtliche Aktionen die Freude am Lesen und bahnen eine stabile Lesemotivation an.

Aber auch Eltern nehmen im Leselernprozess eine bedeutende Rolle ein. Dies wird in der Broschüre "Macht Lesen Spaß? Lesen macht Spaß!" des Hessischen Kultusministeriums deutlich, die sich an Eltern zukünftiger Erstklässlerinnen und Erstklässler richtet. Sie macht auf die Bedeutung des Lesenlernens aufmerksam, ermöglicht Einblick in den Leselernprozess der Kinder und zeigt Eltern, wie sie ihre Kinder dabei begleiten und unterstützen können. So erhalten die jungen hessischen Schülerinnen und Schüler die besten Voraussetzungen, in ihrem weiteren Lernprozess auf eine gesicherte Schlüsselqualifikation zurückgreifen zu können.

Im nächsten Schuljahr kann der Fokus vor allem darauf gerichtet werden, die Lesekompetenzen der Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der Grundschulzeit weiter intensiv zu begleiten und eine nachhaltige Lesemotivation in allen Fächern zu sichern. Denn Lesen als Schlüsselqualifikation spielt zu jeder Zeit in allen Bereichen des Lernens und Lebens eine wichtige Rolle.

Die Gesamtergebnisse und Aufgaben des Lesetests werden auf der Homepage des Hessischen Kultusministeriums (www.kultusministerium.hessen.de, Schule > Grundschule > Förderung > Leseförderung) in Form eines Gesamtberichtes veröffentlicht.

Hintergrund:
Mit der internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU im Jahre 2001 wurde deutlich, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler am Ende der Grundschulzeit sinnerfassend altersgemäße Texte lesen konnten. Die Ergebnisse führten zu der Frage, ob zumindest ein Teil der Schülerinnen und Schüler bereits zu Beginn des Schriftspracherwerbs Schwierigkeiten beim Lesen habe. Hessen ergriff daraufhin die Initiative und forcierte eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Lesenlernen im ersten und zweiten Schuljahr, damit alle Schülerinnen und Schüler am Ende des zweiten Schuljahres altersgemäße Texte sinnerfassend lesen können.


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