Erste Bilanz der Hamburger Schulinspektion: 70 Prozent der Schülerschaft, 80 Prozent der Elternschaft sind mit ihren Schulen zufrieden
Mit den Herbstferien endet die erste Arbeitsphase der Hamburger Schulinspektion. Seit der Aufnahme ihrer Tätigkeit im Februar 2007 haben die vier Inspektionsteams insgesamt 30 Schulen besucht, davon zehn Grundschulen, neun Grund-, Haupt- und Realschulen, vier Gymnasien, drei Gesamtschulen, drei Berufsschulen und eine Förderschule.
30.10.2007 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)Im Zentrum der Beurteilung stehen die 14 Qualitätsbereiche des Hamburger Orientierungsrahmens für Schulqualität. Dieser legt fest, was in Hamburg gute Schule ausmacht. Neben dem Kernbereich des "Unterrichtens, Lernens und Erziehens" spielen dabei Bereiche wie "Führung wahrnehmen", "Die Schulgemeinschaft beteiligen" oder "Zufriedenheit aller Beteiligten" eine wichtige Rolle.
Bei den Ergebnissen zeichnen sich über alle Schulen hinweg erste Trends ab: So zeigen die Mehrheit der inspizierten Schulen in den Bereichen "Führung wahrnehmen" und "Organisatorische Rahmenbedingungen sichern" Stärken. Entwicklungsbedarf gibt es beispielsweise in den Qualitätsbereichen "Prozesse und Ergebnisse evaluieren" und "Leistungen beurteilen" bei fast allen Schulen. Diese Ergebnisse haben allerdings keinen repräsentativen Charakter für ganz Hamburg, da in der ersten Arbeitsphase ausschließlich Schulen inspiziert wurden, die sich freiwillig gemeldet hatten. Für nächstes Jahr ist die Veröffentlichung eines repräsentativen Jahresberichts geplant.
Die Bewertungen werden für jede Schule von den einzelnen Inspektionsteams festgelegt. Diese sind jeweils aus zwei hauptamtlichen Schulinspektoren und einem Schulformexperten zusammengesetzt. Für die beruflichen Schulen ergänzt zusätzlich ein Wirtschaftsvertreter das Team. Jede Inspektion erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa drei Monaten. Sie beginnt mit einer Vorbereitungsphase, in der die Schule eine Online-Befragung ihrer Schüler, Eltern und Lehrer durchführt und den Inspektoren zentrale Schuldokumente zur Analyse zur Verfügung steht. Den Kern der Inspektion bildet ein - je nach Größe der Schule – zwei- oder dreitägiger Schulbesuch, während dessen die Inspektoren vormittags Unterrichtsstunden besuchen und nachmittags Interviews mit der Schulleitung, den Eltern, den Schülern, den Lehrern und dem nicht-pädagogischen Person führen.
Daran schließt sich eine Auswertungs- und Rückmeldungsphase an, in der die Inspektoren den Inspektionsbericht verfassen und abschließend der Schulöffentlichkeit vorstellen. Weitere Details zum Ablauf der Inspektionen finden sich unter www.schulinspektion.hamburg.de. Die Beurteilung des Unterrichts erfolgt anhand eines Unterrichtsbeobachtungsbogens mit 30 Einzelkriterien. Im Durchschnitt wiesen die bislang inspizierten Schulen hierbei deutliche Stärken in den Aspekten Klassenmanagement und Klassenklima auf. Entwicklungsbedarfe zeigte sich bei den Kriterien Binnendifferenzierung, individuelle Förderung und Motivierung der Schülerinnen und Schüler.
Wertvolle Angaben über die Zufriedenheit der einzelnen Beteiligtengruppen mit der schulischen Arbeit liefern die Ergebnisse der Online-Befragung. Rechnet man alle Ergebnisse der bislang inspizierten Schulen zusammen, ergibt sich auch hier ein erfreulich positives Bild: So sagen rund 70 % der Schülerinnen und Schüler, dass sie gerne an ihre Schule gehen. Diese Sicht wird von den Eltern bestätigt: Ca. 80 % der Eltern sind grundsätzlich zufrieden mit der Schule ihres Kindes. Ebenso viele würde die Schule ihres Kindes weiterempfehlen. Mehr als 90 % der Lehrerinnen und Lehrer arbeiten gerne an ihrer Schule. Rund 85 % von ihnen würden sich noch einmal dafür entscheiden, den Lehrberuf zu ergreifen.
Die Schulinspektion evaluiert nicht nur Schulen, sondern lässt ihre Arbeit auch umgekehrt von den Schulen evaluieren: Erste Auswertungen der Rückmeldungen zeigen, dass nahezu alle inspizierten Schulen die Schulinspektion als bereichernd empfunden haben. Alle Schulen finden sich in der Beurteilung durch die Schulinspektion im Wesentlichen getroffen. Mehr als 85% der Schulen ge- ben an, dass die Schulinspektion ihnen wichtige Impulse für die weitere Entwicklung geliefert hätte. Die Zusammenarbeit mit dem Inspektionsteam wird ebenfalls von allen Schulen als gut oder sehr gut beschrieben. Eine Beeinträchtigung des Unterrichts hat es nach Meinung von 85 % der Schulen kaum gegeben.
"Wir bekommen von allen Seiten Hinweise, dass die Arbeit der Schulinspektion insgesamt auf große Akzeptanz stößt", so Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig. "Besonders ermutigend ist die hohe Zufriedenheitsquote unter Schüler- wie Elternschaft mit ihren Schulen. Das ist eine gute Grundlage, um die von der Schulinspektion herausgearbeiteten Schwächen einzelner Schulen in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Schulaufsicht und Landesinstitut für Schulent wicklung zu bearbeiten und zu beseitigen."
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Eröffnungsphase steht mit Beginn des nächsten Jahres der nächste Schritt an: die Ausdehnung der Inspektionsarbeit auf Schulen, die sich nicht freiwillig gemeldet haben. Auch wenn freiwillige Meldungen nach wie vor möglich sein sollen, kann vom 1. Januar 2008 im Prinzip jede Hamburger Schule inspiziert werden. Die Vorankündigung erfolgt dabei in jedem Fall acht Wochen vor dem Schulbesuch. Insgesamt sollen im Jahr 2008 rund 100 Schulen inspiziert werden.
Ein wichtiges Arbeitsfeld für das nächste Jahr ist laut Inspektionsleiterin Inke Hase der Prozess, mit dem sichergestellt werden kann, dass die Schulen die Inspektionsergebnisse in konkrete Verbesserungsmaßnahmen umsetzen können. Schulen, die sich nach einer Inspektion an das Landesinstitut (LI) wenden, erhalten zeitnah eine passgenaue Qualifizierung und Beratung für ihre Entwicklungsprozesse, so LI-Direktor Peter Daschner. Das Landesinstitut vermittelt den Schulen für ihre schulinterne Beratung und Fortbildung externe und interne Experten, die sie bei der Planung und Durchführung von Qualifizierungsmaßnahmen unterstützen. Das LI weitet sein Fortbildungs- und Beratungsangebot in den Bereichen aus, in denen sich aufgrund des Inspektionsberichts verstärkt Entwicklungsbedarfe in den Schulen zeigen. Dazu gehören zurzeit die Themen schulinterne Evaluation und Steuerung von Prozessen und aus dem Bereich der Unterrichtsentwicklung die Themen Umgang mit Heterogenität, Binnendifferenzierung und individuelle Förderung sowie Förderung des selbstverantwortlichen Lernens.
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