Studie

Föderalismus nicht Grund für mangelnde Vergleichbarkeit von Schulnoten

Eine Studie der Universität Tübingen und des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) untersucht Schulnoten - eine mangelnde Vergleichbarkeit ist nicht durch Unterschiede zwischen Bundesländern, sondern innerhalb von Bundesländern zu erklären.

27.02.2024 Bundesweit Pressemeldung Eberhard Karls Universität Tübingen
  • Eine Lehrerin steht in einem Klassenzimmer. © 2015 wavebreakmedia/Shutterstock

Wenn in Deutschland Schülerinnen und Schüler mit vergleichbaren Kompetenzen stark voneinander abweichende Schulnoten erhalten, können Unterschiede zwischen Bundesländern nur drei Prozent dieser Abweichung erklären. Unterschiede innerhalb einzelner Bundesländer sind dagegen viel wichtiger zur Erklärung ungleicher Benotung bei gleicher Kompetenz. Eine einheitliche nationale Bildungspolitik würde deshalb vermutlich kaum zu einer besseren Vergleichbarkeit von Schulnoten beitragen.

Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen und des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in dem Fachjournal Zeitschrift für Erziehungswissenschaft veröffentlicht wurde.

Gründe für die ungleiche Benotung werden bereits seit langem wissenschaftlich diskutiert. „Unsere Studie erweitert diese Diskussionen, indem sie drei Ebenen des Bildungssystems untersucht: Unterschiede zwischen Bundesländern, Unterschiede zwischen Schulen innerhalb der einzelnen Bundesländer und Unterschiede innerhalb von Schulen“, sagt Juniorprofessor Nicolas Hübner, Erstautor der Studie.

Für ihre Analyse werteten die Bildungsforschenden die Daten von rund 55.000 Schülerinnen und Schülern der neunten Jahrgangsstufe in Deutschland aus. Neben den Schulnoten nutzten sie dabei Prüfungsergebnisse aus den IQB-Bildungstrend-Studien der Jahre 2015 und 2018, die durch schriftliche standardisierte Tests gewonnen wurden und Kompetenzunterschiede von Schülerinnen und Schüler dokumentieren. Unter „Kompetenz“ werden in der Bildungsforschung dabei häufig Fähigkeiten und Fertigkeiten von Schülerinnen und Schülern verstanden, die notwendig sind, um beispielsweise Texte zu verstehen und mathematische Aufgaben zu lösen. Diese Ergebnisse aus standardisierten Tests verglichen sie mit den tatsächlichen Schulnoten und kamen zum Ergebnis, dass sich 21 Prozent der Unterschiede bei Schulnoten durch solche Kompetenzunterschiede erklären lassen.

Der größte Teil der übrigen Unterschiede in der Benotung aber, insgesamt 85 Prozent, lassen sich auf Unterschiede innerhalb von Schulen zurückführen. Hierbei könnte es sich beispielsweise um mündliche Leistungsunterschiede von Schülerinnen und Schülern handeln oder um andere individuelle Merkmale wie die Motivation oder Gewissenhaftigkeit. Unterschiede zwischen Schulen innerhalb der einzelnen Bundesländer (zum Beispiel durch unterschiedliche durchschnittliche Leistungsniveaus oder unterschiedliche Benotungspraxen) erklärten weitere zwölf Prozent. Unterschiede zwischen Bundesländern (zum Beispiel Unterschiede in rechtlichen Regelungen) leisteten schließlich mit drei Prozent den kleinsten Beitrag zur Erklärung der mangelnden Vergleichbarkeit von Schulnoten.

„In der öffentlichen Debatte wird das Thema der eingeschränkten Vergleichbarkeit von Schulnoten häufig ausschließlich vor dem Hintergrund struktureller Bundeslandunterschiede diskutiert“, erklärt Hübner. „Unsere Studie legt nahe, dass Unterschiede innerhalb von Schulen und zwischen Schulen innerhalb der Bundesländer deutlich relevanter zu sein scheinen.“ Eine Fokussierung auf Bundeslandunterschiede bei Diskussionen um die Vergleichbarkeit von Schulnoten laufe Gefahr, weitaus wichtigere Faktoren zu vernachlässigen.


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden