Freibrief für die Kommunen: Inklusion zum Nulltarif!
Als ungeheuerlichen Vorfall wertet der nordrhein-westfälische Philologen-Verband ein Schreiben an die Kommunen, in dem bei der Umsetzung von Inklusion die Missachtung erforderlicher Rahmenbedingungen legitimiert wird.
27.11.2014 Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)In einem Schreiben der Bezirksregierung Köln an alle Schulträger geht es grundsätzlich um die "Zustimmung zum Gemeinsamen Lernen an Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen, Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen und Berufskollegs" in den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung. Der Passus § 20 (5) im Schulgesetz bindet das Gemeinsame Lernen ausdrücklich an die personelle und sächliche Ausstattung der Schule. Nun teilt die Bezirksregierung vor ca. einer Woche den Kommunen mit: " Bei diesen Förderbedarfen ist in der Regel eine zusätzliche sächliche oder personelle Ausstattung nicht vonnöten."
"Mit dieser Aufforderung zum Blanko-Scheck wird jede pädagogische Verantwortung missachtet. Es ist unerträglich, zur Verwaltungsvereinfachung sächliche und personelle Ausstattungserfordernisse vom Tisch zu wischen. Unsere Kolleginnen und Kollegen klagen heftig darüber, dass sie bei der Inklusion alleine gelassen werden: völlig unzureichende Vorbereitung und Fortbildung, keine Begrenzung der Größe von Inklusionsklassen und fehlende personelle Doppelbesetzung", so Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes NW.
Es ist unverantwortlich, bereits im nächsten Jahr das "Stellenbudget" für die oben genannten Förderschwerpunkte um 180 Stellen wegen des allgemeinen Schülerrückgangs abzusenken. Statt wie in den letzten Jahren ca. 560 Neueinstellungen von Förderschullehrkräften vorzunehmen, sinkt diese Zahl im nächsten Jahr auf die Hälfte. "Mit diesem Kurs wird schulische Inklusion vor die Wand gefahren. Betroffen sind nicht nur viele engagierte Lehrkräfte, Leidtragende sind vor allem die Schülerinnen und Schüler."
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