"Freistaat muss mehr für Lehrergesundheit tun"
Ein bislang einzigartiges Programm zur Lehrergesundheit haben heute vier bayerische Lehrerverbände im Klinikum rechts der Isar der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Besondere an diesem neuen Angebot: Es wurde auf die Bedürfnisse von Lehrkräften von der TU München maßgeschneidert und beinhaltet die Möglichkeit, webbasierte, individuelle Elemente mit persönlicher Beratung und Betreuung zu verbinden.
19.04.2010 Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl) Max Schmidt sagte bei der heutigen Pressekonferenz zur Präsentation des Programms in München: "Die berufliche und damit die gesundheitliche Beanspruchung von Lehrkräften hat an allen Schularten während der vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen – und ein wirkliches Ende ist nicht abzusehen. Nach langen Verhandlungen um Initiativen unsres Dienstherrn haben vier bayerische Lehrerverbände, unterstützt von der TU München und zwei starken Versicherern, die Sache nun selbst in die Hand genommen. Denn wirksame staatliche Maßnahmen gegen die auf lange Sicht krank machende Überlastung existieren immer noch nicht oder nur in sehr geringem Umfang." – Und das, obwohl laut Gesundheitsförderungsbericht 2008 des Bundesministeriums des Inneren die Gesundheitsförderung eigentlich Bestandteil jeder modernen Behörden- und Verwaltungskultur und entsprechend vorrangiges Leitziel sein müsste.
Position der Politik: ´Der Geist ist willig, aber die Finanzen sind schwach"
Dabei hatte es in der ersten Hälfte des Jahrzehnts noch so ausgesehen, als stehe der Freistaat in Sachen Gesundheitsförderung für Lehrkräfte vor einem entscheidenden Durchbruch: Unter dem Eindruck hoher Frühpensionierungszahlen bei Lehrkräften (im Jahr 2000 deutschlandweit 64 Prozent) hatte sich der Landtag des Themas ernsthaft angenommen, Arbeitsgruppen aus Vertretern der Ärzte-, der Lehrerschaft und des Kultusministeriums tagten seit 2002, verfassten Empfehlungen und legten Berichte vor, Modellversuche zur ´Lehrergesundheit und Berufszufriedenheit´ starteten in drei bayerischen Bezirken und zeitigten gute Erfolge. Von diesen Initiativen ist allerdings kaum mehr als die unlängst erfolgte Verlängerung der Altersteilzeit übrig geblieben. "Die Möglichkeit zur Altersteilzeit ist für ältere Lehrkräfte ein Segen; im Hinblick auf die Lehrergesundheit spielt sie eine ganz wichtige Rolle. Doch gerade Kollegen in jungen und mittleren Jahren müssen in beruflichen Gesundheitsfragen immer noch weitgehend ohne staatliche Unterstützung auskommen", bedauerte der abl-Präsident. Die derzeitige Haltung des Dienstherrn zu dieser Thematik könne man in den Worten zusammenfassen: "Der Geist ist willig, aber die Finanzen sind schwach."
abl-Forderung: Rechtsanspruch auf Teilzeit aus gesundheitlichen Gründen
In Analogie zur Altersteilzeit wünschen sich Bayerns Lehrer eine gesetzliche Grundlage für die Gewährung von Teilzeit aus gesundheitlichen Gründen. Zur Begründung sagte abl-Präsident Schmidt: "Während der Geltungsdauer der Altersteilzeitregelung hat die Zahl der Frühpensionierungen ganz deutlich abgenommen. Diese positive Entwicklung ließe sich durch die Neuschaffung einer Teilzeit aus gesundheitlichen Gründen verstärken." Sie könnte gesundheitlich angeschlagenen Lehrkräften die Möglichkeit zu einer spürbaren Entlastung und einer neuen beruflichen Perspektive geben. Die Teilzeitbeschäftigung sollte aufgrund eines ärztlichen Gutachtens unabhängig vom Alter bewilligt werden; durchaus auch zeitlich befristet. Die vier Berufsverbände der Lehrerschaft sind überzeugt, dass diese Maßnahme die Dienstfähigkeit zahlreicher Lehrkräfte erhalten und den Dienstherren langfristig billiger kommen würde als die Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand. In den Schulen würde sie vermeiden helfen, dass angeschlagene Lehrkräfte auf Vollzeit bleiben, aber dann aus gesundheitlichen Gründen immer wieder über Wochen ausfallen, was Unterrichtsausfälle oder Mehrarbeit für das übrige Kollegium verursacht.
Schulische Gesundheitsbeauftragte: geringer Aufwand, hoher Nutzen
Schmidt bekräftigte darüber hinaus den Wunsch der Lehrerverbände nach einem Gesundheitsbeauftragten für jede bayerische Schule: "Fachlich geschulte Gesundheitsbeauftragte können aus ihrer genauen Kenntnis der Verhältnisse an der Einzelschule bereits präventiv aktiv werden, als kompetente Ansprechpartner individuelle Tipps zur Gesundheitsfürsorge geben, schulinterne Fortbildungen veranstalten und als Bindeglieder zu übergeordneten Stellen fungieren." Bereits mit wenigen Anrechnungsstunden pro Schule und damit einem sehr überschaubaren finanziellen Einsatz für die Staatskasse ließe sich so viel für die Verbesserung der Lehrergesundheit gewinnen, warb der amtierende abl-Präsident für diese Idee.
Der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Lehrerverbände (abl) gehören der Bayerische Philologenverband (bpv), der Bayerische Realschullehrerverband (BRLV), die Katholische Erziehergemeinschaft in Bayern (KEG) und der Verband der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern (VLB) an. Die in der abl zusammengeschlossenen Verbände vertreten die Interessen von Lehrkräften an allen Schularten.
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