Debatte

Ganztagsschule und flexible Betreuung ergänzen sich gegenseitig

Baden-Württemberg hat mit der seit 2014 im Schulgesetz verankerten Ganztagsgrundschule eine wichtige Säule im Gesamtkonzept von Ganztag und Betreuung geschaffen. Allerdings wurde die Einführung im Jahr 2014 durch unrealistische Ziele begleitet.

30.09.2020 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
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Die grüne-rote Vorgängerregierung hat sich das Ziel gesetzt, dass sich bis zum Jahr 2023 etwa 70 Prozent aller Grundschulen und der Grundstufen von Förderschulen zu Ganztagsschulen nach § 4 a Schulgesetz weiterentwickelt haben. Die Zahl der Neueinrichtungen blieb in der Folgezeit dann weit hinter diesen Erwartungen zurück; im aktuellen Schuljahr sind es gerade einmal 20 Prozent. „Statt gemeinsam mit den Kommunen und den Eltern im Land Ganztag und Betreuung entlang der Nachfrage und den tatsächlichen Bedürfnissen weiterzuentwickeln, wurde der Bedarf vor Ort oft ignoriert und am grünen Tisch fernab der Realität geplant. Ein Fehler, den wir in dieser Legislatur korrigiert haben“, sagt Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann.

Wie im Koalitionsvertrag zwischen Bündnis 90/Die Grünen und der CDU in Baden-Württemberg vereinbart, hat das Kultusministerium in den Jahren 2016 und 2017 zwei Ganztagsgipfel veranstaltet, auf denen mit rund 700 Beteiligten (Schulen, Kommunen, Eltern, Verbände) die künftige Ausgestaltung der Ganztags- und Betreuungslandschaft im Land intensiv beraten wurde. Dabei sowie in zahlreichen Gesprächen, auch jenseits der beiden Großveranstaltungen, wurde deutlich, dass Ganztagsschule und kommunale flexible Betreuung sich gegenseitig ergänzen und gleichwertig nebeneinander bestehen sollen. „Die rhythmisierte Ganztagsschule und flexible kommunale Betreuung haben unterschiedliche Schwerpunktsetzungen und stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Sie ergänzen sich gegenseitig und bilden gemeinsam ein rundes Gesamtangebot für Eltern. Wir bieten den Familien Wahlfreiheit, wie wir es im Koalitionsvertrag versprochen haben“, sagte Eisenmann. Das Land habe einen tragfähigen Konsens gefunden und die damit in Teilen ideologisch aufgeladene Diskussion um die Ganztagsschule im Land befriedet. Für die Ausweitung seiner freiwilligen Förderung hat das Land die Bezuschussung von kommunalen Betreuungsangeboten im Jahr 2020 um vier Millionen Euro auf rund 81 Millionen Euro und im Jahr 2021 um weitere acht Millionen Euro auf dann rund 89 Millionen Euro erhöht. Damit stehen zwölf Millionen Euro jährlich zusätzlich zur Bezuschussung von flexiblen kommunalen Betreuungsangeboten für Schülerinnen und Schüler im Grundschulalter zur Verfügung.

Derzeit besuchen knapp 240.000 Schülerinnen und Schüler (57 Prozent) im Grundschulalter ein solches kommunales Betreuungsangebot. „Nicht nur angesichts dieser Quantitäten, auch und gerade mit Blick auf ihren hohen qualitativen Anspruch ist es für uns unabdingbar, dass Betreuungsangebote, die in Baden-Württemberg traditionell unter der bewährten Aufsicht der Schulträger stehen, bei der vom Bund mit den Ländern angestrebten Verwaltungsvereinbarung angemessen einbezogen werden“, erklärte die Ministerin. Ganztagsschule und kommunale Betreuung seien absolut gleichwertig. Auch bei der Qualität stehe das kommunale Betreuungsangebot den Ganztagsschulen in nichts nach. „Wir sind deshalb auch offen für Gespräche mit dem Bund über Qualitätskriterien der Ganztags- und Betreuungsangebote“, betont Eisenmann.

Auch stünden und stehen nicht nur unrealistische Ziele dem Ausbau der Ganztagschule im Land im Weg. Die am häufigsten geäußerte und zugleich deutlichste Kritik am Ganztagskonzept sei die viel zu komplizierte Ausgestaltung. „Schulleiterinnen und Schulleiter beklagen sich über die Komplexität des Antrags- und Bewilligungsverfahren“, so die Ministerin und fügt an: „Wir möchten das bisherige Verfahren deshalb gerne auf eine Pro-Kopf-Bezuschussung umstellen. Damit werden wir bei uns, aber auch auf Seiten der Kommunen und der freien Träger, Verwaltungsabläufe vereinfachen und Bürokratie abbauen.“ Ein Pilotprojekt hierzu unter Beteiligung von zehn Städten und Gemeinden sei sehr erfolgreich gelaufen, weshalb das Pilotprojekt nun ausgeweitet wurde, um in anderen Regionen weitere Anreize zu schaffen, eine Ganztagsschule einzurichten.


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