"Gesamtschulpläne zweier bayerischer Gemeinden nicht zielführend"
"Hauptsache eine Alternative, die Qualität ist unwichtig! Dieses Politikverständnis sollte man in der Bildungspolitik längst hinter sich gelassen haben", meint Anton Huber, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes, vor allem im Interesse der Kinder und Jugendlichen.
26.11.2010 Pressemeldung Verband Reale Bildung"In Denkendorf und Kipfenberg scheint es darum zu gehen, koste es, was es wolle, eine Alternative zum sehr erfolgreichen bayerischen Schulwesen zu präsentieren. Dort geht es einigen nicht um die Zukunftsfähigkeit unserer jungen Menschen, denn die dort vorgeschlagenen angeblichen Alternativen sind in anderen Bundesländern längst gescheitert und haben dort zu einem Kahlschlag in der Bildungsqualität geführt. Bayerische Bürgermeister können doch nicht ernsthaft anstreben, die Kinder ihrer Gemeinden zu Versuchskaninchen zu machen, wohl wissend, dass diese Kinder deutlich schlechter ausgebildet werden und das zu erheblich höheren Kosten." Natürlich könne man sich damit Gehör verschaffen und sich damit medienwirksam profilieren. Aber der Preis dafür sei, laut Huber, viel zu hoch. Denn alle, die die Gemeinschaftsschulpläne verfolgen, tragen ihre politische Profilierung auf dem Rücken der Kinder aus und können, auch wenn man dafür so genannte Bildungsexperten präsentiert, nicht gut durchdacht sein, weil man nur in jene Bundesländer schauen muss, in denen diese aktiv waren. Dort ist das Bildungswesen für Jahrzehnte gelähmt und Steuergelder werden für unsinnige Umstrukturierungen vergeudet. Bei den Schülern kommt nur eines an: Schlechtere Förderung."
Zwar findet Huber es verständlich, dass die Bevölkerung in Gemeinden wie Denkendorf und Kipfenberg sich Gedanken macht, wie Schule unter den örtlichen Gegebenheiten sinnvoll gestaltet werden kann, aber wenn die Chancen auf gute Bildung sich dadurch für alle verschlechtern, dann stimme etwas nicht.
Im Gegensatz zur ´Alternative um der Alternative willen´ habe das gegliederte bayerische Schulwesen keinen Selbstzweck zu erfüllen, betont der Verbandsvorsitzende Huber, es ist alternativlos. Das vielgliedrige Schulwesen ist das richtige Modell – für ganz Bayern, stellt er unmissverständlich klar. Die Menschen sollten sich nicht von Polit-Taktikern, die das Blaue vom Himmel versprechen, missbrauchen lassen. Sie nützten die Sehnsucht der Menschen nach einer einfachen Lösung für alle Probleme aus. Huber: "Bayern braucht keine Druiden, sondern Politiker, die Realitäten erkennen. Die ´perfekte Schule´, in der alle Schüler das gleiche Niveau haben, ist – wie das kleine gallische Dorf, das den Römern trotzt – eine Utopie. Schüler sind nicht alle gleich, sie brauchen möglichst differenzierte Angebote, um ihre Talente zu entfalten."
Wie die Bevölkerung in Denkendorf und Kipfenberg erkannt hätten, gehe es in der Tat nicht um eine Parteiendiskussion, sondern um das Wohl der Schülerinnen und Schüler, und das liege, betont Huber, bestimmt nicht in der sozialromantischen Idee einer Schule von Gleichen. "Regierende und Oppositionspolitiker sollten Fortschritt nicht mit Struktur-veränderungsaktionismus verwechseln, und sich dann auch noch einbilden, sie seien damit besonders innovativ."
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