Nordrhein-Westfalen

GEW fordert Inklusionsbeirat und mehr Ressourcen

Die GEW hält den schrittweisen Ausbau integrativer Schulangebote grundsätzlich für den richtigen Weg, ein inklusives Schulsystem in NRW zu verwirklichen. Das gemeinsame Lernen soll durch den Ausbau des Gemeinsamen Unterrichts in Grundschulen und durch integrative Lerngruppen in der Sekundarstufe I an Schwerpunktschulen mit Bedacht und Sorgfalt ausgeweitet werden. Die Bildungsgewerkschaft hält eine durchgehende Doppelbesetzung mit zwei Lehrkräften, davon eine Förderschullehrkraft, in diesen Klassen für unbedingt erforderlich. Nur so können die Kinder erfolgreich lernen und die Lehrer angemessen fördern.

19.06.2012 Pressemeldung GEW Nordrhein-Westfalen

"Die Ressourcenfrage ist der Dreh- und Angelpunkt für ein erfolgreiches Gelingen dieser bedeutenden Aufgabe. Die Schulen, die sich auf den schwierigen Weg der Inklusion machen, brauchen Klarheit und Sicherheit", forderte heute GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer in einer ersten Reaktion auf den heute in Düsseldorf vorgestellten rot-grünen Inklusionsplan der Schulexpertinnen aus dem Landtag Renate Hendricks (SPD) und Sigrid Beer (Grüne).

Die GEW erwarte von der Landesregierung verbindliche Rahmenbedingungen für den schulischen Inklusionsprozess. Es fehlten nicht nur präzise Aussagen zu den erforderlichen personellen, sächlichen und räumlichen Standards, sondern auch konkrete Vorgaben, wie die sonderpädagogische Förderung in den allgemeinbildenden Schulen tatsächlich zu organisieren sei. Die GEW setze sich dafür ein, so die Landesvorsitzende, die Klassengröße integrativ arbeitender Klassen auf 20 Kinder zu beschränken bei maximal 5 Schüler/Schülerinnen mit sonderpädagogischen Förderbedarf und durchgehender Doppelbesetzung mit einer Regel- und einer Förderschullehrkraft.

Da sich der Prozess mindestens über 10 Jahre hinziehe, sei eine langfristige Planung und umsichtige Steuerung erforderlich. "Die Ziele müssen klar definiert werden. Wir brauchen nicht nur den lange angekündigten Inklusionsplan", verlangte Schäfer, "sondern auch einen Inklusionsbeirat, landesweit und in den Kommunen, nicht nur mit Vertretern der Verwaltung, sondern auch der Eltern und Beschäftigten." Für dringend erforderlich halte die GEW zudem eine vorlaufende Qualifizierungsoffensive für die Lehrkräfte unter Anrechnung auf die Unterrichtszeit. "In den Lehrerkollegien herrscht große Unsicherheit, die Kolleginnen und Kollegen fühlen sich für diese gewaltige Aufgabe nicht gewappnet", unterstrich die GEW-Vorsitzende. Außerdem fehle es an einer langfristigen Koordination des immensen Fortbildungsbedarfs.

Ein ganz besonderes Problem stellt nach Einschätzung der GEW der zusätzliche Bedarf an ausgebildeten Sonderpädagogen dar. Schäfer: "Uns fehlen jede Menge ausgebildete Förderschullehrer, aber ein enorm hoher Numerus Clausus hält die jungen Leute vom Studium ab." Die Hochschulen müssten dringend zusätzliche Studierende des Lehramtes Sonderpädagogik ausbilden und dafür Kapazitäten schaffen.


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