GEW unterstützt Schulprojekt für bessere Bildungschancen
Emre, Hatice und Kai, drei Kinder aus der siebten Klasse, die eines verbindet: Über ihre Zukunft entscheidet ihre Herkunft. Und nur weil sie aus einem bildungsfernen Milieu stammen, sah diese Zukunft düster aus – bislang. Drei Gesamtschulen im Emscher-Raum wollen ihnen durch eine NRW-weit einmalige Kooperation den "SALTO-Sprung" aus der Bildungsarmut ermöglichen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft unterstützt die Schulen auf diesen Weg, und zwar vor allem durch Fortbildungsangebot für die Lehrkräfte der Projektschulen.
19.11.2012 Pressemeldung GEW Nordrhein-Westfalen"Für die GEW zeigt das Projekt SALTO in vorbildlicher Weise konkrete Schritte zur Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit", erklärt Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der GEW NRW und Kooperationspartnerin von SALTO. "Die Schaffung von mehr Bildungsgerechtigkeit", so Schäfer, "war schon immer eine Forderung der Gewerkschaften. Logisch, dass wir gerade das SALTO-Projekt unterstützen!"
Die Bezirksregierung Münster fördert das Projekt in besonderer Weise. "Für dieses Projekt - den "SALTO-Sprung" aus der Bildungsarmut - stellen wir erhebliche Ressourcen zur Verfügung. Aber diese Mittel wären nichts ohne das sichtbare Engagement der beteiligten Schulen", sagt Christian Ladleif, zuständiger Dezernent und Mitinitiator des Projekts. Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts liegt in den Händen von Frau Prof. Gabi Bellenberg von der Ruhr-Universität in Bochum.
Die Beziehung zwischen sozialer Lage, sozialen Chancen und Bildungserfolg spitzt sich immer mehr zu. In dem jüngst erschienenen Bildungsbericht Ruhr kommen Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass rund ein Drittel aller Schulneulinge besonders gefördert werden müssten. Vielen mangelt es an Sprachkompetenz. Kommen sie aus gebildeten Elternhäusern, betrifft dies nur 8 Prozent der Kinder. Stammen sie jedoch aus Familien mit geringer Bildung, haben 42 Prozent der Kinder Sprachprobleme.
Aus diesem Grund haben sich die Janusz-Korczak-Gesamtschule in Bottrop, die Rosa-Parks-Gesamtschule in Herten und die Gesamtschule Gelsenkirchen Ückendorf zusammengetan. Ab diesem Schuljahr drücken ihre Lehrer selbst wieder die Schulbank. Wie kann der Unterricht so gestaltet werden, dass jeder Schüler die Aufmerksamkeit bekommt, die er braucht? Wie können sozial benachteiligte Schüler gezielt und individuell gefördert und gleichzeitig leistungsstarke Schüler gefordert werden? Das wollen sie in hochkarätig besetzten Seminaren lernen.
Den Lernstoff vermitteln ihnen unter anderem die ehemaligen didaktischen Leiterinnen der Laborschule Bielefeld, Annemarie van der Groeben, und der Helene-Lange-Schule Wiesbaden, Ingrid Kaiser. Beide Schulen wurden bereits mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. Über die Seminare hinaus tauschen sich die Lehrer anschließend innerhalb jeder einzelnen Schule wie auch schulübergreifend über die praktische Umsetzung aus. "Wir wollen den Unterricht so verändern, dass jeder Schüler nach seinem Tempo und seinen Bedürfnissen lernen kann. So können auch Schüler mit vermeintlichen Defiziten gute Abschlüsse erzielen", sagt Schulleiter Ludger Müller von der Rosa-Parks-Gesamtschule. "Wir können hoch qualifizierte Fortbildungen in einem Ausmaß und einer Intensität wahrnehmen, wie es sonst nicht möglich wäre", freuen sich auch Felicitas Veitschegger und Sven Sörensen, didaktische Leiter in Bottrop bzw. Gelsenkirchen.
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