GEW zur Personalabbauplänen der Landesregierung: Mit Stellen wird auch Zukunft des Landes gestrichen

"Die von der Landesregierung in ihrem Stellenabbaukonzept geplanten Einstellungskorridore sind völlig unzureichend, um die Überalterung der Lehrerkollegien zu stoppen und Mangelbereiche angemessen zu versorgen.", sagte der Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Thomas Lippmann, zu den gestern vorgestellten Plänen der Landesregierung zum Personalabbau im öffentlichen Dienst Sachsen-Anhalts. "Mit den Stellen wird auch die Zukunft des Landes gestrichen", fasste Lippmann zusammen.

13.04.2007 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt

Obwohl in den letzten Jahren mehr als 10.000 Pädagogen aufgrund der sinkenden Schülerzahlen vorzeitig in den Ruhestand geschickt wurden und es deshalb derzeit kaum noch Lehrkräfte gibt, die älter als 60 Jahre sind, liegt der Altersdurchschnitt in den allgemein bildenden Schulen des Landes in diesem Schuljahr bereits bei über 47 Jahren.

Grund dafür ist die desaströse Situation bei den jungen Lehrkräften, die an den Schulen fast nicht mehr zu finden sind. Unter 25jährige Lehrkräfte gibt es schon wegen der langen Ausbildungsdauer gar nicht mehr. An den Sekundarschulen aber findet man z.B. nicht einmal mehr unter 30jährige Lehrkräfte. In diesem Schuljahr unterrichten gerade noch 800 Lehrkräfte (4,5%) an den 916 öffentlichen Schulen, die 35 Jahre oder jünger sind. Das ist statistisch nicht einmal an jeder Schule eine Lehrkraft. Mehr als 80% der Lehrkräfte sind älter als 40 Jahre.

"Aus Sicht der Schülerinnen und Schüler werden diese schon jetzt fast nur noch von Omas und Opas unterrichtet. Wir müssen uns klarmachen, welche Hypothek wir diesen Generationen Heranwachsender damit aufladen," so Lippmann zu den langfristigen Konsequenzen der rigiden Einstellungspolitik, die seit mehr als zehn Jahren betrieben wird. Er fügte die Frage hinzu, ob das durch einen "schuldenfreien Landeshaushalt" aufgewogen werde?

Mit der Fortsetzung dieser Politik, wie sie jetzt von der Landesregierung mit jährlich gerade einmal 80 Einstellungen angekündigt wurde, stiege der Altersdurchschnitt in den Lehrerzimmern trotz massiver Inanspruchnahme von Altersteilzeit bis 2011 auf ca. 50 Jahre. "So rücksichtslos und weltfremd kann man nicht sein und Kindern und Jugendlichen aber auch den Lehrerinnen und Lehrern so etwas ernsthaft antun wollen.", appelliert Lippmann an die "pädagogische Vernunft, über die auch ein Ministerpräsident und ein Finanzminister verfügen sollten".

Auch wenn die Anzahl der Lehrkräfte bis 2011 trotz geringer Einstellungen insgesamt noch ausreichen würde, um den erforderlichen Unterricht zu organisieren, gibt es bei so wenigen Einstellungen kaum Möglichkeiten, um auf bestehende Mangelsituationen zu reagieren. Diese entstehen – bzw. bestehen schon jetzt – in einzelnen Schulformen (Grund – und Förderschulen), in einzelnen Fächern (z.B. verschiedenen Sprachen, Ethik und Religion oder Kunst und Musik) bzw. in einzelnen Regionen (z.B. in der Altmark oder in den Harzkreisen).

An den Hochschulen des Landes würden weitere Stellenstreichungen in der von der Landesregierung geplanten Größenordnung unweigerlich zur weiteren Schließung ganzer Fachbereiche führen. Wissenschaftsabbau pur ist allerdings das Letzte, was sich ein Land wie Sachsen-Anhalt, das seine wirtschaftliche und demographische Entwicklung kaum auf andere Ressourcen und Potentiale stützen kann, leisten sollte.

Investitionen in die Zukunft eines Bildungslandes und einer Wissensgesellschaft sähen anders aus, als die gegenwärtigen Pläne der Landesregierung. "Das sind Pläne von Buchhaltern, nicht von Visionären",

"Wir fordern die Parlamentarier des Landes auf, korrigierend einzugreifen, wenn es gilt, die Konsequenzen dieser Politik umzusetzen", sagte Lippmann. Die statistischen Daten über die Alterstruktur der Lehrkräfte finden Sie in der Anlage bzw. können Sie als Exel-Datei abfordern.

Ansprechpartner

GEW Sachsen-Anhalt

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