Gymnasium und Realschule mit FOS/BOS: Zwei gleichberechtigte und gleichwertige Wege zur Allgemeinen Hochschulreife
"Von einer Bildungsmisere zu sprechen oder von mangelnder Bildungsgerechtigkeit, wenn Eltern ihre freie Entscheidung für eine bestimmte Schulart treffen, ist nicht nur gewagt, sondern nicht akzeptabel", merkt Anton Huber, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes (brlv), am Rande der Tagung "Gymnasium im ländlichen Raum" in Deggendorf zu den Forderungen an.
01.02.2013 Pressemeldung Verband Reale BildungGanz offensichtlich werde, so Huber, bei der Forderung von Direktorenverband und Lehrerverband des Gymnasiums nicht differenziert zwischen der Übertrittsquote (tatsächliche Übertritte) und der Übertrittsempfehlung (Grundschulempfehlung für den Besuch einer bestimmten Schulart). In Bayern erhalten aktuell ca. 50 % der Schüler, in ländlichen Regionen nur knapp darunter, die Empfehlung, für das Gymnasium geeignet zu sein, so auch im Rottal. Wenn die Eltern sich in ländlichen Regionen nicht für den Übertritt ihrer Kinder an ein Gymnasium entscheiden, sondern für den Besuch der Realschule, dann habe das gar nichts zu tun mit Bildungsgerechtigkeit. "Die Eltern haben in Bayern – Gott sei Dank - die Wahlmöglichkeit zwischen den Schularten und das soll auch so bleiben. Ein Kind, das für das Gymnasium geeignet ist, ist auch für die Realschule geeignet und wird dort in keiner Weise nachteilig gefördert, sondern nur anders. Offensichtlich erkennen die Eltern die großartigen Chancen bis hin zur Allgemeinen Hochschulreife, die mit dem Realschulabschluss über die Fachoberschule (FOS) oder Berufsoberschule (BOS) verbunden sind", merkt Huber an.
"Wir Eltern wählen bewusst eine bestimmte Schulart für unsere Kinder, denn wir wissen, dass es nach jeder Schule Anschlussmöglichkeiten in eine weiterführende Schule gibt. Und wenn der Weg zum Hochschulstudium über die Realschule führt, ist das ein gleichberechtigter, erfolgreicher Weg", erklärt Ingrid Ritt, Vorsitzende der Realschuleltern in
Bayern. "Ein Kind, das mit einer Gymnasialempfehlung auf eigenen Wunsch oder dem Wunsch der Eltern eine bayerische Realschule besucht, verliert gar nichts! Es kann nach dem Realschulabschluss selber entscheiden, welchen weiteren schulischen Weg es gehen will. Das kann das Gymnasium, die Fachoberschule oder eine qualifizierte Berufsausbildung sein. Entscheidend ist, dass alle Talente an allen Schularten gefördert werden, nicht nur Talente einer Schulart. Das zeichnet Bayern aus." Im Übrigen sei laut Ritt die Aussage zum "verschärften Akademikermangel" längst überholt, wie beispielsweise Randolf Rodenstock, der Arbeitgeberpräsident kürzlich unter der Überschrift "Vor allem Mitarbeiter mit Berufsausbildung werden fehlen" feststellte: "Dagegen zeichne sich jetzt zunehmend ein Mangel an Personen mit einem erlernten Beruf ab" und "Es gilt daher, die berufliche Ausbildung auszubauen und zu stärken".
Bernhard Buchhorn, Vorsitzender der Vereinigung Bayerischer Realschuldirektoren, zeigte sich erfreut darüber, dass in der Veranstaltung in Deggendorf wiederholt die hohe Qualität der Realschulbildung thematisiert wurde. "Wir begrüßen es sehr, wenn z. B. die MINT-Förderung, die Berufliche Orientierung oder die Bedeutung der wirtschaftlichen Bildung betont werden. Ist das doch die Bestätigung dafür, dass sich die Bayerische Realschule seit vielen Jahrzehnten zukunftsoffen und modern nach dem Bildungsbedürfnis der Gesellschaft im 21. Jahrhundert ausgerichtet hat. Vielleicht liegt darin die Begründung, dass die Eltern ganz bewusst die moderne Bildung der Realschule für ihr Kind wählen."
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