Hessen unterstützt Schülerinnen und Schüler mit Rechenschwäche
Verbesserte Diagnosemöglichkeiten und eine noch frühere Förderung sind nach den Worten von Joachim Jacobi, Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, die Schlüsselbegriffe, um Kindern mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens zu helfen. "Ebenso wie Schülerinnen und Schüler mit Problemen beim Lesen und Schreiben benötigen auch rechenschwache Kinder gezielte Unterstützung", sagte Jacobi heute auf der Fachtagung "Rechenschwäche? Kinder mit besonderen Rechenschwierigkeiten erkennen und fördern" in Marburg, zu der das Staatliche Schulamt gemeinsam mit dem Hessischen Kultusministerium eingeladen hatte.
14.09.2005 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenDie Ergebnisse internationaler Studien wie TIMSS oder IGLU hätten bereits zu zahlreichen Initiativen zur Qualitätssteigerung des Mathematikunterrichts an hessischen Schulen geführt. Als Beispiel nannte Jacobi die bundesweite Qualitätsinitiative SINUS zur "Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts", die Hessen 1998 an zwölf Schulen gestartet habe und als einziges Bundesland in kurzer Zeit auf mehr als die Hälfte aller hessischen Schulen mit Sekundarstufe I ausgeweitet habe. Der Transfer des Konzepts auf die Grundschulen sei in diesem Jahr erfolgreich gestartet. Diese Initiativen allein reichten allerdings noch nicht aus, um Kinder mit Rechenschwäche individuell und gezielt zu fördern.
Eine Neufassung der bisherigen Verordnung zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben werde deshalb nun auch rechenschwache Kinder berücksichtigen. Auch das neue Lehrerbildungsgesetz gehe auf die gezielte Förderung von rechen- sowie lese- und schreibschwachen Kindern ein. So müssten in Hessen künftig alle angehenden Grundschullehrer und -lehrerinnen neben einem Wahlfach die Fächer Deutsch und Mathematik studieren. "Grundschullehrer erteilen als Klassenlehrer Erstunterricht im Rechnen, Schreiben und Lesen und müssen daher gezielt und systematisch dafür ausgebildet werden", so Jacobi. Während des Studiums und Referendariats werde darüber hinaus ein besonderer Schwerpunkt auf das Diagnostizieren und individuelle Fördern von Kindern gelegt. "Es ist nicht nur wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler beim Rechnen zu den richtigen Ergebnissen kommen. Entscheidend ist auch, mit welchen Strategien sie das Ziel erreichen", erklärte Jacobi. Das Abzählen mit den Fingern könne beispielsweise anfangs hilfreich sein, müsse von den Kindern aber schnell um andere Strategien ergänzt werden.
Der Staatssekretär betonte außerdem die Bedeutung des vorschulischen Bereichs. Der hessische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren beinhalte einen eigenen Abschnitt über die Frage der Ausbildung mathematischer Kompetenzen, die im vorschulischen Bereich spielerisch erlernt werden könnten. Besonders wichtig sei eine gute Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Kindergarten und späterer Schule. Je früher eventuelle Probleme erkannt würden, um so leichter seien gezielte Strategien zur Überwindung möglich.
Darüber hinaus gebe es in Hessen bereits seit 2002 Modellregionen zum "Lesen, Schreiben und Rechnen für alle". Grundschulen und Schulen mit Sekundarstufe I beteiligen sich in den inzwischen neun Regionen freiwillig an dem Modell und setzen verschiedene Förderkonzepte um. Ziel ist es, Basiskompetenzen zu verbessern, um die Zahl der Schüler und Schülerinnen mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben und Rechnen zu verringern.
Keine Kommentare vorhanden