Hitlers "Mein Kampf" im Schulunterricht?
"Die kritische Auseinandersetzung mit dem Originaltext von Hitlers Propagandawerk "Mein Kampf" sollte Teil einer verantwortungsvollen historischen Bildung und der demokratischen Erziehung an den weiterführenden Schulen sein." Das fordert der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt.
27.04.2012 Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)Genauso wie der Zentralrat der Juden in Deutschland hält Schmidt daher die Absicht des Freistaates Bayern als Rechteinhaber, bis 2015 eine neue wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe sowie eine speziell für Schulen konzipierte Aufarbeitung von Hitlers Hassschrift herauszugeben, für eine richtige und verantwortungsvolle Reaktion auf das Auslaufen der nach deutschem Urheberrecht Ende 2015 endenden gesetzlichen Schutzfrist. Nach dem Auslaufen dieser Frist kann ab 2016 faktisch jeder Hitlers Propagandaschrift unkommentiert nachdrucken und in Umlauf bringen.
Schmidt ist davon überzeugt: "Ein Unterricht, der Hitlers krude und hetzerische Ideen offenlegen und entlarven will, muss dazu auch auf seine Originaltexte als historische Quellen zurückgreifen dürfen. Ich halte nichts davon, den Umgang mit diesen und anderen NS-Texten aus Angst vor einer ´Infektion´ junger Menschen mit rechtextremem Gedankengut zu tabuisieren. Das ähnelte einer ´Vogel Strauß-Politik´ nach dem Motto: Nur wenn ich mir das Böse nicht ansehe, wird auch nichts Schlimmes passieren. Eine solche Haltung hilft aber nicht weiter. Ganz im Gegenteil: Mit der Tabuisierung der Behandlung dieser Texte in der Schule vergäbe man eine Chance, über den Nationalsozialismus aufzuklären, Rechtsextremismus und Neonazismus zu bekämpfen und damit aktiv einen Beitrag zur Erziehung zur Demokratie zu leisten. Mehr noch: Wer Schülern diese Texte vorenthalten und damit eine objektivierbare, an den Quellen orientierte Aufklärung bewusst verhindern will, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, damit rechtsradikalen Chaoten und menschenverachtende Ideologen in die Hände zu spielen: Denn die Tabuisierung würde diesen Rattenfängern weiter die Möglichkeit eröffnen, von Unwissenheit und Unaufgeklärtheit junger Menschen zu profitieren. Und sie macht auch in anderer Hinsicht keinen Sinn: Denn für manche stellte sie nur einen Reiz dar, erst recht nach dem ´Verbotenen´ zu suchen und sich damit zu beschäftigen."
Diese Forderung nach einer offensiven kritischen Beschäftigung mit Originaltexten des Dritten Reiches werde, so Max Schmidt, außerdem von renommierten Zeithistorikern vorbehaltlos geteilt.
Wörtlich betonte er: " Aus fast jeder Seite dieses Machwerks spricht der Größenwahnsinn und die ideologische Verblendung des jungen Hitlers. Eine von Lehrkräften begleitete Auseinandersetzung mit Textteilen kann einen wichtigen Beitrag zur Entlarvung nazistischen Gedankenguts leisten! Angesichts der pädagogischen Kompetenz unserer Lehrkräfte und unserem Auftrag, Schüler zu kritischen, mündigen Bürgern zu erziehen, brauchen wir davor keine Angst zu haben!"
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