Individuelle Förderung

Individuell fördern macht schlau!

Auf der bundesweiten Fachtagung "Individuelle Förderung in den Schwerpunkten Lesen und Mathematik, erprobte Konzepte für die Schulpraxis, wissenschaftliche Studien" kamen am 12. September 2012 in Frankfurt am Main Schulpraktiker und Bildungsexperten zusammen, um sich über Konzepte und praktische Erfahrungen neuer Lehr- und Lernkonzepte auszutauschen. Veranstaltet wurde die Tagung gemeinsam vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig Holstein (IQSH), dem Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, Kiel (IPN), der Deutsche Telekom Stiftung und dem hessischen Amt für Lehrerbildung. Die 240 Teilnehmenden kamen aus den Schulen und Ministerien, aus Schulaufsicht und Studienseminaren sowie aus den Landesinstituten und Hochschulen.

12.09.2012 Pressemeldung Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen IQSH

Wie in der Schule mehr Freude am Lesen entwickelt, das Verständnis für Zahlen erweitert und ganz einfach Mut und Selbstvertrauen im Umgang mit mathematischen Aufgaben vermittelt werden können, zeigte sich in über 21 Foren der an der Tagung beteiligten Institutionen. Dabei ging es z. B. um Lese- und Sprachförderung im Fachunterricht der beruflichen Schulen, um Mathematik und "gute Aufgaben" in der Grundschule oder ganz allgemein um die Individualisierung von Lernprozessen. Informiert wurde über Ansätze mathematischer Diagnoseverfahren und Schülerinterviews oder wie Lehrerinnen und Lehrer für unterschiedliche Lernbiografien der Schülerinnen und Schüler sensibilisiert werden. Gefragt wurde aber auch wie individuelle Förderung zum Gegenstand von Schul- und Unterrichtsentwicklung werden kann.

Ein weiteres wichtiges Ziel der Tagung bestand darin, die Kooperation zwischen den Bundesländern zu stärken und sich bei der Weiterentwicklung des Unterrichts und der Suche nach geeigneten Lehr- und Lernverfahren gegenseitig zu unterstützen. Die Tagung knüpfte dabei auch an den positiven Erfahrungen an, die bereits mit bundesweiten Programmen zur schulischen Qualitätsentwicklung wie dem Bundesprogramm SINUS zur Effektivierung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts gesammelt werden konnten.

Neue Impulse kamen aus verschiedenen Initiativen: "Mathe macht stark" nennt sich ein Unterrichtsprojekt aus Schleswig-Holstein, das sich an mathematikschwache Jugendliche wendet. Das im Jahr 2011 durch die polytechnische Gesellschaft Frankfurt ausgezeichnete Projekt ist nur eines von verschiedenen Beispielen, die zeigen, wie Lehrerinnen und Lehrer, unterstützt durch Bildungsforschung und Lehrerfortbildung, neue Lehr- und Lernformen im Unterricht anwenden, die sich auf die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler beziehen. Auch "Mathe sicher können" - ein Projekt der Deutsche Telekom Stiftung – zielt darauf ab, Unterrichtsstrukturen und –konzepte sowie konkrete Materialien zur Förderung von leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern im Fach Mathematik zu entwickeln und zu erforschen. Zielgruppe hierbei sind die 20 Prozent der Jugendlichen, welche gemäß der PISA-Studie am Ende der Regelschulzeit nur auf Grundschulniveau rechnen und nur elementare Standardaufgaben bewältigen können.

Ein weiteres Beispiel ist das Konzept "Lesen macht schlau", das bereits an vielen Schulen und in der Lehrerfortbildung in Hessen erfolgreich zum Einsatz kommt. "Individuelle Förderung ist heute ein Gütesiegel guten Unterrichts" erklärte Helga Kennerknecht, die stellvertretende Leiterin des Amtes für Lehrerbildung zur Eröffnung der Tagung. "Die zunehmende Heterogenität in unseren Schulen als Bereicherung zu sehen heißt für uns, Kompetenzorientierung und individuelle Förderung als zentrale Elemente der Aus- und Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer zu begreifen", so Kennerknecht weiter. "Die Vermittlung von Diagnosekompetenz und Förderstrategien sind in Hessen daher fester Bestandteil des Vorbereitungsdienstes und der Lehrerfortbildung."

"Eine effektive individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern im Lesen und in der Mathematik ist für die Lehrkräfte in allen Bundesländern eine große Herausforderung", sagte Dr. Thomas Riecke-Baulecke, Direktor des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein. Mit dem schleswig-holsteinischen Projekt "Niemanden zurücklassen – Lesen macht stark und Mathe macht stark" gelänge dies wissenschaftlich nachgewiesen. Über 40.000 Schüler hätten bereits erfolgreich teilgenommen. "Derzeit öffnen wir das Projekt auch für andere Länder und stellen unsere langjährigen Erfahrungen sowie die entwickelten Materialien zur Verfügung", erläuterte Riecke-Baulecke den Beitrag des eigenen Landes zum beabsichtigten bundesweiten Austausch. So gebe es seit kurzem bereits eine intensive Zusammenarbeit mit Mecklenburg-Vorpommern.

Professor Olaf Köller, Geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik verwies in diesem Zusammenhang auf die großen Schulleistungsstudien der letzten 15 Jahre. "Sie haben eindrucksvoll den erheblichen Förderbedarf in der Verkehrssprache Deutsch und in der Mathematik aufgedeckt. Es ist daher uneingeschränkt zu begrüßen, dass der Bund, die Länder sowie die großen Stiftungen Initiativen zu Förderprogrammen ergriffen haben". Die Frankfurter Tagung böte die Chance, so Köller weiter, die Vielzahl der Aktivitäten publik zu machen und zu koordinieren.

Tagungsprogramm zum Download (PDF)


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