Bayern

Inklusion: Schulen brauchen Unterstützung

Für Pädagogen an Bayerns Schulen ist es immer noch schwierig, die Inklusion so umzusetzen, dass Kinder davon profitieren. Vor allem erschweren mangelhafte Ressourcen die tägliche Arbeit. "Es ist daher dringend notwendig, die fraktionsübergreifende Arbeit zum Thema Inklusion im Landtag fortzusetzen." Mit diesem Appell hat sich der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, an die Abgeordneten gewandt.

11.11.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

In der vergangenen Legislaturperiode war bereits eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen worden. In ihr waren Mitglieder aller fünf Fraktionen vertreten. "Ich hoffe, dass sich die Arbeitsgruppe nach der Landtagswahl neu formiert und dass sie wieder fraktionsübergreifend agiert." Der Handlungsbedarf sei groß: "An den Schulen sind die organisatorischen und personellen Mittel immer noch unzureichend. Es fehlen Fortbildungsprogramme und Reformen in der Lehrerbildung. Viele Lehrkräfte wünschten sich eine bessere Vorbereitung auf die hohen Anforderungen, vor denen sie sich gestellt sehen. Derzeit müssten sie vor allem eines können: Improvisieren. Der BLLV-Präsident verlangte deutlich kleinere Inklusionsklassen, bessere Möglichkeiten für Teamteaching, für Kooperationen mit Sonderpädagogen und für die Entwicklung von Förderplänen. Dringend benötigt würden auch geeignete fachliche und sachliche Lehr- und Lernmittel sowie individuelle Fördermaßnahmen.

Die UN-Konvention ist für alle Schulen verpflichtend, d.h. alle Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf müssen danach aufgenommen werden. "Die Rahmenbedingungen für die Leitidee Inklusion sind aber nach wie vor ungünstig", sagte Wenzel. Viele Lehrerinnen und Lehrer sorgten sich darum, dass bei Aufnahme eines oder mehrerer Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf z.B. im Bereich Lernen oder im Bereich sozialemotionale Entwicklung der Unterricht insgesamt beeinträchtigt werde. "Letztlich leidet dann die ganze Klasse."

Beispiel Grundschule: "Dort unterrichtet eine Lehrkraft im Schnitt über 20 Kinder im Alter zwischen fünf und sieben Jahren. Die kleineren Kinder haben andere Bedürfnisse als die größeren. Hinzu kommen Kinder mit Schwierigkeiten beim Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen, Sprachschwierigkeiten oder Aufmerksamkeitsdefiziten. Wenn in dieser Situation auch noch ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf hinzukommt, das besonders viel Aufmerksamkeit und individuelle Lernangebote braucht, stößt die Lehrkraft schnell an ihre Grenzen, zumal sie keine sonderpädagogische Ausbildung erhalten hat."

In einem ersten Schritt müssten an allen allgemeinbildenden Schulen Voraussetzungen geschaffen werden, die erfolgreiche Inklusion möglich machten - in einem zweiten Schritt müssten alle Förderschulen in die Lage versetzt werden, diese Prozesse effektiv zu begleiten und zu ergänzen. Wenzel forderte das Kultusministerium auf, Schulen schrittweise umzugestalten, "vor allem aber brauchen sie deutlich mehr Personal, das unterstützend eingreifen kann." Im nächsten Doppelhaushalt müssten daher deutlich mehr Planstellen als bisher geschaffen werden.

Der BLLV-Präsident mahnte auch Reformen in der Lehrerbildung an: "Die UN- Konvention verlangt von den Lehrkräften, Lerngeschehen im Unterricht für möglichst viele Schüler mit unterschiedlichem Vorwissen, unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und unterschiedlich verlaufenden Lernprozessen erfolgreich zu gestalten. Im Zentrum einer der Inklusion verpflichtenden Lehrerbildung muss daher für alle Lehrämter die Auseinandersetzung mit Heterogenität in pädagogischen Prozessen stehen."


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