Investitionsprogramm mit vielen offenen Fragen
"Der BLLV kann das von Ministerpräsident Stoiber angekündigte Milliardenprogramm für Bildung nur in froher Erwartung begrüßen", mit diesen Worten kommentierte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Albin Dannhäuser, die Pläne der Staatsregierung, kräftig in Bildung investieren zu wollen. "Der Handlungsdruck in der Schul- und Bildungspolitik ist enorm - diese Tatsache ist offenbar auch in der Politik angekommen", erklärte Dannhäuser beim traditionellen schulpolitischen Starkbieranstich im niederbayerischen Unterglaim.
22.03.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Insbesondere der Ausbau der Hauptschulen zu bedarfsgerechten Ganztagsschulen ist ein wichtiger Schritt, um die Bildungschancen dieser Schüler zu verbessern. "Allerdings wirft das Investitionsprogramm der Staatsregierung viele Fragen auf, wenn sich die Hauptschule zu einem attraktiven und gleichwertigen Bildungsgang entwickeln soll. Wege, die aus der verfahrenen schul- und bildungspolitischen Situation führen, sind jedoch bitter nötig. Das BLLV-Konzept der "Regionalen Modellschule" ist ein pragmatischer Ansatz, ein erster Schritt in die richtige Richtung.
"Die jetzigen Hauptschüler brauchen Perspektiven, vor allem die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz", erklärte Dannhäuser. "Hauptschulen müssen schnell und ohne weitere Verzögerung gestärkt werden. Nötig ist vor allem mehr Personal für die individuelle Förderung und Unterstützung der Schülerinnen und Schüler. In einem gemeinsamen Kraftakt mit der Wirtschaft muss versucht werden, möglichst allen Hauptschülern einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. Der BLLV setzt große Hoffnungen auf die Hauptschuloffensive des Kultusministers. Er hat inzwischen viele Reformvorstellungen des BLLV aufgegriffen. "Die Offensive kann aber nur erfolgreich sein, wenn deutlich mehr Geld in Hauptschulen investiert wird", stellte Dannhäuser klar und rechnete vor, dass allein über 300 Millionen Euro freigesetzt werden könnten durch Rückgang der Schülerzahlen, Reduzierung der Wiederholer und Schulabbrecher und schließlich durch das Vermeiden von Warteschleifen beim Übergang in die berufliche Bildung.
Bayern kämpft mit rückläufigen Schülerzahlen und veränderten Schülerströmen. Antworten stehen immer noch aus. Das massenweise Schließen von Schulen ist keine Lösung. In einem streng gegliederten und früh selektierenden System sind die Möglichkeiten sehr begrenzt. Dannhäuser: "Der BLLV hält an seiner Auffassung fest, dass durch eine längere gemeinsame Schulzeit viele pädagogische und regional-organisatorische Fragen gelöst werden könnten. Die gesellschaftlichen und verbandspolitischen Kräfte, die aus dem frühen Zuteilungssystem Vorteile ziehen, sind noch übermächtig. Doch die pädagogische Grundauffassung des BLLV wird mehr und mehr bestätigt - nicht zuletzt auch durch die heutige Veröffentlichung des Berichts des UN-Sonderberichterstatters für Bildung, Vernor Munoz, der erneut das dreigliedrige Schulsystem, die damit verbundene rigide Auslese und fehlende Chancengleichheit an den Pranger stellt."
Der BLLV sucht den pragmatischen Weg. Schnell realisierbar erscheint die Entwicklung "Regionaler Modellschulen". Es zeichnet sich ab, dass in Zukunft einzelne Regionen spezielle Lösung brauchen. Dannhäuser: "Die Zeit ist vorbei, in der es in einem riesigen Flächenland wie Bayern mit unterschiedlichen räumlichen Verhältnissen und schulischen Bedürfnissen nur eine einzige allgemeingültige und unumstößliche ´richtige Lösung´ geben kann." Eine Antwort könnte die vom BLLV entwickelte "Regionale Modellschule" sein. "Sie ist kein Fertighaus, das auf einem Reißbrett in München konstruiert wird und das alle Regionen abkaufen müssen - unabhängig davon, ob es zu ihnen passt und unabhängig davon, ob sie es wollen oder nicht." "Regionale Modellschule" heißt vielmehr: "Jede Schulregion muss unter der Regie eines regionalen Schulausschusses eigene Antworten auf ihre schulische Problemlage entwickeln. Gemeinden sollten zunächst ausloten, welcher Umfang für einen regionalen Schulverbund notwendig und zweckmäßig ist. Zusammen mit den Schulen, den Eltern und der regionalen Schulaufsicht sollten sie einen regionalen Schulausschuss bilden. Dieser sollte anhand der vorhersehbaren Entwicklung der Schülerzahlen einen lokalen Schulentwicklungsplan konzipieren. Die "Regionale Modelschule" sollte flexibel organisiert sein", erklärte Dannhäuser. Formen der der inneren Organisation obliegen der Schule. Für zweckmäßige Formen der äußeren Organisation sollte eine "Regionale Modellschule" grundsätzlich offen ein. Jede Schule ist eine rhythmisierte Ganztagsschule. Angeboten werden der Mittlere Abschluss und der Regelabschluss.
Prinzipiell ermöglicht sie Synergie-Effekte im Blick auf das Raumangebot, die Ausstattung mit Lehr- und Lernmitteln. Hohe Transportkosten können eingespart und besser für die Mittagsverpflegung bereitgestellt werden. Dannhäuser hielt fest, dass sich wesentliche Elemente der "Regionalen Modellschule" mit Überlegungen des Kultusministers zur Hauptschulreform decken. "Schwierig erweist sich jedoch nach wie vor die Frage, wie intensiv verschiedene Schularten regional kooperieren können bzw. dürfen", stellte Dannhäuser fest. Der BLLV bietet inzwischen zahlreichen Kommunen in Bayern umfassende und kostenlose Beratungen an.
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