Saarland

IQB-Ländervergleich 2011: Bildungsminister Commerçon warnt vor unkritischer Testgläubigkeit

Bildungsminister Ulrich Commerçon hat die Ergebnisse des aktuellen Ländervergleichs 2011 des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) als "wenig aussagekräftig" bezeichnet. Der Minister warnte davor, dass bei der Vielzahl von bundesweiten Leistungserhebungen und Vergleichtests die individuelle Förderung der Kinder auf der Strecke bleiben könnte. "Die Studie belegt lediglich die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft. Aber das ist keine neue Erkenntnis. Deshalb muss unser Schwerpunkt auf der Herstellung von Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit liegen."

05.10.2012 Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

Laut Studie belegen die saarländischen Grundschüler beim Kompetenzfeld Lesen und in Mathematik mit einer Gruppe von insgesamt neun bzw. fünf Bundesländern einen akzeptablen mittleren Platz im Ranking der Bundesländer. Allerdings, so Commerçon, weise die Studie selbst auf die eingeschränkte Brauchbarkeit der Werte hin.

Nach Angaben der Gutachter liegen die Kompetenzausprägungen derjenigen neun Bundesländer (darunter das Saarland), die im Bereich Lesen das Mittelfeld belegen, "sehr dicht am deutschen Mittelwert" und unterscheiden sich "oft nur geringfügig". Daraus resultieren Vertauschungen in den Rangplätzen, die jedoch "nicht bedeutsam" seien. Das Saarland unterscheide sich daher sowohl 2006 als auch 2011 "nicht statistisch signifikant von dem im Mittel in Deutschland erreichten Lesekompetenzwerten". Ferner werde bei den Leistungsuntersuchungen im Fach Mathematik darauf hingewiesen, dass die Abweichungen zwischen den Bundesländern "auf länderspezifische Schwerpunkte im Unterricht zurückzuführen sein könnten." Auch ein Vergleich der IQB-Studie mit früheren Erhebungen sei "nicht sinnvoll". Es sei "keine Aussage darüber möglich, inwieweit sich die mittleren Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Deutschland insgesamt oder in den einzelnen Ländern zwischen 2006 und 2011 verändert haben", so die Gutachter.

Der Minister warnte deshalb vor einer "unkritischen Testgläubigkeit": "Der jetzt vorgestellte Ländervergleich ist lediglich eine statistische Darstellung, ohne dass brauchbare Schlussfolgerungen für die Praxis vor Ort gezogen werden können." Commerçon schloss sich der Forderung der GEW an, die Praxis der Bildungsforschung selbst auf den Prüfstand zu stellen. "Wir müssen prüfen, ob der Vergleich zwischen ganzen Bundesländern ziel führend ist oder ob es nicht besser wäre, wirtschaftlich und soziokulturell vergleichbare Räume zu untersuchen."


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