Hamburg

IQB-Ländervergleich vorgestellt: Hamburger Grundschülerinnen und Grundschüler auf den unteren Rängen

Heute ist in Berlin der Grundschul-Ländervergleich 2011 des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) vorgestellt worden. Dafür wurden im Mai 2011 in allen 16 Bundesländern Grundschülerinnen und Grundschüler der damaligen vierten Klasse getestet. Hamburgs Schülerinnen und Schüler belegen dabei im Lesen Rang 14, im Kompetenzbereich Zuhören Rang 13 und in Mathematik Rang 14. In allen Kompetenzbereichen liegen die Ergebnisse der Stadtstaaten unter dem deutschen Mittelwert, die beiden anderen Stadtstaaten Berlin und Bremen liegen allerdings noch einmal jeweils deutlich hinter Hamburg. Diese Befunde entsprechen im Wesentlichen den Ergebnissen der nationalen Erweiterungsstudie IGLU-E (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) aus dem Jahr 2006 und dem Hamburger Abschneiden im IQB-Ländervergleich aus dem Jahr 2009 in der Sekundarstufe I.

05.10.2012 Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)

Die ungünstigen Rangplätze der Stadtstaaten sind auch diesmal wesentlich bedingt durch den deutlich höheren Anteil an Kindern aus Zuwandererfamilien, die insgesamt deutlich schlechter abschneiden. Hier hat Hamburg mit ca. 44 % den höchsten Anteil aller 16 Bundesländer. Die Leistungsunterschiede zwischen Kindern mit und ohne Zuwanderungshintergrund sind groß, aber trotz eines deutlich gestiegenen Anteils an Kindern mit Zuwanderungshintergrund stabil geblieben. Vergleicht man bundesweit die beiden Schülergruppen mit bzw. ohne Zuwanderungshintergrund jeweils für sich, so liegen die Leistungen der Hamburger Schülerinnen und Schüler im Mittelfeld der jeweiligen Schülergruppe.

In Hamburg wie auch in den anderen beiden Stadtstaaten ist in der Schülerschaft ein deutliches soziales Gefälle zu konstatieren. Mehr noch als migrationsbedingte Unterschiede sind es diese sozialen Benachteiligungen, die sich ungünstig auf die Leistungsstände auswirken.

Der IQB-Ländervergleich zeigt, dass ein erheblicher Teil der Hamburger Schülerinnen und Schüler bereits in der Grundschule in der Unterrichts- und Verkehrssprache Deutsch und im Fach Mathematik Kompetenznachteile aufweist. Dies betrifft vor allem Kinder aus Zuwandererfamilien, deren beide Elternteile im Ausland geboren sind Offensichtlich gelingt die Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien nicht in hinreichendem Maße. Die bisher unternommenen Bemühungen zur Förderung der Kompetenzen in der deutschen Sprache und in der Mathematik müssen deshalb überprüft werden.

Nach den Testergebnissen verfehlen 18 Prozent der Hamburger Grundschülerinnen und Grundschüler am Ende der Jahrgangsstufe 4 im Lesen und 21 Prozent in Mathematik die Mindestanforderungen. Besser sind dagegen die Leistungen im Zuhören, wo ca. 12 Prozent die Mindeststandards nicht erreichen.

Während die Mädchen im Lesen signifikant besser als die Jungen abschneiden, erreichen die Jungen in Mathematik mit einem Abstand von 27 Punkten den bundesweit deutlichsten Vorsprung vor den Mädchen.

In Hamburger Grundschulen unterrichten laut Angaben der befragten Lehrkräfte ein Drittel der Deutschlehrkräfte und fast die Hälfte der Mathematiklehrkräfte das jeweilige Fach, ohne es studiert zu haben ("fachfremd"). Dieser im Ländervergleich hohe Anteil wirkt sich möglicherweise insbesondere in Mathematik negativ auf die Fachleistung aus.

Bildungssenator Ties Rabe: "Das Hamburger Ergebnis bestätigt weiterhin einen deutlichen Handlungsbedarf für die Hansestadt. Das Abschneiden der Kinder mit Zuwanderungshintergrund und der Kinder aus sozial benachteiligten Familien ist unbefriedigend. Wir werden uns daher auf drei Handlungsfelder konzentrieren: Hamburg hat in den letzten Jahren die individuelle Förderung und die Ganztagsangebote deutlich ausgebaut. Diesen Ausbau wollen wir fortsetzen. Gerade Ganztagsangebote können Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern neue Bildungschancen bieten.

Die bestehende Förderung muss optimiert werden. Obwohl Hamburg beispielsweise in der Sprachförderung oder im Ganztag deutlich mehr Ressourcen als andere Bundesländer einsetzt, wirkt sich dieser Einsatz noch zu wenig auf bessere Ergebnisse aus.

Darüber hinaus müssen wir die Unterrichtsqualität verbessern. Davon profitieren alle Kinder. Deshalb wollen wir zusammen mit den Schulen ein Qualitätsmanagement aufbauen und auch das Thema "Unterrichtsausfall" aufgreifen. Der neue Leitfaden zur Unterrichtsqualität, regelmäßige landesweite Lernstandsuntersuchungen und die Berichte der Schulinspektion sollen den Schulen künftig kontinuierliche Hinweise für die Verbesserung des Unterrichts geben."

Zum Hintergrund:
Die IQB-Ländervergleiche lösen die bisherigen Ländervergleiche ab, die als nationale Ergänzungsstudien zu IGLU am Ende der Grundschule und PISA am Ende der Sekundarstufe I durchgeführt worden waren. Im letzten Jahr wurde der Ländervergleich zum ersten Mal in den Grundschulen durchgeführt. Getestet wurden die Fächer Deutsch (Kompetenzbereiche Lesen und Zuhören) und Mathematik. Dabei stellten die 2003 von der Ständigen Konferenz der Kultusminister beschlossenen Bildungsstandards für das Ende der Grundschulzeit die Grundlage für die Testung dar. Über die Leistungstests hinaus wurden Schüler- und Lehrerfragebögen eingesetzt. In Hamburg nahmen 114 zufällig ausgewählte Grundschulen (rund 2.900 Schülerinnen und Schüler) an der Studie teil.

Bericht und Zusammenfassung zum Ländervergleich 2011:
www.iqb.hu-berlin.de/institut/news?pg=n009

Informationen zur Testung und zu den Testaufgaben:
www.iqb.hu-berlin.de/laendervergleich/LV2011/infoLV11


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