Junglehrer reagieren empört auf Kultusminister Rau

Am Wochenende haben zahlreiche abgelehnte Junglehrer/innen empört auf Äußerungen von Kultusminister Helmut Rau reagiert. Er hatte am Freitag mitgeteilt, die schlechten Einstellungschancen seien seit langem bekannt gewesen. "Uns ist kein Fall bekannt, wo das Kultusministerium an den Ausbildungsseminaren auf diese katastrophale Situation hingewiesen hatte. Auch die Dozenten dort waren nicht informiert und konnten deshalb den Lehrernachwuchs bei ihren Bewerbungen nicht richtig unterstützen", sagte am Montag (25.06.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

25.06.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Die Bildungsgewerkschaft bezeichnet es als "Unverfrorenheit", die zum Teil hoch qualifizierten Bewerber/innen so abzuspeisen. "Die Landesregierung hat trotz ihres Wahlversprechens, keine Lehrerstelle zu streichen, in einem Jahr 870 Stellen einkassiert. Wenn wir die von Kultusminister Helmut Rau geplante Streichung der Altersermäßigung nicht verhindert hätten, stünden weitere 300 Lehrkräfte auf der Straße", sagte Dahlem.

Nach Informationen der GEW wird die Landesregierung ein weiteres Versprechen nicht einhalten: Anfang Mai hatten Rau und Ministerpräsident Günther Oettinger die Senkung des Klassenteilers an Hauptschulen versprochen, wodurch 600 neue Stellen entstehen würden. Nach Widerstand in der CDU-Fraktion ist dies aber jetzt offenbar wieder vom Tisch. Die Landesregierung will morgen über ein Programm zur Stärkung der Hauptschule verhandeln.

Gut 5.000 von 8.000 Bewerber/innen erhalten im September keine Stelle. Bei den Grund- und Hauptschulen werden nur 13 Prozent der Lehramtsanwärter im nächsten Schuljahr unterrichten dürfen.

Arbeitslose Lehrer/innen - vier Beispiele

Lörrach:

Ich bin eine der vielen Referendarinnen, die das Seminar in Lörrach besucht haben, und mit einer Gesamtqualifikation von 52,2 Punkten (entspricht der Note 1,3) keine Stelle erhalten hat. Empörung und Verzweiflung sind groß. Zwei Schulen wären sehr interessiert mich als Junglehrerin einzusetzen, bekommen jedoch keine neuen Lehrer zugewiesen. Trotz meiner Fächerkombination: Mathematik, Englisch und Französisch habe ich keine Stelle erhalten, obwohl ich die Lehrbefähigung zum Unterrichten sogenannter "Mangelfächer" habe.

Mannheim:

Ich selbst habe die Note 1.55, ich hatte gedacht, dass dies für eine Einstellung reichen müsste, aber auch ich habe noch nichts gehört. Die Situation ist mehr als belastend. Nicht nur ich habe Schlafstörungen und eine große Wut im Bauch. Man fühlt sich verarscht! Viele Jahre, eigentlich seit dem Abitur haben wir gehört: "werdet Lehrer, ihr werdet gebraucht" und nun haben wir es geschafft und sind so weit und was ist? Wir, bzw. ein großer Teil von uns, stehen wohl alle auf der Straße!

Karlsruhe:

Ich bin 37 Jahre alt und alleinerziehend mit einem Kind, habe GHS mit Stufenschwerpunkt Hauptschule studiert. Fächer: Deutsch und ein sogenanntes Mangelfach HTW. 2. Examen mit 1,04, 1. Examen mit 1,7. Und ich bin arbeitslos!!!!!!

Stuttgart:

Ich bin eine der Hauptschullehrerinnen mit den Mangelfächern Religion (und Mathematik), die auch keine Stelle erhalten hat. Auch wurde mir fest zugesichert, dass Hauptschullehrer eine Stelle bekommen und wenn man das Mangelfach Religion hat, hat man sie im Prinzip sicher. Ich war bereit in ganz Baden-Württemberg eine Stelle anzunehmen. Bei meinem Anruf beim Regierungspräsidium habe ich gefragt, ob denn nicht Religion ein Mangelfach sei, die Antwort lautete nur: Nein, Religion wird doch kaum gebraucht. Genauso verlautete die Antwort mit den scheinbar benötigten Hauptschullehrern. Hätte ich die unwahrscheinlichen Einstellungschancen bereits zwei Monate früher gewusst, hätte ich mich bereits darauf einstellen können und v.a. in anderen Bundesländern und der Schweiz bewerben können. Hoffentlich merken alle Schulen, Lehrer, Eltern und Schüler, was dass für ein Skandal in unserem Land ist!

(Für die Presse vermittelt die GEW gern Interviewpartner. Tel. (0711) 21030-14)

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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