VBE: Lehrerstellenmisere demotiviert alle Beteiligten

Wenn das Kultusministerium zu Beginn dieses Jahres in den Seminaren darauf hinweisen ließ, dass aufgrund der restriktiven Einstellungspolitik alles Bemühen der meisten Referendare und deren Mentoren - vor allem an den Grund- und Hauptschulen - umsonst gewesen ist, sei das kurz vor dem Abschluss der Ausbildungszeit blanker Zynismus, stellt der Verband Bil­dung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg fest. Es werde künftig im­mer schwieriger werden, erfahrene Lehrer für die Begleitung von Prakti­kanten und Referendaren zu gewinnen, wenn die Erfolgsaussichten auf eine Stelle im Schuldienst so katastrophal seien.

24.06.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Bevor Lehrer auf die Schüler "losgelassen" werden, müssen sie etliche Praktika, Prüfungen und ein mindestens achtzehnmonatiges Referendariat ablegen. Dabei werden sie von erfahrenen Lehrern angeleitet und begleitet. Für die Ausbildung eines Lehramtsstudenten etwa in einem vierwöchigen Blockpraktikum erhält der Ausbilder an einer Grund- und Hauptschule keinen Cent, geschweige denn einen zeitlichen Ausgleich. Das gehört mit zu seinen Dienstgeschäften, und wird von den meisten Aktiven ohne zu murren mit großem Engagement erledigt.

Dieses Engagement auch künftig zu bekommen wird immer schwieriger werden, befürchtet der VBE. Schon in den letzten Jahren wurden nicht so viele neue jun­ge Lehrer eingestellt, wie es eigentlich für eine positive Schulentwicklung not­wendig gewesen wäre. Übervolle Klassen, neue Unterrichtsformen, Ganztages­schulen, eine Klassenlehrerstunde für die vielen soziale Probleme und effektive Unterstützungssysteme für schwächere Schüler erfordern zusätzliche personelle Ressourcen. "Man kann Schule nicht völlig umkrempeln wollen, ohne zusätz­liche Investitionen zu tätigen", sagt VBE-Chef Rudolf Karg. Jetzt sehen die Ausbildungslehrer, dass alles Bemühen wieder "für die Katz" gewesen ist.

Wenn selbst Referendare, die die Prüfungslehrproben mit "sehr gut" abgelegt haben, nicht in den Schuldienst übernommen werden, weil der Gesamtnoten­durchschnitt "nur" bei 1,5 liegt, werde die Motivation aller Beteiligten kaputt gemacht. "Wie soll man künftig noch Lehrer für die Begleitung der Studie­renden und Referendare gewinnen können, wenn diese davon ausgehen müssen, dass alle Anstrengungen ins Leere laufen, weil die meisten Junglehrer schließ­lich doch auf der Straße landen werden?", fragt der VBE-Vorsitzende. Fünf Jahre intensive Ausbildung, um dann am Supermarkt an der Kasse zu sitzen oder Regale aufzufüllen, sei nicht das, wovon Abiturienten träumen.

Als unverschämt empfindet der Verbandschef die in den Zeitungen kolportierte Aussage des Kultusministers, die Referendare seien an den Seminaren bereits im Januar dieses Jahres über die für sie katastrophale Einstellungssituation zum kommenden Schuljahr informiert worden. Die Pädagogen am Ende einer langen spezialisierten Ausbildung damit zu konfrontieren, dass die meisten nun doch nicht für die Schule gebraucht werden, sei blanker Zynismus.


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