Keine Freistellung vom Fach Ethik - Verwaltungsgerichtsbeschluss bestätigt Verwaltung

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) hat den Beschluss des Verwaltungsgerichts zur Freistellung vom Ethikunterricht als Bestätigung der Position der Verwaltung begrüßt. Das Gericht hatte einen entsprechenden Antrag eines Berliner Elternpaares auf Erlass einer einstweiligen Anordnung zurückgewiesen (VG 3 A 391.06).

22.08.2006 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Böger: "Ethik ist ein verbindliches ordentliches Unterrichtsfach wie Deutsch, Biologie oder Sport. Deshalb kann und wird es keine generelle Freistellung geben. Ein Fach, in dem sich Schülerinnen und Schüler gleich welcher Konfession intensiv mit Werte-Vorstellungen auseinander setzen, ist ein großer Gewinn für unsere Gesellschaft. Ein besonderes Plus ist, dass alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam und ausnahmslos an diesem Unterricht teilhaben. Mit dem Grundsatz ´Werte für alle´ sind wir in Berlin auf dem richtigen Weg.

Wir haben in der Vergangenheit religiös motivierte Anträge auf Befreiung in den Fächern Biologie oder Sport erlebt. Solche Befreiungen dienen nicht dem Auftrag der Schule, der in § 1 des Schulgesetzes die Vermittlung "eines Höchstmaßes an Urteilskraft, gründlichem Wissen und Können" hervorhebt. Im Fach Ethik liegen der Verwaltung bislang nur zwei Anträge auf eine Freistellung vor. Einer der beiden Anträge ist der nun vor dem Verwaltungsgericht verhandelte.

Das Fach Ethik grenzt niemanden aus. Religionsunterricht mit bekenntnisorientierter Absicht ist und bleibt ein frei wählbares Angebot. Ich begrüße es ausdrücklich, wenn Kinder und Jugendliche den Religionsunterricht wählen. Das Fach Ethik wird weltanschaulich und religiös neutral unterrichtet."


Zu den Teilnehmerzahlen am Religionsunterricht an den weiterführenden Schulen:
An weiterführenden allgemein bildenden Schulen hatten zuletzt (Stand: Schuljahr 20004/05) 25,9 Prozent aller Schülerinnen und Schüler an einer Form des Religions- oder Weltanschauungsunterricht teilgenommen (ev. Religionsunterricht: 16,12 %, kath. Religionsunterricht: 4,95 %, Humanistische Lebenskunde: 1,43 %; andere: 0,75 %; Schulversuch Ethik/Philosophie: 2,68 %).

Bildungssenator Klaus Böger: "Am Fach Ethik werden 100 Prozent teilnehmen. Dieses starke Argument wird letzten Endes auch die Gegner überzeugen."

Die Ausstattung mit Lehrkräften, die an den rund 330 Schulen der Sekundarstufe I Ethik unterrichten ist gut.

Über 480 Lehrkräfte unterrichten bereits das Fach Philosophie oder wurden abschließend fortgebildet - die Nachfrage nach entsprechenden Kursen ist weiterhin groß. Vereinzelt kann es dazu kommen, dass Lehrkräfte auch an benachbarten Schulen Ethik unterrichten werden.

Nach dem Lehrerbildungsgesetz erwerben die Lehrkräfte der Berliner Schule eine Befähigung, mit der sie in allen Unterrichtsfächern eingesetzt werden können, für Ethik als neues Unterrichtsfach sollten die Lehrkräfte jedoch besonders qualifiziert werden. An jeder Schule soll mindestens eine aus-, fort- oder weitergebildete Lehrkraft vorhanden sein.


An der Berliner Schule gibt es derzeit
- 150 Lehrkräfte mit dem Fach Philosophie (oder Ethik/ andere Bundesländer),
- ca. 280 Berliner Lehrkräfte, die an der Weiterbildung Ethik/Philosophie des LISUM teilgenommen haben,
- 51 Lehrkräfte mit den Fächern Religion und Ethik und Teilnahme an der 1-Semester-Fortbildung Ethik

und 178 Lehrkräfte anderer Fächer, die am 3- Semesterkurs Ethik teilnehmen. 60 Lehrkräfte werden ab August 2006 in die Fortbildung des LISUM aufgenommen.

Die siebenten Klassen beginnen jetzt hochwachsend mit zwei Stunden Ethik. Für eine dreizügige Schule ergibt sich also ein Unterrichtsbedarf von sechs Stunden. Dazu stehen im Vergleich 480 bereits ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung (s.o.).

Fachbrief, Handreichung und der ausführliche Rahmenlehrplan sorgen für eine ausreichende Ausstattung der Lehrkräfte für das neue Fach (www.senbjs.berlin.de und www.lisum.de).

Der Arbeitskreis Neue Erziehung (ANE) hat eine Ethik-Information für Eltern im Schulbrief Nr. 16 verfasst, der an alle jetzigen Siebentklässler verteilt wurde.

Bildungssenator Klaus Böger: "Die jetzt anstehendenden Elternabende werden allen Eltern gute Gelegenheit geben noch mehr über dieses neue Fach, insbesondere über seine Chancen und Ziele zu erfahren. Der Unterricht über Wertevorstellungen nützt allen, gleich welcher Glaubensüberzeugung."


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