CDU Baden-Württemberg

Kultusminister muss verkorkste Bildungspolitik unverzüglich korrigieren!

Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Peter Hauk MdL und der bildungspolitische Sprecher Georg Wacker MdL:

17.07.2014 Pressemeldung CDU/CSU

"In den Pfingstferien wurden von Kultusminister Stoch zusätzlich 500 Deputate für die Realschulen in den Raum gestellt, von Differenzierung an den Realschulen und einer Orientierungsstufe in den Klassen 5 und 6 wurde geschrieben. Aber schon in der Regierungsbefragung am 25. Juni wollte der Kultusminister von diesen zielführenden Gedanken nichts mehr wissen, er war mit seinen Aussagen plötzlich wieder völlig vage. Die Hoffnung auf eine Besserung der Situation an unseren Schulen schwindet zunehmend, auch begründet durch den Zick-Zack-Kurs der Landesregierung,. Wir erwarten vom Kultusminister eine unverzügliche Korrektur dieser verkorksten Bildungspolitik sowie klare und verlässliche Aussagen", sagten der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Peter Hauk MdL, und der bildungspolitische Sprecher, Georg Wacker MdL, am Donnerstag (17. Juli) in Stuttgart.

Einseitige Ressourcenzuweisung geht zu Lasten der Realschulen

"Die Schullandschaft ist nach drei Jahren Grün-Rot in eine massive Schieflage geraten. Während die Gemeinschaftsschule bei der Ressourcenzuweisung massiv bevorzugt wird, werden die anderen Schularten – allen voran die Realschule – massiv benachteiligt. Das geschieht zu Lasten der Schülerinnen und Schüler der Realschule. So bekommen die Gemeinschaftsschulen derzeit je Schüler 1.176,- Euro Zuweisung vom Land, während für einen Realschüler lediglich 582,- Euro bezahlt werden. Mit den Poolstunden für individuelles Lernen schaut es nicht besser aus: Gemeinschaftsschulen stehen je Zug 24 Stunden je Woche zur Verfügung, Realschulen müssen mit lediglich 2,2 Stunden je Woche auskommen. Im Zuge des Bildungsplans 2015 wurde die Realschule gar ganz vergessen – profilbildende Fächer gibt es nicht mehr. Erschreckend ist, dass nach dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung mehr leistungsschwächere Schüler den Übergang auf die Realschulen versuchen. Aber die dazu notwendigen Förder- bzw. Unterstützungsstunden erhalten die Realschulen nicht", kritisierten die CDU-Abgeordneten.

Von den Realschulen werde der Fraktion berichtet, dass die Schülerschaft in den Klassen 5 und 6 einen massiven Leistungsunterschied aufweise. Gleichzeitig würden den Schulen aber die notwendigen Förderstunden fehlen, um hier passgenaue Förder- und Unterstützungsangebote zu machen. So verwundere es nicht, dass auch in diesem zu Ende gehenden Schuljahr 2013/14 – insbesondere in den Klassen 5 und 6 – mit weiter ansteigenden Sitzenbleiberzahlen zu rechnen sei.

Minister Stoch muss Bilanz ziehen und überfällige Korrekturen vornehmen

"Auch die Anmeldezahlen an den Privatschulen steigen weiter deutlich an. Das ist ein Ergebnis der grün-roten Schulpolitik! Da verwundert es nicht, dass der Kultusminister aus den Realschulen nur zu gerne Gemeinschaftsschulen machen würde, wo es keine Noten und kein Sitzenbleiben mehr gibt. So lässt sich das Problem aus seiner Sicht lösen – und am Ende müssen die Ausbildungsbetriebe den Schülern Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen und die Defizite grün-roter Bildungspolitik ausgleichen", erklärte Wacker.

"Die Ankündigung des Kultusministers war grundsätzlich richtig, nur traut er sich nicht diese konsequent umzusetzen. Wir fordern den Kultusminister auf, Bilanz zu ziehen und endlich die überfälligen Korrekturen vorzunehmen. So ist im Übergang von der Grundschule auf die weiterführenden Schulen dafür zu sorgen, dass die Eltern bestmöglich über das Leistungsvermögen ihres Kindes informiert sind und so eine fundierte Entscheidung treffen können", forderte Wacker.

Einführung der Orientierungsphase lässt differenzierte Förderung zu

Die weiterführende Schule müsse die Grundschulempfehlung des Kindes kennen, damit sie von Anfang an gezielt fördern kann. Nur so könnten Realschulen und Gymnasien die Schülerinnen und Schüler vom ersten Tag an gezielt fördern und unterstützen. "Eine richtige Antwort auf die besonders hohe Heterogenität an den Realschulen in den Eingangsklassen ist die Einführung einer Orientierungsphase in den Klassen 5 und 6. Dort sollen auch Angebote der äußeren differenzierten Förderung und Unterstützung bestehen, damit leistungsstarke wie leistungsschwache Schülerinnen und Schüler passgenaue Bildungsangebote finden können", betonte Hauk.

"Am Ende der Orientierungsphase soll eine Bildungswegeempfehlung stehen. Diese kann Schülerinnen und Schüler auf den zum Hauptschulabschluss führenden Praxisweg oder auf den zur Mittleren Reife führenden Realschulweg empfehlen. Zudem kann eine Empfehlung zum Überwechseln auf das Gymnasium erteilt werden. Für die Schülerinnen und Schüler soll direkt an der Realschule die Möglichkeit geschaffen werden, einen echten Hauptschulabschluss zu erwerben – nicht nur eine Schulfremdenprüfung! Auf diesen qualifizierten Abschluss sollen sie gezielt auf dem Praxisweg vorbereitet werden, während daneben der Bildungsweg zur Mittleren Reife bestehen soll. Der Unterricht soll insbesondere in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und der Naturwissenschaft getrennt organisiert sein. Damit der Übergang in die Berufswelt bestmöglich gelingt, soll ab Klasse 8 eine enge Verzahnung mit den beruflichen Schulen erfolgen", führten Hauk und Wacker aus.

Realschulen brauchen gleichen Umfang Förderstunden wie Gemeinschaftsschulen

"Wir fordern Kultusminister Stoch auf, jetzt schnell zu handeln. Im Interesse der rund 250.000 Schülerinnen und Schüler an den Realschulen erwarten wir vom Kultusminister konkret, dass er schnellstens die massive Benachteiligung der Realschule beendet und ihnen in gleichem Umfang Förderstunden bereitstellt, wie sie den Gemeinschaftsschulen bereits zur Verfügung stehen. Die anvisierten 500 Deputate zur äußeren Differenzierung wären dabei ein erster Schritt. Darüber hinaus erwarten wir vom Kultusminister, dass er rasch den Dialog mit den Lehrerverbänden, der AG Realschulrektoren sowie weiteren Experten mit dem Ziel führt, um noch zum kommenden Schuljahr 2014/15 eine äußere Differenzierung verschieden leistungsstarker Lerngruppen an den Realschulen zu genehmigen," so Peter Hauk.

"Entgegen anderslautender Behauptungen des Kultusministers hatte die CDU-geführte Landesregierung sehr wohl in die Verbesserung der Unterrichtsqualität an den Realschulen investiert. So wurden zwischen dem Schuljahr 2005/06 und dem Schuljahr 2011/12 insgesamt 1.211 zusätzliche Lehrerstellen an den Realschulen geschaffen – und das bei einem gleichzeitigen Rückgang der Schülerzahl um 2.515 Schülerinnen und Schüler. Selbstverständlich verbesserte dies die Lernbedingungen an den Realschulen. Grün-Rot hat zum Schuljahr 2012/13 lediglich 117 Deputate gegeben. Darin ist die vielgepriesene individuelle Förderung enthalten (vgl. Drs. 15/3679).

Echter Hauptschulabschluss neben der Mittleren Reife muss ermöglicht werden

Zumindest in einem Modellversuch müsse es in unserem Land möglich werden, dass in den Klassen 5 und 6 eine Orientierungsphase – auch mit differenzierten Unterrichtsangeboten – eingerichtet werde. Daneben erwarte die Fraktion, dass er im Interesse der Kinder und Jugendlichen umgehend von der Idee einer schulfremden Hauptschulprüfung abrücke und stattdessen einen echten Hauptschulabschluss neben der Mittleren Reife ermögliche. Nur so könnten die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihres Förder- und Unterstützungsbedarfs gezielt auf den angestrebten Abschluss vorbereitet werden. "Eine Schulfremdenprüfung bedeutet eine ungerechtfertigte Mehrbelastung für die Absolventen", forderte der Fraktionsvorsitzende Peter Hauk.

"Mit Blick auf die Gemeinschaftsschulen erwarten wir vom Kultusminister, dass er auch ihnen im gleichen Umfang die Möglichkeit der äußeren Differenzierung einräumt. Darüber hinaus empfehlen wir ihm, sich dauerhaft vom gymnasialen Niveau an den Gemeinschaftsschulen zu verabschieden und sich stattdessen auf ein zielführendes differenziertes Unterrichtsangebot zu konzentrieren", so Hauk und Wacker.

fraktion.cdu-bw.de

Ansprechpartner

CDU/CSU

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden